Bil­der­bau statt Bil­der­klau?

»Ein Bild sagt mehr als 1000 Wor­te«, so brach­te es der Volks­mund schon in vor­di­gi­ta­ler Ur­zeit tref­fend auf den Punkt. Wer heu­te et­was zu il­lu­strie­ren, aber kein ei­ge­nes Fo­to zur Hand hat, der sucht sich mal schnell im welt­wei­ten Netz ein pas­sen­des Mo­tiv und »borgt« es sich aus. Nicht sel­ten pas­siert das lei­der oh­ne vor­he­ri­ges Be­fra­gen des Ur­he­bers, was un­an­ge­neh­me Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen kann. So­gar gro­ße Fir­men, die die gel­ten­den Ge­pflo­gen­hei­ten ei­gent­lich ken­nen (und be­ach­ten) müß­ten, ge­hen da zu­wei­len recht un­be­küm­mert zu Wer­ke: Der Schrei­ber die­ser Zei­len hat un­längst ei­ner be­kann­ten Bau­trä­ger­fir­ma ei­ne Rech­nung ge­stellt, weil ein(e) Mitarbeiter(in) dort ein Fo­to aus sei­nem pri­va­ten Blog her­aus­ko­piert und für kom­mer­zi­el­le Zwecke in ei­ner öf­fent­lich vor­ge­führ­ten Pro­jekt-Prä­sen­ta­tio­nen ein­ge­setzt hat...

Letra-Haus à la van Gogh (Bildbearbeitung: Ralph Stenzel)

Le­tra-Haus à la van Gogh

So geht das na­tür­lich nicht, und auch im Für­thWi­ki müs­sen al­le Be­tei­lig­ten die Spiel­re­geln be­ach­ten und sich beim Ein­bin­den von Fo­tos auf sol­che be­schrän­ken, die sie ent­we­der selbst an­ge­fer­tigt ha­ben oder bei de­nen die Zu­stim­mung des ei­gent­li­chen Ur­he­bers zur Ver­öf­fent­li­chung vor­liegt. Was aber, wenn aus ei­nem Fo­to per künst­le­ri­scher Ver­frem­dung ei­ne ori­gi­nä­re Ab­bil­dung er­zeugt wur­de, die mit dem Or­gi­nal nicht mehr viel ge­mein hat? Wä­re das am En­de gar ein neu­es Ori­gi­nal?

Vor län­ge­rer Zeit ha­be ich in ei­nem reich il­lu­strier­ten Ar­ti­kel un­ter dem viel­deu­ti­gen Ti­tel »Ma­ler­mei­ster« ein PC-Pro­gramm vor­ge­stellt, wel­ches auf Grund­la­ge ei­ner Fo­to-Vor­la­ge ein neu­es Bild re­gel­recht malt oder zeich­net, al­so nicht ein­fach wie ein Ef­fekt-Fil­ter ein be­stehen­des Bild ver­frem­det. Dar­aus läßt sich na­tür­lich auch ei­ne Für­ther Iko­ne wie das Le­tra-Haus ne­ben dem Ca­fé Fen­ster­gucker sehr ein­drucks­voll um­ar­bei­ten.

Das Letra-Haus im Original (Foto: Ralph Stenzel)

Das Le­tra-Haus im Ori­gi­nal

Un­ab­hän­gig von der Fra­ge, ob so ei­ne »künst­le­ri­sche« (wenn­gleich in Wahr­heit see­len­los-au­to­ma­ti­sche) Bild-Kon­ver­tie­rung zu Il­lu­stra­ti­ons­zwecken in ei­ner En­zy­klo­pä­die taugt, so kann man hier auch treff­lich dar­über strei­ten, ob die auf Ba­sis ei­nes Fo­tos ent­stan­de­ne, neue Ab­bil­dung im­mer noch dem ur­sprüng­li­chen Ur­he­ber zu­zu­schrei­ben ist? Der Bild­ein­druck ist zwei­fel­los ein völ­lig an­de­rer, kein Pi­xel gleicht noch dem der Ori­gi­nal­vor­la­ge, die in der ein­schlä­gi­gen Recht­spre­chung oft zi­tier­te »Schöp­fungs­hö­he« ist frag­los ge­ge­ben. Wenn die Aus­gangs-Auf­nah­me nicht ein­deu­ti­ge Merk­ma­le auf­weist, ist der krea­ti­ve Start­punkt kaum nach­zu­wei­sen.

Un­se­rer Mei­nung nach liegt der Fall den­noch klar: Der Rück­griff auf an­de­rer Leu­te Wer­ke ist (im Ge­gen­satz zu rei­nen Ma­te­ria­li­en und Werk­zeu­gen wie Far­be, Pin­sel, Lein­wand, Ka­me­ra, Film oder Chip­kar­te) im­mer ei­ne An­lei­he bei der Krea­ti­vi­tät ei­ner an­de­ren Per­son. Die man oh­ne Wenn und Aber um Ge­neh­mi­gung zu fra­gen hat, wenn man be­ab­sich­tigt, mit der dar­auf auf­bau­en­den ei­ge­nen Ar­beit an die Öf­fent­lich­keit zu tre­ten. Ju­ri­sti­sche Spitz­fin­dig­kei­ten hin oder her: Be­stimm­te Din­ge tut man nicht, schon aus Grün­den der Eh­re! Das wer­de ich auch je­ner Fir­ma klar­ma­chen, die sich bei mir be­dient, aber bis heu­te nicht da­für be­zahlt hat...

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Ein Kommentar zu »Bil­der­bau statt Bil­der­klau?«:

  1. Ralph Stenzel meint:

    Nach­trag: Heu­te hat die von mir an­ge­schrie­be­ne Im­mo­bi­li­en-Fir­ma mei­ne Rech­nung kom­men­tar­los be­gli­chen. Ur­he­ber­rechts­ver­stö­ße sind kein Ka­va­liers­de­likt, und die­se Bot­schaft soll­ten wir uns auch als Be­trei­ber des Für­thWi­kis hin­ter den Spie­gel klem­men. Auch ein auf­klä­re­ri­scher Zweck hei­ligt nicht frag­wür­di­ge Mit­tel!

    #1

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