Distriktsvorsteher

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Hinweisschild Distriktsvorsteher, ehemals Espanstraße 6

Die Funktion des Distriktsvorstehers stellte ein unbesoldetes Ehrenamt dar. Der Distriktsvorsteher unterstütze die Bevölkerung seines Distrikts, den Stadtmagistrat und die Stadtverwaltung durch allerlei Zu- und Vermittlungsarbeiten. Die Funktion bestand bis um 1970.


Die Ursprünge – Distrikte und Viertel[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet teilte die Stadt Fürth schon ab dem 19. Jahrhundert in mehrere Stadtdistrikte bzw. Viertel ein. Aus dem ersten Fürther Adressbuch von 1807 von Eger ersehen wir, dass es neun Viertel gab, denen die damals 570 Haupt-Häuser zugeordnet waren. Daneben gab es weitere Hof-, Hinter-, und Nebenhäuser, die weitere 609 Gebäude ausmachten:

  • Erstes Viertel: Von der untern Frankfurter Straße bis zur Cadolzburger Straße, Vacher Straße und noch hinauf zum gemeindlichen Siechhaus an der Farnbacher Straße
  • Zweites Viertel: Um den Marktplatz und Kirchhof, Pfarrhof, Bauerngasse, Fischergasse
  • Drittes Viertel: Bei der Poppenreuther Brücke, an der Erlanger Straße, am Poppenreuther Weg, Beim Feuerhäuslein [Dreikönigsplatz], Höllenplattengäßlein, Auf der Hällenplatte, im Mühlhof
  • Viertes Viertel: Im Schindelhof und hinter dem Schindelhof, Kannengießershof, Bauerngasse, Am Markt (mit dem ehem. Dombrobsteilichen Amtshaus – dann Geschäftshaus des Verwaltungsrats und Kammeramts), Rosengasse
  • Fünftes Viertel: Mittlere Frankfurter Straße, Rößleinwirtshof, Obere Frankfurter Straße
  • Sechstes Viertel: Im Juden-Schulhof, Rosengasse, Staubersgäßlein, Glaitshausgäßlein, Markgrafengasse, Auf dem obern Gängenberg, vulgo Gänsberg, Schindersgaße
  • Siebendes Viertel: Hinter dem Juden-Schulhof, auf dem obern Gängenberg, hinter der Armen- und Waisenschule, Sternbeckengasse, Am Kohlenmarkt, in der Altneugaße
  • Achtes Viertel: in der Vordern Wassergasse, Am Holzmarkt, Beim jüdischen Todenacker
  • Neuntes Viertel: Beim Liershof, Im Dockelesgarten, Im Pfarrersgarten, Im Weisengarten, An der Schwabacher Straße, In der Alexandergasse, An der Nürnberger Straße, An der Nürnberger Chaussee.

Die namentlich aufgeführten neun Viertelmeister wurden mit ihren Hausnummern genannt.

Welche Aufgaben übernahmen die Distriktsvorsteher?[Bearbeiten]

Die Funktion als Distriktsvorsteher wurde als Ehrenamt versehen ohne eine Besoldung. Ursprünglich führte jeder Distriktsvorsteher ein Buch, in dem er die in seinem Distrikt wohnenden und sich bei ihm an- und abmeldenden Personen verzeichnete. Daraus erstellte er dann Mietsatteste oder Wohnungsbescheinigungen. Insofern unterstützten sie die Stadtmagistrate und die Verwaltung. Auch für die Armenpflege wurden sie tätig, weil sie die hilfsbedürftigen Bewohner in ihrem Distrikt kannten. Lebensbestätigungen für den Rentenbezug stellten sie aus. Missstände in ihrem Bezirk hinsichtlich Verkehrswesen, Sicherheitswesen, Sittlichkeit sollten sie in dringenden Fällen an die Behörden melden.

Regularien für die Funktion als Distriktsvorsteher[Bearbeiten]

Am 17. Februar 1876 erließ der 1. Bürgermeister Langhans eine Instruktion für die Distriktsvorsteher. Abdrucke erhielten die 12 Distriktsvorsteher und es wurden 12 Polizeisoldaten benannt, mit denen sie jeweils zusammenarbeiten sollten. Außerdem erhielten sie je eine Tafel aus „starkem Blech“, die im Januar 1877 an ihren Häusern angebracht wurden; die Aufschrift lautete „Vorsteher des ... Distrikts.“ 1878 wurden 18 Distrikte gebildet. Bei einem Wechsel in der Person übergab der zuständige Polizeisoldat, der mit dem Einwohnerbüro der Stadt zusammenarbeitete, an den Nachfolger „einen Schrank oder Schränkchen oder einen Behälter mit Schlüssel, die Dienstinstruktion, einen Siegel mit Siegellack (später nur mehr ein Gummistempel mit Farbkissen), verschiedene Formulare“. Die „blau emaillierte Tafel“ (28x36 cm) wurde natürlich auch am Haus angebracht.

