Die Kanzel

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die barocke Loeffelholz-Kanzel in St. Peter und Paul; 1859/60 bei der Kirchenrenovierung entfernt

Die heutige Poppenreuther Kanzel kam bei der historistischen Umgestaltung 1859 in die Kirche. Sie geht auf einen Entwurf des Leiters der Kunstgewerbeschule Nürnbergs August von Kreling zurück und löste einen barocken Vorgänger an der Kirchensüdwand zwischen zwei Fenstern ab. Jene barocke Kanzel war eine Stiftung des Georg Burkhardt Loeffelholz von Colberg auf Steinach und wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Konsolidierungsphase der Amtszeit von Johann Andreas Volland errichtet.
Kreling wollte mit der neugotischen Kanzel das protestantische Konzept der Dualität von Wort und Sakrament darstellen. Darum wiederholen sich in der Kanzel auch die beiden anderen Prinzipalstücke, die jeweils ein Sakrament versinnbildlichen: Altar und Taufstein.

Kanzelkorb mit neugotischem Heiland

historistische Heilandsfigur im Kanzelkorb der Poppenreuther Kirche

Im Kanzelkorb findet sich mit Blick zur Gemeinde ein Christus, der segnend die Hand zum Kelch erhebt (Abendmahlssymbolik). Auf der Kuppa des Kelches steht die lateinische Inschrift „Hic es meius sanguis pro vobis profunditur“ (dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird). Die segnende Hand ist in der westlichen Interpretation ausgeformt: die parallel nach oben zeigenden Mittel- und Zeigefinger als Versinnbildlichung der Zweinaturenlehre (Christus wahrer Mensch und wahrer Gott - und nicht wie im orthodoxen Ritus gekreuzt, den griechischen Buchstaben Chi nachbildend) und die restlichen Finger herabgebeugt, die Trinität ausdrückend (dagegen wird in der Orthodoxie durch die Berührung von Daumen und Ringfinger auch noch das Rho angedeutet).

Die figurale Darstellung selbst erinnert an den segnenden Christus des Dänen Berthel Thorvaldsen, den er für die Liebfrauenkirche in Kopenhagen schuf. Thorvaldsens Christusfigur geriet zum ikonographischen Meilenstein in der Plastik, mit der das Christusbild des 19. Jahrhunderts geprägt wurde. Ein "schöner" Christus – mit perfektem Faltenwurf im Gewand und langem wallenden Haar. Eine Figur, die Gefühligkeit ausdrückt, was statt mit „Christus“ eher mit „Heiland“ wiedergegeben wurde. Diese figurale Darstellung, die stilmäßig in der kirchlichen Kunst die Nazarener und Raffaeliten fortgeführt hat, findet sich ansonsten in Fürth auch im Altar der Kirche St. Michael.

Schalldeckel mit Taufszene am Jordan

Der Schalldeckel über dem Kanzelkorb weist typischerweise die Abbildung einer Hl. Geisttaube auf. Der Prediger möge das Wort geistreich austeilen. Das bis zur Decke reichenden Gesprenge des Schalldeckels könnte man als Pendant zum Gesprenge des Hochaltares ansehen.

Dort in diesem Kanzelgesprenge ist eine plastische Taufdarstellung integriert und damit das zweite Sakrament (Taufsymbolik). Johannes der Täufer findet sich mit Spruchfahne „Ecce agnus dei” (Seht, das ist Gottes Lamm) und gießt dem knienden Jesus das Jordanwasser - aus Holz - über den Kopf.

Kanzelaufgang mit abgestuftem Testamentsverständnis

Die Schriftbänder mit einzelnen Bibelversen, durchbrochen von Blattrankwerk, geben vom Kanzelaufgang bis zum Kanzelkorb ein kalligraphisches Ornament ab. Alle Verse stellen dabei - passend für eine Kanzel - das Wort Gottes in den Mittelpunkt. Die Anordnung folgt dem abgestuften Testamentsverständnis, das im 19. Jahrhundert durchaus üblich war. Das Alte Testament führt demgemäß - gewissermaßén als Vorstufe - zur Krönung des Neuen Testamentes.

So stehen am Kanzelaufgang nur Verse aus dem Alten Testament, beginnend mit:.

„Ich will dich den Weg der Weisheit führen; ich will dich auf rechte Bahn leiten“ Spr. 4,11 bis
„Ich liebe, die mich lieben und die mich frühe suchen, finden mich“ Spr. 8,17.

Allerdings ist hier versehentlich ein Vers aus dem Evangelium nach Matthäus dazwischen gerutscht:

„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“, der aber dafür mit falscher Quellenangabe, nämlich „Spr. Sal. 4,11“ wiedergegeben wird!

Am Kanzelkorb stehen dann ausschließlich Verse des Neuen Testamentes, von

„Selig sind die Gottes Wort hören und bewahren“ Lk. 11,28 - hier aber falsch zitiert mit Luc 11,14 - bis
„Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes“ Röm. 10,17.

Die Fehler sind dann doch erstaunlich und finden in der Spruchtafel der Poppenreuther Friedhofskapelle eine Fortsetzung. Dort heißt es „Der Tod ist verschlungen in den Sieg“ 1. Kor. 15,23, 55. Doch dieses Zitat steht 1. Kor. 15,54.

Siehe auch

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