Kirche St. Christophorus

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St Christophorus1.JPG
Kirche St. Christophorus, Ansicht von Westen
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Die Kirche St. Christophorus ist eine katholische Kirche in der Nordstadt (Flurstraße 28). Sie ist eine der größten und bedeutendsten Sakralbauten der frühen 1970er Jahre im Erzbistum Bamberg[1] und ist weitgehend im Originalzustand erhalten.

Geschichte[Bearbeiten]

Auch im Fürther Nord-Osten hatten nach dem Zweiten Weltkrieg viele Vertriebene und Flüchtlinge eine neue Heimat gefunden. Deshalb war auch die katholische Gemeinde stark gewachsen. Am 25. März 1953 erfolgte deshalb die Gründung eines Kirchenbauvereins für Fürth Nord-Ost. Ein Jahr später konnte man ein Grundstück in der Flurstraße kaufen und es Bestand die Hoffnung, bereits 1955 mit dem Bau einer Kirche mit 500 Sitzplätzen beginnen zu können. Allerdings signalisierte das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg, dass die dafür erforderlichen Mittel in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen würden. Auch in den Jahren darauf bot der Bamberger Erzbischof lediglich an, erst einmal eine "Notkirche" zu errichten und nach weiteren zehn Jahren eine richtige Kirche zu bauen. Man nahm den Vorschlag an und so erfolgte 1959 der Bau der "Notkirche". Die Einweihung fand am 15. November 1959 statt.

1960 wurde offiziell die Filialkirchenstiftung St. Christophorus eingerichtet und das erste Pfarrblatt erschien. Als Gemeindename wurde bewusst der Heilige Christophorus als Schutzpatron des Verkehrs gewählt, weil damals schon bekannt war, dass in dem unmittelbar am Grundstück vorbeilaufenden Kanal eine Schnellstraße gebaut werden sollte.[2] Am 1. September 1962 wird St. Christophorus zur Kuratie erhoben mit Kaplan Theodor Sitzmann als Kuratus. Im selben Jahr wurde das Kirchengrundstück durch Zukauf erweitert und am 22. Oktober 1962 konnte auch das neue Pfarrhaus bezogen werden. Schon 1963 wurde ein beschränkter Wettbewerb zur Erlangung von Kirchenbauplänen ausgeschrieben. Beteiligt waren die Architekten Reubel aus Nürnberg, Heid aus Fürth und Netter aus Nürnberg. Nach etlichen Verhandlungen und Gesprächen legten die Architekten Heid und Netter ihre Entwürfe zusammen, Netter übernahm die weitere Bauplanung, Heid die Bauausführung. Am 1. April 1965 wird die Gemeinde zur selbständigen Pfarrei erhoben; Kurat Sitzmann wird erster Pfarrer von St. Christophorus. 1968 legte Netter eine Detailplanung vor, die ineinander verschachtelte, unterschiedlich große Quadratkuben vorsah. Das erbischöfliche Ordinariat stimmte grundsätzlich zu, wenngleich es u.a. die weitgehende Ausführung der gesamten Anlage in Beton als wenig sympatisch ansah.[3] Die Realisierung in Beton sowie die Fensterlosigkeit der Kirchenwände waren auch ein Bauzwang, denn die geplante Autobahn würde Lärm und Erschütterungen bringen. Nachdem die nochmals angepassten Pläne 1970 genehmigt waren, erfolgte umgehend der Baubeginn. Im August 1972 feierte man Richtfest, die offizielle Grundsteinlegung wurde dagegen erst am 3. Dezember gefeiert. Am 7. Oktober 1973 weihte Erzbischof DDr. Josef Schneider das Gotteshaus.[4] Die Notkirche wurde im gleichen Jahr abgetragen und in Zirndorf-Wintersdorf wieder aufgebaut.

Der unmittelbar am Frankenschnellweg gelegene Baukörper ist heute durch den Baumbestand und Lärmschutzanlagen von der Autobahn aus fast nicht mehr auszumachen.

