Das Kreuz mit den Kreu­zen

Das Kreuz als christliches Zeichen - ein universell anwendbares Symbol? (Foto: Ralph Stenzel)

Das Kreuz als christ­li­ches Zei­chen – ein uni­ver­sell an­wend­ba­res Sym­bol?

Im Für­thWi­ki sind na­tur­ge­mäß et­li­che per­so­nen­be­zo­ge­ne Ar­ti­kel ent­hal­ten, al­lein die Ru­brik »Per­sön­lich­kei­ten« ver­weist der­zeit schon auf mehr als fünf­hun­dert Ein­trä­ge. Vie­le da­von ha­ben »hi­sto­ri­sche Fi­gu­ren« zum In­halt, Men­schen al­so, die be­reits ver­stor­ben sind. Als we­sent­li­che Eck­da­ten wer­den ge­mein­hin das Ge­burts- und das To­des­da­tum an­ge­führt und mit ge­nea­lo­gi­schen Zei­chen ge­kenn­zeich­net. Tra­di­tio­nel­ler­wei­se wird das Ge­burts­da­tum mit ei­nem Stern (*) mar­kiert, das To­des­da­tum mit ei­nem Kreuz (†). So­weit, so gut. Oder so schlecht?

Tat­säch­lich ist die Sym­bohl­wahl um­strit­ten. Ins­be­son­de­re ist es frag­wür­dig, An­ge­hö­ri­ge nicht-christ­li­cher Re­li­gio­nen mit dem Kreuz in Ver­bin­dung zu brin­gen: In Ih­rem Blog-Ar­ti­kel »Pro­ble­ma­ti­sche Kreu­zes­sym­bo­le in Wi­ki­pe­dia« weist Ant­je Schrupp dar­auf hin, daß es vor al­lem bei Ju­den sehr hei­kel ist, das To­des­da­tum mit dem Kreuz zu mar­kie­ren: »Pro­ble­ma­tisch nicht un­be­dingt des­halb, weil das Kreuz ein spe­zi­ell christ­li­ches ‘Lo­go’ ist, son­dern weil die Kreu­zi­gung da­mals ein Sym­bol der Aus­sto­ßung aus dem Volk Is­ra­el war. Ei­nen Ju­den, ei­ne Jü­din am Kreuz ster­ben zu las­sen, war al­so nicht ein­fach nur ei­ne Form der Hin­rich­tung, son­dern ‘ei­ne un­glaub­li­che De­mü­ti­gung’«. Kann man in Kennt­nis die­ses Um­stan­des ein­fach so wei­ter­ma­chen wie bis­her?

In der »gro­ßen« Wi­ki­pe­dia ist das The­ma schon mehr­fach dis­ku­tiert wor­den, als Bei­spiel sei auf die Mei­nungs­bil­dungs­sei­te »Ver­wen­dung des Kreuz-Sym­bols in ei­nem welt­wei­ten Pro­jekt« ver­wie­sen. Die dif­fi­zi­le De­bat­te um die ad­äqua­te – und vor al­lem durch­ge­hend ein­heit­li­che – Schreib­wei­se (»* 1914« oder »geb. 1914«, »† 2010« oder »gest. 2010«) wer­den wir in­ner­halb des Für­thWi­ki e.V. frag­los auch füh­ren müs­sen. So ab­we­gig ei­nem der Streit um ge­wohn­te Sym­bol­ver­wen­dung auf den er­sten Blick er­schei­nen mag: Das sen­si­ble The­ma ist al­les an­de­re als ein un­be­deu­ten­der Ne­ben­kriegs­schau­platz...

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3 Kommentare zu »Das Kreuz mit den Kreu­zen«:

  1. Rosenkohl meint:

    Gu­ten Tag Ralph Sten­zel,

    es ist be­grü­ßens­wert, daß Sie mit die­sem Ar­ti­kel die In­itia­ti­ve zu ei­ner Dis­kus­si­on er­grei­fen. Zum The­ma Fürth kann ich lei­der fach­lich nicht bei­tra­gen, und mich da­her we­der in das Fürth-Wi­ki noch den Ver­ein ein­mi­schen. Al­ler­dings soll­ten ei­ni­ge Aus­sa­gen kom­men­tiert wer­den.

