Alexander von Reitzenstein-Hartungs

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Alexander Karl Heinrich [Christof Ludwig Friedrich Karl Christian][1] Freiherr von Reitzenstein (geb. 28. November 1797, gest. 20. Dezember 1890) wurde am 11. März 1830 zum bayer. Zollbeamten (= Halloberbeamter und Kammerherr) in Fürth ernannt. Er war Oberst des kgl. Landwehrinfanterieregiments in Fürth und wurde 1834 zum Ehrenbürger der Stadt Fürth ernannt.

Leben[2][Bearbeiten]

Alexander von Reitzenstein entstammte einer alten fränkischen Adelsfamilie, dem 2. Zweig des Stammes Schwarzenstein und Schwarzenbach am Wald – genannt "aus dem Hause Hartungs". Sein Vater Heinrich Anton Freiherr von Reitzenstein (1761 - 1800) war Offizier, der zuletzt in preußischen Diensten stand. Während der Befreiungskriege – im November 1813 – trat Reitzenstein in das freiwillige Jägerbataillon des Obermainkreises ein und wurde hier 1815 Leutnant. In den Jahren 1816 und 1817 studierte er an der Universität Würzburg. 1822 trat er in den zivilen Staatsdienst über und wurde Praktikant beim Rentamt in Bayreuth. 1823 heiratete Reitzenstein Philippine Freiin von Branca (1800 - 1864), Tochter des Oberappellationsgerichtspräsidenten Karl Ludwig Freiherr von Branca. Aus dieser Ehe, die aber geschieden wurde, gingen 8 Kinder hervor. Die zweite, 1845 geschlossene, Ehe mit Edmunde von Fürer-Haimendorf blieb kinderlos.[3][4]

Von März 1830 bis März 1834 war er in Fürth tätig; hier wurde er zum Oberzollinspektor befördert und nach Bamberg versetzt. Dort war er nur kurz, denn nach Inkrafttreten des Deutschen Zollvereins wurde er in der Zeit von Mai 1834 bis März 1835 kommissarisch als Zollvereinsbevollmächtigter des Königreichs Bayern zur Generalinspektion des Thüringer Zoll- und Handelsvereins in Erfurt abgeordnet. Diese Aufgabe übernahm er nochmals im Jahr 1842 für 6 Monate nach der Erneuerung der Zollvereinsverträge.

Seit 1836 war Reitzenstein als Inspektor der bayerischen Grenzwache mit Sitz im Kollegium der Generalzolladministration tätig. 1849 wurde er zum Oberzollrat ernannt. Zwischen 1860 und 1863 hatte Reitzenstein die Funktion des bayerischen Zollvereinsbevollmächtigten bei den preußischen Provinzialsteuerdirektionen in Königsberg und Danzig inne. Anfang des Jahres 1864 begab er sich in den Ruhestand.

Verleihung der Ehrenbürgerwürde[Bearbeiten]

Bei seiner Verabschiedung aus Fürth erhielt von Reitzenstein-Hartungs für seine Verdienste als Oberst des kgl. Landwehrinfanterieregiments in Fürth von der Stadt Fürth am 17. März 1834 das Ehrenbürgerrecht verliehen.[5] Initiiert wurde die Ehrenbürgerwürde durch ein Schreiben der Oberoffiziere des königlichen Landwehrinfanterieregiments in Fürth (mit Unterschriften von Oberstleutnant Eckhardt, Major Humbser, Hauptmann Billing, Leutnant Farnbacher, Leutnant Reißig, Leutnant Löhe und Hauptmann Gebhardt) am 12. März 1834 an den Magistrat der Stadt Fürth. Geehrt werden sollte der "Obrist des Regiments", königlich bay. Kammerherr und Halloberbeamter in Fürth und Ritter des königlich preußischen St. Johanniter-Ordens. Reitzenstein-Hartungs sei am 9. April 1831 an die Spitze des Fürther Landwehrregiments gestellt worden, zur musterhaften Haltung und Erhaltung des königlichen Hauses und des Staates. Unter seiner Führung sind "die stürmischen Tage, die teils in Norden und Süden Europas, teils auch da und dort in Deutschland erlebt wurden, in voller Ruhe überstanden worden".[6] Gemeint sind offensichtlich die Folgen der sog. Julirevolution von 1830 in Frankreich, die sich auch in deutschen Städten auswirkte. Nach Dafürhalten der Unterzeichner, sei "die Verleihung des Ehrenbürgerrechts die schönste Belohnung für einen Mann, der sich Verdienste um den Staat und um die Gemeinde erworben hat".

