Poppenreuther Straße 149/151

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Poppenreuther Straße 149
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Das Haus Poppenreuther Straße 149, die ‘‘historische Hausnummer‘‘ 12, hat eine Metamorphose vom ‘‘Frühmesshaus‘‘ über ein einfaches ‘‘Gütlein‘‘ zum ‘‘Badhaus‘‘ und zur ‘‘Bäckerei‘‘ hinter sich, ehe es im ausgehenden 20. Jahrhundert zum ‘‘LottoTotto-Laden‘‘ wurde.

Das Frühmesshaus bis zum Zweiten Markgrafenkrieg[1][Bearbeiten]

  • 1424/1430: Pfarrvikar Peter (unter dem „Rector” der Gemeinde Albrecht Fleischmann) errichtete in Poppenreuth eine Frühmesse.[2] Der Frühmesser wohnte in diesem Haus. Da das Haus keinen Feldbesitz hatte, wechselten die Besitzer sehr häufig.
  • 1492 gehört das Haus der Nürnberger Patrizierfamilie Starck als Grundherrn.[3]
  • 1531 gibt Weigert Hofmann aus dem Frühmesshaus eine Versprechhenne.
  • 1532 gibt Contz Castl eine Versprechhenne; ebenso aus dem anderen Haus Hans Hofmann.
  • 1533 - 1546 werden als Zinspflichtige genannt: Hans Kreftin, Georg Prantenmüller, Ullrich Edelmann, Hans Pidermann, ‘‘‘Michel Steinmeissel‘‘‘, Martin Christoph.[4]
  • Um 1550 wird durch den Einfluss der Reformation die Frühmesse in Poppenreuth aufgelöst und das Stiftungsvermögen dem Landalmosenamt in Nürnberg zugeführt. Das kleine Gut bleibt grundherrlich bei der Patrizierfamilie Starck in Nürnberg und wird an Privatpersonen verliehen.
  • 1552 wird das Gut im Zweiten Markgrafenkrieg niedergebrannt.

Gutbesitzer vom großen Poppenreuther Schenkenstreit bis in die bayerische Zeit 1808[5][Bearbeiten]

  • 1553: Streit zwischen Poppenreuther Gottshauspflegern (= heute Kirchenvorstehern) und dem Patrizier Hans Starck vor dem Nürnberger Stadtgericht mit dem Ergebnis, dass das Gütlein nicht dem Gotteshaus gehört und darum - wie jedes andere Gut bei einem Verkauf - verhandlohnt werden muss (d. h. der Eigenherr Hans Starck erhält bei dem Verkauf einen bestimmten Prozentsatz - meist zwischen 5 bis 10 % - der Verkaufssumme. So ist das Gut jetzt an Lienhard Kupfer und seiner Ehefrau Helene aus Fürth um 20 fl. Rh. (rheinische Gulden) verkauft worden. Der jährliche Zins an den Eigenherrn Hans Starck ist in Geld auf 2 Pfund und eine Henne festgesetzt.[6] Aufgrund eines Baugesuchs[7]geht hervor, dass vor dem Krieg hier das Frühmesshaus neben "anderen Zimmern" (= Gebäuden) in einer Hofstatt vereint standen.
  • 1556 am 18. August verkaufen Lienhard Kupfer und Frau Helene dies Gütlein für 49 fl. an Carl und Margarethe Taubmann aus Schweinau. Der Eigenherr Hans Starck erhält alljährlich Zins in Höhe von 60 Pfund - halb zu Allerheiligen und halb zu Walpurgis - und eine Faßnachthenne.
  • 1562 nach Aussagen in dem großen Poppenreuther Schenkenstreit hat bereits der Michel Steinmeissel auf dem Frühmesshaus ausgeschenkt.[8]
  • Am 16. März verkauft Cunz Viztumb das Gütlein für 80 fl. an Hans Geyger, Bürger zu Nürnberg und derzeit Bader in Fürth. Aber bereits am 19. August 1581 kauft Hans Reeger von Wetzendorf das Gut, in dem er lange Besitzer ist.
  • 1611 gibt Margarethe, die Witwe des Hans Reeger von dem Gut 5 Eier und 1 Feuerpfennig an das Waldamt Sebaldi.
  • 1612 geht der Besitz nach dem Tod der Margarethe Reeger an ihren Schwiegersohn Conz Fleischmann.
  • 1617 erwirbt Hans Bub das Gut für 175 fl.
  • 1622 am 12. September kauft Peter Ruß, der Schmied zu Poppenreuth, das Gut für 175 fl. und besitzt es zu Handroß (d. h. als Nebengut nebenher).
  • 1653: Michael Ziemer gibt 5 Eier und 1 Feuerpfennig für das Gut.
  • 1680 taucht hier Georg Hoffmann in den Bauakten und Gemeindelisten auf.
  • 1710: Michael Lohbauers Gut gibt 5 Eier und 1 Feuerpfennig.[9] Michael Lohbauer leistet das Quartiergeld bei den Durchzügen kaiserlicher Truppen (im spanischen Erbfolgekrieg).
  • 1716 will die Witwe des verstorbenen Schreiners Michael Lohbauer, Christina, bauliche Veränderungen an dem zweistöckigen Haus vornehmen. Sie selbst wohnt im oberen Stock.
  • 1719 kauft Conrad Heydt das Gut. Er selbst war vordem Pächter im Pfarrhof.
  • 1753: Johann Andreas Otto
  • 1759: Christian Fr. Ernst Rosa (oder Rößer), der von Beruf Bader ist[10]
  • 1764: Phil. Samuel Esenbeck, Bader und Wundarzt
  • 1767/68 ist Johann Georg Strobel Besitzer des kleinen Gutes.[11]
  • 1775 richtet Strobel ein Baugesuch an das Waldamt; vorgesehen ist wieder ein zweistöckiges Gebäude. Er ist mit der Witwe des Esenbeck verheiratet und hat somit das Gut nicht erworben sondern "erheiratet".
  • 1808 wird in dem bayerischen Steuerbuch der Chirurgus Johann Georg Strobel als Besitzer genannt. Das Anwesen wird als Badhaus mit allem Zubehör genau beschrieben: ¼-Hof, Das Badhaus ist ein kleines Haus aus Stein, ein Ställlein, kleine Hofrait, Waldrecht - eigens erwähnt "Scheitholz", das er zum Heizen des Bades braucht, Gemeinderecht.[12] Auf dem Haus haftet nun die Badgerechtigkeit. Die Grundherrschaft gehört der Familie von Eyb.

