Gabriel Löw Fränkel

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Dieser Artikel entstand im Rahmen des Fürther Stadtjubiläums "200 Jahre eigenständig" im Jahr 2018

Gabriel Löw Fränkel - auch Gabriel Levi - (geb. ca. 1640 in Fürth; gest. 26. Juni 1710 in Bamberg) war Gemeindevorsteher der jüdischen Gemeinde in Fürth. Gabriel Fränkel gehörte einer Familie an, die schon länger in Fürth ansässig war.

Fränkel war als Hofjude am fürstbischöflichen Hof Bamberg zu einem größeren Vermögen gekommen. In der Folge stiftete er 1707 die Gabrielschul in der Königstraße 57, eine private Synagoge zum Studium der Tora und des Talmud. Der Chronist Glikl schrieb über die Spende: Soll ich nun schreiben, was für Ehre ich von seinem ganzen Hause hatte? ... Nicht genug, dass die ehrlichen Leute große Mühe mit mir gehabt haben, um das Geld für die Wechsel aufzunehmen; sie haben es mir auch zum Teil gegeben, zum Teil es nach meiner Ordre an anderen Plätze geschickt. Denn ich hatte das Geld ... an verschiedene Leute auf Zinsen ausgeliehen... Nachher habe ich mit dem reichen Gabriel Levi abgerechnet und wollte ihm, wie sich´s gehört, meine Provision zahlen. Aber wollte keinen Pfennig nehmen und sagte, das sei kein Geld von Geschäften, das sei eine Pflichtsache und ein gutes Werk ... Gott wolle es ihm bezahlen.[1]

Hinweise auf Fränkels religiöse Wurzeln und sein Geschäftsgebaren finden sich in den Lebenserinnerungen der Glückel von Hameln. Sie beschreibt Fränkel als einen überaus großzügigen Mann. Dies begründet sie damit, dass sie die Mitgift des Sohnes Moses auf Zinsen verliehen und die Wechsel darüber bei Gabriel Fränkel eingelöst hatte. Dieser zeigte sich aber ihr gegenüber nicht nur großzügig, indem er auf die Erstattung seiner Auslagen verzichtete, sondern auch seine Frömmigkeit durch den Verzicht zum Ausdruck brachte: Nachher habe ich mit dem reichen Gabriel Levi abgerechnet und wollte ihm, wie sich´s gehört, meine Provision zahlen. Aber er wollte keinen Pfennig nehmen und sagte, das sei kein Geld von Geschäften, das sei eine Pflichtsache und ein gutes Werk. Ich habe ihm zwar viele Gründe gebracht. Aber - kein Gedanke - er hat nicht einmal Postgeld verrechnet. Gott wolle es ihm bezahlen. Das "gute Werk", an dem Fränkel indirekt mitwirkte, war die Ausstattung eines Brautpaares. In diesem Fall wurde die Spende nicht als gottfällige Spende betrachtet, sondern durch eine großzügige Handhabung der Geschäftskosten erreicht.[2]

Der Name Fränkel kam Ende des 17. und 18. Jahrhunderts in Fürth häufig vor. Gleichzeitig gab es eine zweite Familie Fränkel, die allerdings aus dem Wiener Ghetto kam und zu einer der ältesten und vornehmsten Familien des Wiener Ghettos gehörte. Letztere kamen gegen 1670 nach Fürth, nachdem alle Juden aus Wien vertrieben wurden. Doch bevor sie aus Wien gingen, stifteten die "reichsten Juden Wiens" noch eine große Summe, damit der jüdische Friedhof in Wien erhalten bleiben konnte. Die Zuwanderung der Wiener Familie Fränkel verwundert etwas, da die Zerstörung Fürths durch den Dreißigjährigen Krieg 1670 noch deutlich sichtbar war und der Wiederaufbau nur langsam voran ging. Vermutlich wechselte die Familie Fränkel aus Wien nach Fürth auf Grund des guten Rufs der jüdischen Gemeinde und der Rabbiner in Fürth sowie der wirtschaftlich guten Verbindungen beider Städte zu dieser Zeit. Die Familie brachte aus der Wiener Synagoge einen Leuchter mit, um die Tradition auch über den Ortswechsel hinaus aufrecht zu erhalten; leider wurde dieser Leuchter durch die Reichspogromnacht 1938 zerstört. Ebenfalls mit im Gepäck: das 1633 begonnene Memorbuch der toten Juden Wiens. Das Memorbuch wurde 1708 von Bärmann Fränkel weitergeführt und befindet sich heute im Besitz des Jüdischen Museums Franken.

Bärmann Fränkel war von 1700 bis 1708 Oberrabbiner in Fürth. Dessen Enkel waren Landesrabbiner von Ansbach bzw. Hofjuden in Ansbach. Die Familie Fränkel besaß mehrere Häuser in Fürth, u. a. den heutigen Tannenbaum (Helmstraße 10), sowie die Gebäude Marktplatz 1 und 3.

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Barbara Ohm: Geschichte der Juden in Fürth. Geschichtsverein Fürth, Fürth 2014, S. 25
  2. Monika Preuß: Gelehrte Juden - Lernen als Frömmigkeitsideal in der frühen Neuzeit. Wallenstein Verlag Göttingen, 2007, S. 46 ff.