Seit 2006 gehört die Pfarrei zum Seelsorgebereich Fürth-Mitte-Nord, dieser umfasst die Pfarreien "Unsere Liebe Frau" (Innenstadt), "Heiligste Dreifaltigkeit" (Stadeln) mit der Filiale "Hl. Familie" (Sack) und "Herz Jesu" (Mannhof).

Beschreibung[Bearbeiten]

Der einheitliche Baukomplex besteht aus der Kirche mit Kapellen, Sakristei, Glockenträger, dem Pfarrzentrum und weiteren Räumen. Die gestaffelten, unterschiedlich hohen, an den Ecken zum Teil abgewinkelten und asymmetrischen Elemente aus Sichtbeton, die vielfach fensterlos sind, erinnern an eine natürliche Felslandschaft. Größere Fensterflächen befinden sich nur im Bereich des niedrigeren Pfarrzentrums und an einer Seitenwand der Werktagskapelle, die zum Parkplatz hin völlig verglast ist. Alle Fenster und Türen des Komplexes setzen mit ihrer leuchtend roten Farbgebung kräftige Akzente. So ist auch das zweiflügelige Hauptportal aus breiten und quer gelagerten roten Paneelen gestaltet. Auch im Inneren werden die seit der Renovierung von 2003 weiß gefassten, mit grobem Strukturputz versehenen Wände und Decken durch die in rotem Farbton lasierten Holzteile von Gestühl, Türen und Fenstern kontrastiert. Der Hauptkirchenraum ist ein vieleckiges Gebilde und durch verschiedene Abwinkelungen als regelmäßige Raumstruktur nicht erfassbar. Tageslicht fällt hauptsächlich durch hochliegende, nahezu nicht einsehbare Oberlichter in die Räume und erzeugt durch diese indirekte Lichtzufuhr die besondere Faszination der Kirche, des Vorraums und der Taufkapelle. Auch die künstliche Beleuchtung erfolgt ausschließlich indirekt. Die Orgel, gebaut von der Firma Volkmar Krätzer aus Nürnberg, befindet sich in einem im nordwestlichen Bereich der Kirche gelegenen Raumrücksprung auf einer etwas höher gelegenen Orgelplattform. Sie wurde erst 1987 geweiht und ersetzte die ursprüngliche elektronische Kienle-Orgel.

Der Hauptaltar besteht aus einem großen, roh behauenen quadratischen Block aus Juramarmor, der auf vier quadratischen Füßen ruht. Tabernakelstele, Taufstein und Weihwasserbehälter sind ähnlich schlicht gestaltet. Die große Kreuzplastik hinter dem Hauptaltar schuf der Nürnberger Bildhauer Otto Goppel. Von ihm stammt auch die Madonnenstatue aus Bronze.

Eine Besonderheit der Werktagskirche ist die von dem Künstler Heinz Heiber 1975 entworfene moderne Plastik in Form einer auf einem Standrohr sitzenden Bronzekugel neben dem Altar.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Wachter: Kirchenbauten im Erzbistum Bamberg, Band 1. Werbedruck GmbH Horst Schreckhase, Spangenberg, 2017, 978-3-7319-0084-9, S. 484.
  2. Robert Wachter: Kirchenbauten im Erzbistum Bamberg, Band 1. Werbedruck GmbH Horst Schreckhase, Spangenberg, 2017, 978-3-7319-0084-9, S. 479.
  3. Schreiben des Erzbischöflichen Ordinariats vom 20.06.1969 aus Kath. Pfarrarchiv St. Christophorus, Ordner Kirchenbau
  4. Robert Wachter: Kirchenbauten im Erzbistum Bamberg, Band 1. Werbedruck GmbH Horst Schreckhase, Spangenberg, 2017, 978-3-7319-0084-9, S. 480.

Bilder[Bearbeiten]