Am 17. März 1834 beschloss der Magistrat, Baron von Reitzenstein-Hartungs das Ehrenbürgerrecht zu erteilen. Als Grund nannte der Magistrat:

  • durch die Übernahme der Landwehroberstenstelle hätte Baron v. Reitzenstein-Hartungs "einen sehr erfreulichen Beweis von Gemeinsinn und Patriotismus" gezeigt,
  • "durch edle Anstrengung die schleunige Wiederbelebung des nützlichen Instituts der Landwehr" und
  • durch seine "zweckmässige Führung des ihm übertragenen Kommandos zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung unter schwierigen Zeitverhältnissen" kräftig mitgewirkt zu haben.[6]

Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde erfolgte am 6. April 1834. Bürgermeister Bäumen dichtete eigens für diese Veranstaltung folgendes Gedicht, welches im "Ehrenzweig" erschien:

Toast I
Hoch lebe des Königs Majestät,
nie wankte noch seines Volkes Treue,
des Reiches Verfassung sie mächtig erhöht,
belebt und bestärkt aufs Neue;
so reichen wir uns denn freudig die Hand,
für König, Verfassung und Vaterland.
Toast II
Das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht,
es gereichte Ihnen zwar zum schönsten Lohne,
doch Ihr Edelsinn verschmähte nicht
unseres Dankes Ehrenbürgerkrone,
das den Ehrenbürger uns verbindet,
unseren Dank auch dann verkündet,
wenn die Pflicht Sie ruft in fernes Land.
Freunde, jetzt stimmt freudig ein,
hoch lebe Herr von Reitzenstein!

Als Dank für seine Ernennung stiftete Baron von Reitzenstein-Hartungs 50 Gulden für das neue Stadtkrankenhaus in der Schwabacher Straße.

Die Bennung zum Ehrenbürger war sozusagen ein Abschiedsgeschenk der Stadt Fürth an ihn, denn bereits am 25. März 1834 wurde er als Oberzollinspektor an das Hauptzollamt Bamberg[7] versetzt. Sein Nachfolger wurde Julius Freiherr Ecker von Eckhofen.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marko Kreutzmann: Die höheren Beamten des Deutschen Zollvereins - Eine bürokratische Funktionselite zwischen einzelstaatlichen Interessen und zwischenstaatlicher Integration (1834–1871); u. a. Kurzbiographie Reitzenstein, A., S. 282/283; Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 86, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Namensnennung nach Schwammberger: Fürther Ehrenbürger. In: Fürther Heimatblätter 1959, Nr. 7
  2. Marko Kreutzmann: Die höheren Beamten des Deutschen Zollvereins, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012
  3. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 27. Jg. 1877, S. 681 - Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  4. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 38. Jg. 1888, S. 658 - Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  5. Dr. Fronmüller sen.: Chronik der Stadt Fürth, 2. verbesserte Auflage 1887 Fürth, S. 256
  6. 6,0 6,1 Dr. Schwammberger: Fürther Ehrenbürger. In: Fürther Heimatblätter 1959, Nr. 7, S. 126
  7. Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern, München 1835, S. 135 - online
  8. Chronik der Stadt Fürth, 2. Auflage, 1887; 2., vielfach vermehrte und verbesserte Ausgabe, fortgesetzt bis zur neuesten Zeit und mit Register versehen, S. 257