Frida Langer

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Frida Langer (geb. 22. August 1888 in Fürth als Frieda Berneis, gest. 3. April 1942 in Giengen an der Brenz) war eine Fürther Schriftstellerin und Schwester des Kunstmalers Benno Berneis.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Frida Langer wurde am 22. August 1888 als Tochter des jüdischen Fabrikbesitzers Albert Berneis (1853 - 1924) und dessen Frau Betty Berneis, geb. Neubauer (1862 - 1935),[2] in Fürth geboren. Bereits mit 18 Jahren zog sie 1906 nach Paris, wo sie den verheirateten, österreichischen Kunstmaler Otto Richard Emil (ORE) Langer (1878 - 1920) kennenlernte, der zur Dachauer Künstlerkolonie gehörte. 1910 wurde die gemeinsame Tochter Anna Calonne geboren. Nach der Scheidung der Ehe mit der Malerin Maria Schöller (1878 - 1969) konnte ORE Langer Frida Berneis schließlich am 24. Dezember 1912 in Paris heiraten, die uneheliche Tochter wurde nachträglich legitimiert. 1913 zog die Familie nach Berlin, wo zwei Jahre darauf der Sohn Fritz Paul Langer (1915 - 2006) auf die Welt kam. Inzwischen wohnte nicht nur der Bruder Benno Berneis in Berlin, sondern auch der Vater Albert Berneis, der sich aus der Schuhfabrik zurückgezogen hatte. Vermutlich bereits kurz darauf erfolgte die Scheidung der Ehe mit ORE Langer, der während des Ersten Weltkriegs als Soldat an der Front kämpfte und am 7. Juli 1920 an den Folgen einer schweren Giftgasverletzung in einem Heim in der Nähe von Karlsruhe starb. Frieda Langer hatte noch während des Krieges am 25. Juli1918 den jüdischen Antiquar Siegfried Sicker in Berlin geheiratet. Im selben Jahr wurde die Tochter Hannelore Victoria (1918 - 1973) geboren.

Doch auch diese Ehe hielt nicht lange und Frida Langer zog nach der Scheidung im März 1921 zu ihrer Mutter nach München, wo diese nach dem Tod ihres Mannes 1924 lebte. Die Spur von Siegfried Sicker, der ebenfalls Jude war, verliert sich während des Nationalsozialismus in Berlin. Hier lernte Frida Langer, die 1921 wieder den Namen ihres ersten Ehemanns annahm, den Münchner Künstler Albert Schlopsnies kennen, der als Designer bei Steiff arbeitete. Über Schlopsnies entstand der Kontakt zu Giengen, so dass Frida Langer nach Giengen an der Brenz wechselte, dem Hauptstandort der Steiff Puppenfabrik. In der Spielzeugfabrik Steiff arbeite Langer im Musterzimmer und entwarf Puppen und deren Kleidung. In ihrer Freizeit schrieb sie Gedichte, die zum Teil 2015 veröffentlicht wurden. Am südlichen Stadtrand von Giengen baute sie sich außerdem ein noch heute existierendes Wohnhaus, in das sie im Mai 1927 zusammen mit ihre jüngsten Tochter Hannelore einzog. 1939 gelang dieser die Flucht über ein Schiff nach England. Die Tochter nahm viele Gedichte und Schriftstücke mit auf die Flucht, so dass diese bis heute noch erhalten sind.[3] Weitere Publikationen sind von ihr nicht bekannt.

Langer, so wird es berichtet, war politisch interessiert und auch aktiv tätig. Sie trat als Anhängerin der Deutschen Friedensgesellschaft auf und hielt für den "Freiwirtschaftsverein" Vorträge. Dabei nahm sie Bezug auf den Sozialreformer und Begründer der sog. Freiwirtschaftslehre Silvio Gesell, der 1920 in München bei der Räterepublik aktiv mitwirkte.

Verfolgung und Tod[Bearbeiten]

Das nationalsozialistische Regime brandmarkte Frida Langers Engagement und titulierte sie als Marxistin. Langer wurde mehrmals inhaftiert und ihrem Lebensgefährten, ein deutscher Fabrikant, wurde der Umgang mir ihr bzw. das Weiterführen der Hausgemeinschaft untersagt.