    Die Sym­bo­le Stern- und Kreuz wur­den von der sich als Wis­sen­schaft ver­ste­hen­den Ge­nea­lo­gie aus An­ti­ke und Chri­sten­tum über­nom­men und in ei­ner sä­ku­la­ri­sier­ten, nicht-christ­li­chen Be­deu­tung für »ge­bo­ren« und »ge­stor­ben« ver­wen­det. Le­xi­ka­li­sche ge­nea­lo­gi­sche Zei­chen wur­den ab ca. 1890 zu­nächst in Pu­bli­ka­tio­nen der Ge­nea­lo­gie (Deut­sches Ge­schlech­ter­buch ab 1894) und Theo­lo­gie (Theo­lo­gi­sches Hand­le­xi­kon für evan­ge­li­sche Theo­lo­gen, Go­tha 1890–1891) ver­wen­det, und Mit­te der 1920er Jah­ren im Zu­ge ei­ner ty­po­gra­phi­schen Mo­der­ni­sie­rung von all­ge­mei­nen Le­xi­ka (zu­erst Brock­haus und Mey­ers Le­xi­kon) über­nom­men. Vie­le Le­xi­ka ver­wen­den kei­ne ge­nea­lo­gi­sche Zei­chen, z.B. in The­men­be­rei­chen wie Re­li­gi­ons­wis­sen­schaft oder Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Wer­ke wie das Öster­rei­chi­sche Bio­gra­phi­sche Le­xi­kon (ab 1994) und Kind­lers Li­te­ra­tur­le­xi­kon (ab 2009) ha­ben frü­her ver­wen­de­te ge­nea­lo­gi­sche Zei­chen in neue­ren Aus­ga­ben er­setzt.

    In dem von Ih­nen er­wähn­ten Zi­tat äu­ßert Ant­je Schrupp nicht ih­ren ei­ge­nen Stand­punkt, son­dern gibt an, die Äu­ße­rung ei­nes Mit­glieds der jü­di­schen Ge­mein­de Wies­ba­den wie­der­zu­ge­ben. Die ur­sprüng­li­che Äu­ße­rung ist un­ter

    http://evangelischesfrankfurt.de/2013/03/kreuz

    do­ku­men­tiert. Ins­be­son­de­re die An­sicht, ei­ne Kreuz­mar­kie­rung sei »pro­ble­ma­tisch nicht un­be­dingt des­halb, weil das Kreuz ein spe­zi­ell christ­li­ches ‘Lo­go’ ist ...« ist m.E. eher ei­ne nach­träg­li­che In­ter­pre­ta­ti­on durch Frau Schrupp.

    Er­lau­ben Sie mir, z.B. auch auf die aus­führ­li­che­ren In­for­ma­tio­nen un­ter

    https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Meinungsbilder/Genealogische_Zeichen/Hintergrund

    hin­zu­wei­sen.

    Mit freund­li­chen Grü­ßen

    #1

  2. Ralph Stenzel meint:

    Werte(r) »Ro­sen­kohl«,

    dan­ke für die aus­führ­li­chen An­mer­kun­gen, die ich ger­ne in die in­ter­ne Dis­kus­si­on ein­brin­gen wer­de!

    Be­ste Grü­ße,
    Ralph Sten­zel (Ku­ra­tor im Für­thWi­ki)

    #2

  3. Günter Scheuerer meint:

    Nach Wie­der­vor­la­ge an­läss­lich der mo­nat­li­chen Vor­stand­sit­zung wur­de am 1.10.14 der ein­stim­mi­ge Be­schluss ge­fasst, die Sym­bo­le »*« und »†«bzw. »+« ein­heit­lich durch »geb.« und »gest.« zu er­set­zen, um die­se Dis­kus­si­on ab­zu­schlie­ßen.

    #3