Bernhard Matthias Hoffmann

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Bernhard Matthias Hoffmann (geb. 1973 in Jugenheim an der Bergstraße, gest. 2020) war Komponist.

Er studierte Violoncello, Komposition, Musiktheorie, Klavier und Philosophie in Darmstadt, Nürnberg und Oldenburg. Seine kompositorische Ausbildung begann er bei Cord Meijering an der Akademie für Tonkunst Darmstadt in der 1991 gegründeten Kompositionsklasse für Kinder und Jugendliche. 1996 bis 2004 studierte er, mit einem Stipendium der Fürther Ernst-und-Loni-Rupprecht-Stiftung, bei Volker Blumenthaler am Meistersinger-Konservatorium, der späteren Hochschule für Musik Nürnberg. Danach war er Kompositionsstudent bei Violeta Dinescu an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

In Fürth wurde das Schaffen von Bernhard Matthias Hoffmann maßgeblich durch Sirka Schwartz-Uppendieck gefördert. 2003 brachte sie seine Leopardi-Vertonung L’infinito, die sie 2001 beim Festival Artionale in München uraufgeführt hatte, in der Kirche St. Paul zur Wiederaufführung, zusammen mit Werken von Volker Felgenhauer, Heinrich J. Hartl und anderen.

Weitere Kompositionen von Hoffmann, die auf Anregung von Sirka Schwartz-Uppendieck entstanden, wurden unter ihrer Leitung in der Auferstehungskirche vorgestellt. Zur Uraufführung des Stücks Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin – es handelt vom biblischen Richter Jiftach, der aus religiösen Gründen seine Tochter tötet und daran zerbricht – schrieb Hans von Draminski 2009 in den Fürther Nachrichten: „Hoffmann entwirft vom Schlagzeug getragene Seelenwelten, die durch die ungewöhnlichen Valeurs des präparierten Klaviers und abgrundtief grollender Orgel-Prinzipalpfeifen Textur bekommen. Der verstörende Ruf eines von Ralf Bauer geblasenen Schofars sorgt auch bei den Zuhörern für emotionalen Aufruhr.“

2010 folgte ebenfalls in der Auferstehungskirche die Uraufführung von Héd. Der hebräische Titel bedeutet „Widerhall“ und verweist auf die vielfältige Echo-Struktur, die das Werk prägt: Sirka Schwartz-Uppendieck hatte es für eine Besetzung in Auftrag gegeben, in der jeweils zwei Stimmen miteinander korrespondieren – Sopran und Alt, Horn und Posaune, Klavier und Orgel. Auch auf der Textebene setzt Hoffmann zwei Quellen zueinander in Beziehung: Verse aus dem biblischen Buch Judith und aus den Gedichten Weltende und Gott hör… von Else Lasker-Schüler.

In memoriam Bernhard Matthias Hoffmann erklang im August 2020 ein Auszug aus seinem Kleinen Stundenbuch, gespielt von Lorenz Trottmann, im Saal der Christkönig-Kirche.

Kompositionen[Bearbeiten]

