Mathildenkino

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Das Mathildenkino war das erste dauerhafte Kino in Fürth. Zuvor hatte Georg Meier in der Gustavstraße 41/Zum Gelben Löwen 1904 bereits einen Versuch unternommen, war aber nach zwei Monaten mit diesem Versuch gescheitert.

Das erste dauerhafte Kinematograph - lebender Photographien - entstand somit im November 1907. Der Mainzer W. Ofenloch stellte am 27. November 1907 den Antrag auf "kinematographische Vorführungen im Parterrelokal Mathildenstraße 1". Der Antrag sah wie folgt aus:

Dem wohllöblichen Magistrat Fürth, erlaubt sich der ergebenst Unterzeichnete hiermit die Absicht zu unterbreiten, in dem Parterrelokal des Herrn Kißkalt, Mathildenstraße 1, auf längere Zeit kinematographische Vorführungen in den Nachmittags- und Abendstunden zu veranstalten und zwar teils belehrenden, teils unterhaltenden Inhalts. Erstere werden sich hauptsächlich auf die Länder- und Völkerkunde erstrecken und auch aus der Naturkunde manches vor Augen führen, ist doch der Kinematograph nun sogar in das Laboratorium des Gelehrten eingedrungen und hat sich ein ganz neues Aufnahmegebiet erorbert. Er führt jetzt das Leben der kleinsten Wesen, die für das menschliche Auge nur durch das Mikroskop sichtbar sind, vor Augen. Es ist gelungen, Duarte [sic] das Mikroskop hindurch kinematographische Aufnahmen zu machen und diese auf der Demonstrationsleinwand in solcher Vergrößerung vor Augen zu führen, dass die Bewegungen der Kleinstlebewesen vortrefflich zu erkennen sind. Diese Vorführungen werden sich besonders für den Besuch der in corpore [sic] eignen. Die zweite Art der Vorführungen wird den Besucher durch humoristische und ernste Bilder aus dem Kaleidoskop des menschlichen Lebens erheitern und bitte ich hochwohllöblich Magistrat, dem Unternehmen eine geneigte Genehmigung zuteil werden zu lassen. Ergebenst W. Ofenloch, wohnhaft z. Zt. Gasthof Schwarzes Kreuz, ab nächster Woche Mathildenstraße 1, IV Etage. Nebenbei erlaube ich mir noch die ergebenste Bitte um geneigte Beschleunigung, füge zu diesem Zwecke Situtationspläne mit dem Bemerken, dass der Projektionsraum vom Zuschauerraum durch eine eiserne oder steinerne Wand getrennt sind. Betreffs meiner Personalien teile ich noch mit, dass ich 30 Jahre alt, verheiratet, kath. Lehrersohn bin und die letzten drei Jahre in Mainz als Restaurateur ansässig war.[1]

Die Stadt Fürth genehmigte den Antrag am 5. Dezember 1907, gab als Auflage aber Ofenloch mit, dass der Raum nicht mehr als 100 Personen aufnehmen durfte. Die Vorstellungen mussten des Weiteren um 21 Uhr beendet sein. Ofenloch begann somit samstags, sonntags und mittwochs jeweils um 14 Uhr mit seinen Vorstellungen. Die erste Vorstellung war am 14. Dezember 1907, allerdings war der Zulauf relativ schwach. Häufig kamen nur Kinder in die Vorstellungen, erwachsenes Publikum blieb u. a. deshalb aus, da die Vorführungszeiten meist während der Arbeitszeit waren.

W. Ofenloch stellte deshalb bereits nach 10 Tagen - am 19. Dezember 1907 - den Antrag, die Sperrzeit von 21 Uhr auf 22 Uhr zu verschieben, damit auch älteres Publikum an den Vorstellungen teilnehmen konnte. Dem Antrag wurde 19. Januar 1908 ausnahmsweise zugestimmt. Die Kontrollen der Polizeibehörde ergaben jedoch, dass die Nachmittagsvorstellungen trotzdem stets fast leer blieben, lediglich in den Abendstunden waren einzelne Besucher vorhanden. Im Juni 1908 unterbrach Ofenloch die Vorstellungen im Mathildenkino, um "14 Tage sich auswärts zu produzieren"; allerdings wurde er im Anschluss in Fürth nie wieder gesehen - er hatte sich nach nur einem halben Jahr scheinbar abgesetzt. Nachforschungen bis Anfang Oktober über seinen Verbleib verliefen ohne Ergebnis.

Neustart[Bearbeiten]

Nach fast fünfmonatiger Pause kam am 19. Oktober 1908 ein neuer Pächter. Carl Taubert, der die Kinogeschichte in den 1920er Jahren in Fürth maßgeblich prägen wird, übernahm das Kino in der Mathildenstraße. Zunächst baute er das Kino in dem knapp 65 qm großen Raum auf 148 Sitze aus. Er beantragte die Verlängerung der Polizeistunde auf 23 Uhr, wie es in den meisten anderen Städten üblich war, da die Hauptumsätze erst ab 20 Uhr zu erzielen waren. Der Magistrat genehmigte dieses Verlängerung, so dass einem längeren Betrieb nichts mehr im Wege stand.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerd Walther: Fürther Kinos, Fürth, 2001, S. 6 ff.