Wegen der zunehmend eingeschränkten Mitwirkung änderte die Stadt 1892 die Dienstanweisung für die Distriktsvorsteher und fasste sie in 26 Paragrafen neu. 1895 hielt man in einer Liste fest, dass sich die Bevölkerungszahl in den 18 Stadtdistrikten von 27.433 im Jahr 1875 auf 46.785 im Jahr 1895 erhöht hatte; pro Distrikt zwischen 1.246 (Mindestzahl) auf 8.296 (Höchstzahl).

Neue Distrikte durch die Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Januar 1901 wurde Georg Mende, früherer Bürgermeister und Maurermeister in Dambach als neuer Distriktsvorsteher für den 24. Stadtdistrikt (Dambach mit Ober- und Unterfürberg) verpflichtet. Für Poppenreuth als 23. Stadtbezirk wurde der Ökonom Georg Leonhard Pfann tätig; nach seinem Tod 1924 wurde Johann Georg Ringel im Juni 1924 Nachfolger. Dieser hatte auch folgende Funktionen: Büttnermeister, Zoll- und Gefälleinnehmer sowie Kirchner. Für das im Dezember 1923 eingemeindete Burgfarrnbach wurde im Januar 1924 ein neuer 26. Stadtbezirk gebildet und als Distriktsvorsteher der frühere Bürgermeister Kommerzienrat Adam Kastner durch Stadtratsbeschluss ernannt.

Im Juli 1927 erließ der Stadtrat für die nunmehr in 26 Stadtdistrikten berufenen Distriktsvorsteher eine neue Dienstanweisung. Als 27. Distrikt kam Ronhof nach der Eingemeindung hinzu. Der frühere Bürgermeister und Landwirt Konrad Ringel übernahm die Funktion als Distriktsvorsteher.

Die neue Bayerische Gemeindeordnung von 1929 sah die Distriktsvorsteher nicht mehr vor. In Fürth behielt man sie aber „aufgrund des gemeindlichen Selbstverwaltungsrechts“ bei. Auf die Mitarbeit angesehener Bürger in dieser Mittlerfunktion zwischen Stadtrat und Bürger wollte man nicht verzichten.

Der Distrikt hinterm Rathaus[Bearbeiten]

Im Dezember 1929 bat der Kaufmann Wilhelm Erhard „in Anbetracht seines Alters und der zerrütteten Vermögensverhältnisse die Folge seines Gesundheitszustandes“ ihn von dem Amt des Distriktsvorstehers zu entbinden. Für den 9. Distrikt erklärte sich der Schuhwarenhändler Franz Postler, Wasserstraße 3, bereit Nachfolger zu werden.

Der Finanz- und Verwaltungsausschuss beschloss am 18. Dezember 1929 dementsprechend. Am 21. Januar 1930 hielt ein Aktenvermerk fest: Herr Erhard teilt mit, dass er das Dienstsiegel und das Adressbuch der Stadt Fürth trotz eifriger Nachschau in der Wohnung nicht mehr finden kann. Er ist der Meinung, dass diese Sachen gelegentlich der Kaufhausversteigerung abhanden gekommen sind.

Die Tafel am Haus wurde dann im Januar 1930 entfernt und in der Wasserstraße 3 angebracht.

Letzte Regelungen[Bearbeiten]

Für die Einteilung der Stadtdistrikte wurden die Straßen und Hausnummern herangezogen; manchmal unterteilt nach ungeraden und geraden Nummern je Straßenseite.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden 1946 die Distriktsvorsteher neu ernannt. Dies fiel in den Zuständigkeitsbereich des Referenten Dr. Hans Hacker (Referat II, später III-Wirtschaftsreferat ). Hacker wurde vom Stadtrat zum 3. Bürgermeister ernannt. Sein Nachfolger als Referent III wurde im Oktober 1952 Kurt Scherzer als berufsmäßiger Stadtrat. Für den neuen Stadtteil Hardhöhe, der ab Mitte der 1950er Jahren entstand, wurde ein Stadtbezirk 30 gebildet. Das 1976 herausgegebene Adressbuch verzeichnet nur mehr 18 Stadtbezirke.

Wann genau die Funktion „Distriktsvorsteher“ abgeschafft wurde, konnte in den eingesehenen Archivakten nicht ermittelt werden. Sie ist also mangels Bedarf „sanft entschlafen“.[1]

Personen mit dieser Funktion[Bearbeiten]

Distriktsvorsteher Von Bis Bemerkung Partei Bild
Daniel Würflein

Zeitzeugenberichte[Bearbeiten]

Zum Verbleib eines Hinweisschildes:

Und ein Erlebnis kann ich berichten. Als ich mal in meiner aktiven Zeit in einer Kneipe in Erlangen war, hing dort eine Blech- bzw. Emailtafel eines früheren Distrikts aus Fürth. Das habe ich dann dem Ordnungsamt berichtet und zwar dem Amtmann Kasper. Der hat dann sich der Sache angenommen. Weil er ohnehin hinter Erlangen wohnte, besuchte er die Kneipe. Und nahm dem Wirt die Tafel ab. Sie wurde dann dem Fürther Archiv übergeben. Ist also jetzt im dortigen Magazin.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Distriktsvorsteher, ein Ehrenamt bis in die 1950er Jahre - Recherche Peter Frank (Fürth), Juli 2017
  2. Zeitzeugenbericht, Archiv FürthWiki, Aktennr. '44'