Pulvermagazin

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Denkmal für die Opfer des Brandunglücks auf dem Fürther Friedhof

Das Fürther Pulvermagazin befand sich an der Kreuzung der Schwabacher Straße mit der Rothenburger Straße (Schwabacher Str. 499). Es gehörte zum Artilleriedepot, an der u.a. vor dem Ersten Weltkrieg das 3. Fußartillerie-Regiment stationiert war. Das Depot in Weikershof bestand aus dem Pulvermagazin und Magazinen für Sprengmunition, Friedenspulver, Handfeuerwaffen, Geschosse und Zündungen. Im Pulvermagazin mussten die Arbeiterinnen zunächst den Sprengstoff in keleine Säckchen abfüllen und wiegen, um diese in Granaten zu verfüllen. Anschließend wurden die Granaten bzw. die Munition für den Einsatz an der Front im Ersten Weltkrieg verwendet.

Tragischer Unfall 1917

Eine Granathülse von 1917 für die 7,7cm - Feldkanone, wie sie auch im Fürther Pulvermagazin befüllt wurde

Am 25. April 1917 gegen 9:45 Uhr ereignete sich im Pulvermagazin eine schwere Explosion, bei der 54 Personen (sieben Männer und 47 Frauen, von denen 31 noch keine 30 Jahre alt waren) den Tod fanden. Acht der Opfer starben an den Folgen ihrer schweren Verbrennungen in den Krankenhäusern in Nürnberg und Fürth.

Als Ursache für die Katastrophe wird heute angenommen, dass das vermutlich ein Mitarbeiter eine Geschosshülse aus Versehen hat fallen lassen, die dann Funken schlug. In der Folge entzündete sich das Pulver, dass zum Teil auf dem Boden lag, so dass es sofort zu einer massiven Flammenbildung im Raum kam. Während einige Arbeiter sich aus dem Fenster retten konnten, versuchten andere die Flucht durch die Eingangstür. Allerdings ging die einzige Tür zum Raum nur nach Innen auf, so dass durch den Tummult und der aufkeimenden Panik sich die Tür nach Innen nicht öffnen lies und die Menschen den Ausgang mit ihren Körpern verkeilten. In der Rieß-Chronik ist überliefert, dass die Körper "schrecklich verbrannt, zu unkenntlichen Klumpen zerkohlt [waren und] ... später aus den rauchenden Trümmern gezogen" wurden. Insgesamt konnten sich zehn Menschen gerettet werden, weitern neun gelang die Flucht selbständig aus dem Raum.

Die Feuerwehr aus Fürth und Nürnberg versuchten den Brand zu löschen, bzw. ein Übergreifen auf benachbarte Räume zu verhindern, in dem sich u.a. weitere Munitionslager befanden. Da nicht genügend Pferde vorhanden waren, um die Löschwägen in die weitentlegene Schwabacher Straße zu bringen, wurden Pferde von vorbeifahrenden Wägen kurzerhand beschlagnahmt.

Die meisten Opfer des Unglücks konnten nach dem Tod nicht mehr identifziert werden, weshalb man dazü überging, die Opfer in einem Ehrengtrab gemeinsam auf dem Fürther Friedhof bei zusetzen. Nur an sieben Särgen konnte ein Name zur Leiche zugeordnet werden. Die Anteilnahme an der Beerdigung durch die Bevölkerung war ernorm groß. 200 Soldaten trugen während der Beerdigung die Särge, während Tausende Fürther am Friedhof von den Toten am 28. April 1917 Abschied nahmen. Die Opfer des Unfalls wurden in der Stadt mit den Opfern des Ersten Weltkrieges im Kampfgeschehen gleichgestellt und für ihre "Vaterlandsliebe und Arbeitstreue gewürdigt".

Alfred Nathan und Fritz Sperk schrieben Gedichte über dieses Unglück, das weniger Opfer gefordert hätte, wenn sich die einzige Tür nach außen hätte öffnen lassen. Am 1. Mai 1917 passierte in Köln ein ähnlicher Vorfall mit 30 Toten. Danach wurde festgesetzt, dass sich alle Türen nach außen öffnen lassen müssen und die Arbeiterinnen bekamen - statt ihrer langen Röcke - kniebedeckende Pluderhosen als Arbeitskleidung.

Ehrengrabfeld auf dem Fürther Friedhof mit Pulvermagazin-Denkmal

Ein Denkmal zu Ehren der Toten Arbeiter wurde im Juni 1922 auf dem Kriegsgräberfeld 43 in Form eines sarkophagartigen Blocks mit einer aufgesetzten Urne aufgestellt. Es wurde aus Katzensteiner Sandstein gefertigt und trägt die Inschrift "Den am 25. 4. 1917 Verunglückten gewidmet". Außerdem listet es die Namen der Verunglückten auf. Die Hinterbliebenen bekamen 50 Mark Entschädigung für die verbrannte Kleidung.

Ein weiteres Denkmal, das am 25. April 1918 am Pulvermagazin aufgestellt wurde und als erstes Weltkriegsdenkmal Bayerns das Heimatopfer ehrte, ist nicht mehr erhalten. Hauptmann Wagner, der Leiter des Pulvermagazins, ließ es aus den Zementfundamenten des abgebrannten Schuppens errichten. "Ihren bis in den Tod getreuen Arbeitern und Arbeiterinnen. Die Munitionsanstalt." Ein sehr schlechtes Foto dieses Denkmals befindet sich im Stadtarchiv Fürth. Zudem haben sich zwei Fotos Fürther Arbeiterinnen des Pulvermagazins erhalten, allerdings sind die Namen unbekannt. Eines befindet sich im Stadtarchiv, das andere im Buch "1000 Fürther FrauenLeben".

1945 war das Gelände ein Trümmerfeld, das auf Kosten der Stadtkasse enttrümmert wurde. Später nutzte das Gelände die Bundeswehr. 1989 wurden die letzten Gebäude abgerissen, allerdings soll 2007 noch ein Gebäudeteil hinter den Neubauten an der Schwabacher Straße gestanden haben.

Heute ist nichts mehr von den Gebäuden des 1901 erbauten Pulvermagazins erhalten. Nur noch die Magazinstraße, die das Magazin mit der Artilleriekaserne in der Südstadt verband, erinnert an das Pulvermagazin.

Literatur

Lokalberichterstattung

  • jlh: Erinnerung an ein furchtbares Unglück. In: Fürther Nachrichten vom 25. April 2017 (Druckausgabe) bzw. Vor 100 Jahren: Tragische Explosion im Fürther Pulvermagazin. In: nordbayern.de vom 24. April 2017 - online abrufbar

Siehe auch

Bilder