Um dem zweiten Transport der Deportation württembergischer Juden ins KZ Izbica/Lublin zu entgehen, beging sie nach dem Scheitern sämtlicher Fluchtpläne am Karfreitag 1942 - vermutlich durch eine Überdosis Tabletten - Selbstmord. Am 1. April 1942, zwei Tage vor ihrem Freitod, verfasste Frida Langer ihr Testament. In ihrem Testament schreibt Langer über die Situtation der Verfolgung durch das NS-Regime: "Die Jagd ist zu Ende."[3]

Letztendlich sind sie immer an fehlendem Geld oder fehlenden Papieren gescheitert“, so die Buchautorin Helga Dombrowsky, die die Briefe Frida Langers an den Bruder eines Ortsgruppenleiters der NSDAP ausgewertet hat. Frida Langer war bereits einige Zeit lang den Repressionen des NS-Regimes ausgesetzt. Aus den noch vorhandenen Briefen geht hervor, dass der damalige Giengener Bürgermeister Christian Ehrlinger 1941 Langer denunzierte und die Stuttgarter Gestapo aufforderte, endlich "Maßnahmen" gegen Langer und ihren Lebensgefährten vorzunehmen. Auch den Entzug ihres Führerscheins konnte sie nicht verhindern. Sie wurde zweimal inhaftiert, weil sie es "versäumt" hatte im Bürgermeisteramt den Namenszusatz "Sara" eintragen zu lassen. Durch die im August 1938 erlassene "Namensänderungsverordnung" wurden alle weiblichen Juden gezwungen den Namenszusatz "Sara" zu tragen, alle männlichen Juden mussten den Namenszusatz "Israel" tragen.[4] Wohl aus Protest oder "Zeichen der Empörung" hat Frida Langer auf dem Passbild ihres Ausweises auf die Brust "SARA" geschrieben. Ihren beiden Töchtern gelang die Flucht nach England, der Sohn Paul konnte zunächst nach Japan und von dort aus in die Vereinigten Staaten auswandern.

Abschiedsbrief[Bearbeiten]

Giengen 1.4.1942
Ich wollte erst am Ostermontag aus dem Leben gehen, um alles in Ordnung hinterlassen zu können & damit ich meinen geliebten Kindern & meinen Freunden ein paar Worte noch hätte schreiben können. Auch das ist mir versagt. Denn sollte ich schon wieder um 1/2 11 aufs Bürgermeisteramt kommen & Gott weiss, was mich da schon wieder erwartet? Ich bin aber nicht imstande, diese ständige Folter zu ertragen...
Ich bitte nur noch den Arzt, falls er gerufen wird, um Gotteswillen nicht zu versuchen, mich ins Leben zurückzurufen. Ich kann nicht mehr...
Meine Kinder brauch ich nicht um Verzeihung zu bitten, auch nicht die anderen Menschen, die mich lieb hatten wie ich sie.
Ich weiss, dass sie alle es mir verzeihen.
Nun bin ich endlich zur Strecke gebracht, die Jagd ist zu Ende. Nun mache ich durch das Überstürzte dieser Tat so viele Mühe und Arbeit, ich kann es nicht ändern ... Bitte vergebt mir alle...
Gestern hatte ich noch keine Ahnung, nun ist´s schon so...
Sofort Moos anrufen, wenn ich tot bin ... Ich möchte gerne verbrannt werden, wenn das aber aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, machts auch nichts. Die Urne soll hier beigesetzt werden, wenn man hier ein Stückchen Platz in der Erde des Friedhofs gibt. Denn auf dem jüdischen Friedhof möchte ich nicht sein, da ich das meines Sohnes halber, wenn er einmal mein Grab besucht, nicht will. Ich bitte also darum, denn es ist ja nur Asche die da liegt.
Frida Langer [5]

In Fürth wird Frida Langer seit 2009 in der Trauerhalle des Neuen Jüdischen Friedhofs gedacht. Gisela Blume ließ ihren Namen unter denen von über 1.000 Fürther Opfern der Shoah auf einer Gedenktafel an der Stirnseite der Halle mit aufnehmen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helga Dombrowsky (Hrsg.): Das blaue Notizbuch: Gedichte und Texte von Frida Langer, Kugelberg Verlag, April 2015

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brigitte Werneburg: All die schönen Dinge. In: TAZ - Tageszeitung vom 24. Juni 2015 - online abrufbar
  2. Betty Neubauer wurde am 4. Januar 1862 als Tochter des jüdischen Fabrikanten Max Neubauer und seiner Frau Sahra Neubauer, geb. Benda in Fürth geboren. (Stadtarchiv München (Hrsg.): Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933 - 1945, München 2003/2007)
  3. 3,0 3,1 Carolin Wöhrle: Auf den Spuren einer mutigen Frau. In: Heidenheimer Zeitung vom 2. April 2012 - online abrufbar
  4. Wikipedia: Namensänderungsverordnung. Online abgerufen am 31. August 2016 | 22:45 Uhr
  5. Helga Dombrowsky (Hrsg.): Das blaue Notizbuch: Gedichte und Texte von Frida Langer, Kugelberg Verlag, April 2015

Bilder[Bearbeiten]