Vom Badhaus zur Bäckerei[Bearbeiten]

Bäckerei Andreas Bär
  • 1873: Nikolaus Rödel und Ehefrau Anna besitzen das Gut[13], die später das Haus Poppenreuther Straße 162, das Gasthaus zum Hirschen errichten. Danach werden noch als Besitzer Burk, Johann Benjamin und Katharina sowie ein Heumann Simon geführt.
  • Um 1890 erscheint hier erstmalig eine Bäckerei, die Christof Hochleitner zusammen mit einer Landesproduktenhandlung unterhält.[14]
  • Die Bäckerei geht anfangs des 20. Jahrhunderts über in das Eigentum des Bäckers Eugen Trefz und seiner Frau Babetta, geb. Volleth. Eugen Trefz fällt im Ersten Weltkrieg.
  • Babetta Trefz heiratet 1919 den fast sieben Jahre jüngeren Bäcker Andreas Bär aus Peilstein (Ortsteil von Neukirchen Bezirk Sulzbach), der die Bäckerei weiter betreibt bis zu seinem Tod. Die Bäckerei firmiert nun unter dem Namen Bäckerei Bär.
  • 1955: Konrad (genannt Karl) Bär übernimmt die Bäckerei und erweitert das Haus an der Frontseite um einen Verkaufsraum. Wegen der Lichtverhältnisse für das Haus Poppenreuther Straße 153 wird dieser Anbau aber nicht über die ganze Breite gezogen, sodass ein ausgespartes Eck auf der Ostseite entsteht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. alle Angaben nach Werner Sprung: "Poppenreuther Hofgeschichten", o. J. - handgeschrieben, Archiv Rudi Pfann und Archiv St. Peter und Paul zu "alte Hausnummer 12", S. 1 - 8
  2. Friedrich Wachter: General-Personal-Schematismus der Erzdiözese Bamberg 1007 - 1907; Bamberg 1908; Seite 361
  3. In den Starck'schen Gültbüchern wird 1492 von zwei Häusern auf dem Grund gesprochen. Angabe nach Werner Sprung: "Poppenreuther Hofgeschichten", o. J. - handgeschrieben, Archiv Rudi Pfann und Archiv St. Peter und Paul zu "alte Hausnummer 12", S. 1 - 8
  4. alle Zinspflichtigen sind in den Nürnberger Verzeichnissen von 1539 – 1545 als Beständtner vermerkt; siehe Werner Sprung
  5. alle Angaben nach Werner Sprung: "Poppenreuther Hofgeschichten", o. J. - handgeschrieben, Archiv Rudi Pfann und Archiv St. Peter und Paul zu "alte Hausnummer 12", S. 1 - 8
  6. St.A. N. Lib. Litt. Bd 68 fol. 161
  7. "St.A. N. Rep. 76, Nr. 346 fasz. 8 "Akten des Waldamtes Sebaldi" - und eines Schreibens vom 14. Juni 1554 - alles zitiert nach Werner Sprung. Aus dem Schreiben geht auch hervor, dass vor dem Krieg nicht nur die Hofstatt, sondern auch vielleicht das Gütlein des Pfarrers sich auf dem Grund befand. Das Starck'sche Gültbuch von 1531 - 1546 vermerkt: "Der Pfarrer gibt alle Jahre aus seinem Gütlein 1 Henne". Als steuerpflichtig ist dagegen vermerkt, dass von den Beständnern Michael Steinmeissel und Hans Hofmann je 1 Batzen zur Steuer entrichtet wird.
  8. Werner Sprung weist dabei auf "St.A. N. Rep. 1, Nr. 666 und Rep 16 - B-Laden SI L 188 ad Nr. 1" hin
  9. der Besitzer Lohbauer wird bei Gottlieb Wunschel "Poppenreuth - einst und jetzt", 1945, zu Poppenreuther Straße 149 mit dem Vornamen "Hannß Mich." geführt
  10. beide Angaben auch in der Namensunsicherheit identisch bei Werner Sprung und Gottlieb Wunschel
  11. laut Werner Sprung, aber Gottlieb Wunschel führt hier noch Johann Michael Strobel auf und erst nach der Jahrhundertwende Johann Georg Strobel (vermutlich der Sohn des vorgenannten)
  12. Barbara Ohm: Poppenreuth - Geschichte eines Fürther Dorfes, Seite 73
  13. Gottlieb Wunschel "Poppenreuth - einst und jetzt", 1945, zu Poppenreuther Straße 149
  14. der Zustand des Hauses wird durch eine Postkarte illustriert, auf der die neue Friedhofskapelle bereits vorausgesetzt wird und als Wirt des Schwarzen Adlers Johann Michael Müller

Bilder[Bearbeiten]