  • Drei Lieder (1992-94). Texte: Paul Celan • für Sopran, Violoncello und Klavier
  • Sechs Stücke (1996/97) für Violoncello solo
  • Kleines Stück (1998) für Orchester
  • Franz und Maria (1998). Minioper. Text: Gustav Ernst
  • Respice (1999/2000) für Kammerorchester
  • Kleines Stundenbuch (2000). Zyklus für Klavier
  • Streichquintett 2000 (2000)
  • Miniaturen (2000) für Violoncello und Klavier (Fragment)
  • L’infinito (2001). Text: Giacomo Leopardi • UA 10. November 2001 Himmelfahrtskirche München-Sendling • Susanne Kelling (Mezzosopran), Ludwig Hornung (Violine), Günter Voit (Bassklarinette), Sirka Schwartz-Uppendieck (Orgel), Eva Forler und Andrea Sonnberger (Tanz)
  • La danse macabre (2002) für Cembalo, Oboe, Viola, Kontrabass und Schlagzeug
  • in festis (2003). Zyklus für Blockflöte
  • praeludium e toccata (2004) für Trompete, Schlagzeug, Violoncello und Klavier
  • Piedra en la piedra (2004). Text: Pablo Neruda • für Mezzosopran, Blockflöte, zwei Gamben, drei Bratschen und Cembalo • UA 6. Oktober 2004 Orff-Zentrum München • Petra Hoffmann (Gesang), ensemble avantage, Jeremias Schwarzer (Leitung)
  • Clarobscuro (2005) für Schlagzeug solo
  • …noch drei Tage… (2005). Madrigal. Text: Carl von Ossietzky • für achtstimmigen gemischten Chor, Sprecher und Instrumente • UA 5. Juli 2005 Universität Oldenburg, Alte Aula • Hochschulchor (Leitung Manfred Klinkebiel)
  • Triacanthos (2006) für drei Schlagzeugbatterien
  • Melomorphos (2006/07). Triptychon für Cembalo
  • Nzakara-Techno (2008) für Cembalo
  • chronos – choros (2008) für sechs Blockflöten und kleines Tamtam
  • Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin (2009) • UA 14. November 2009 • Auferstehungskirche Fürth (46. Fürther Kirchenmusiktage) • Bernhard Matthias Hoffmann und Ralf Bauer (Schofare), Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier), Thomas Schumann (Orgel), Axel Dinkelmeyer und Radek Szarek (Schlagzeug)
  • Héd (2010). Texte: aus dem Buch Judith und von Else Lasker-Schüler • UA 14. November 2010 • Auferstehungskirche Fürth (47. Fürther Kirchenmusiktage) • Monika Teepe (Sopran), Renate Kaschmieder (Alt), Wilfried Krüger (Horn), Ralf Bauer (Posaune), Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier), Andreas König (Orgel)
  • Canzon da sonar (2013) für Streichquartett
  • Das Hohelied. Lied der Lieder von Schelomo (2016) • UA 23. September 2016 • St. Egidien Nürnberg • Renate Bergmann (Sopran), Wolfgang Auer (Altquerflöte), Rita Kaufmann (Klavier)
  • Kanons (2019): für zwei Violinen • für drei Violoncelli • für vier Violinen
  • Kanon über Asperges me Domine (2019) für sechs Singstimmen
  • Jakobsleiter (revidiert 2019) für Violoncello solo

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • Matthias Boll: Wege zu neuer Spiritualität. Sechs zeitgenössische Kompositionen nach Gedichten bei der heutigen Passionsmusik in St. Paul. Fürther Nachrichten, 5. April 2003
  • Matthias Boll: Das apokalyptische Reiterquartett. Kirchenmusiktage: Vier Komponisten und ihre neuen (Tanz-)Werke zu Bibelthemen. Fürther Nachrichten, 13. November 2009 – online abrufbar
  • Hans von Draminski: Ein spannender Abend mit Kirchenmusik. Neue Kirchenmusik kann so spannend wie ein Krimi sein – das Musica-Nova-Konzert zu biblischen Themen in der Auferstehungskirche lieferte dafür den Beleg. Fürther Nachrichten, 16. November 2009
  • Elena Roeder: Biblische Frauengestalten als Bindeglied. 47. Fürther Kirchenmusiktage boten mit fünf Uraufführungen ein spannendes Programm zum Auftakt. Fürther Nachrichten, 16. November 2010 – online abrufbar
  • Reinhard Kalb: Wenn die Noten h und b aufeinanderprallen. Dank der guten Moderation knacken die Zuhörer im Gemeindesaal von Christkönig so manche harte Hörnuss. Fürther Nachrichten, 1. September 2020

Bilder[Bearbeiten]