Wolf Hamburger

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Wolf Abraham Benjamin Lippmann Hamburger (geb. 24. Januar [1]1770 in Fürth; gest. 15. Mai 1850 in Fürth), Sohn des Gemeindevorstehers Elieser Aron Lippmann Ansbach aus Fürth und der Krenle Niederwerrn aus Heidingsfeld [2], war u.a. Kurator und der letzte Leiter der Talmudhochschule Fürth, Mohel, und Rabbinatsverweser in Fürth (1820 bis 1831). Er war Schüler von Meschullam Salman Kohn und auch Lehrer von Rabbiner Dr. Isaak Loewi und u. a. Seligman Bamberger.

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater starb kurz nach seiner Geburt und die Mutter zog später zu ihrem zweiten Ehemann Benjamin Cohen Amersfort nach Amsterdam und ließ den Sohn in bedrängten Verhältnissen bei Vormündern zurück [3]. Er studierte in Fürth bei Wolf Ullmann und an der Jeschiwa des Oberrabbiners Meschullam Salman Kohn.
Wolf Hamburger heiratete am 1. September 1789 Rachel Miriam Cohen (geb. in Prag, gest. 26. November 1836 in Fürth), eine Tochter des Salomon Cohen und Enkelin des Prager Magnaten Samuel Lucka (1720-1792) und dessen Frau Reichel, von denen Hamburger unterstützt wurde [4]. Er hatte mit seiner Frau drei Kinder (zwei Söhne und eine Tochter), die aber sehr früh verstarben.

Oberrabbbiner Kohn übertrug ihm 1799 aus Gesundheitsgründen die Leitung der Fürther Jeschiwa, die während seiner dreißigjährigen Amtszeit die größte rabbinische Schule des westlichen Deutschlands war [5]. In der Gemeinde beunruhigte seine Gesetzesstrenge die seinen Mentor Kohn wohl noch übertraf. Er gelobte den Verzicht auf alle rabbinischen Ämter und gab sich mit der Stiftsrabbinerstelle am Bet-Midrasch seines Vorfahren Bermann Fränkel [6] - der "Klaussynagoge" - zufrieden [7]. Angeblich lehnte er die ihm angebotenen Oberrabbinate von Hamburg und Mainz ab.

1820 setzte ihn die Gemeinde stillschweigend zum Rabbinatsverweser in Fürth ein. Seit 1821 führt er gegen die Reformpolitik der Behörden einen Verteidigungskampf für seine Jeschiwa ein erster Schließungsbefehl im Juli 1824 wurde auf seine Eingabe hin rückgängig gemacht. Nach einer zweiten Schließung im April 1828 erteilt Hamburger weiter privaten Talmudunterricht und erhielt am 22. Juli 1830 striktes Lehrverbot. Der reformnahe Gemeindevorstand begrüßte die Regierungsmaßnahme „das Verbot der Ausübung des Lehramtes für Hamburger ist die weiseste Anordnung unseres Staatsoberhauptes“ [8]

Nachruf zum Tode Wolf Hamburgers in Allgemeine Zeitung des Judentums vom 14.6.1850

Wolf Hamburger starb am 15. Mai 1850 und wurde auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Fürth beerdigt [9]. Die Inschrift (Grabsteinepigraph) des Grabmals enthält auf Wunsch des Verstorbenen keine Eulogie; als einzige Gemeindefunktion wird die des Beschneiders (Mohel) durch ein Messer symbolisiert.

Werke[Bearbeiten]

  • Abraham Benjamin Hamburger: םספר ץל מות מףסימיליאנ Trauerrede wegen des Hinscheidens Seiner Majestät des höchstseligen Königs Maximilian Joseph des Ersten von Bayern. Vorgetragen in der Synagoge zu Fürth am 23sten Oktober 1825, von Wolf L. Hamburger. Fürth. Gedruckt und in Verlag bey Isaac David Zürndorfer und Sohn. - zum online-Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Kol Bochim (קול כוכים, die Stimme der Herumirrenden = Schüler der Jeschiwa), Trauerpredigt aus Anlass des Todes von Meschullam Salman Kohn

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Porträt von Wolf Hamburger (1846)[10] - online-Digitalisat der National Library of Israel

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. abweichend Gisela Naomi Blume: Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch) - 1607 - 2007, 2007; Seite 230 mit dem Geburtsdatum 26. Januar 1770
  2. siehe Hamburger, Wolf in: BHR Biographisches Portal der Rabbiner - online
  3. ebenda
  4. ebenda
  5. ebenda
  6. Hamburger war ein Nachkomme des Bermann Fränkel
  7. siehe Hamburger, Wolf in: BHR Biographisches Portal der Rabbiner - online
  8. ebenda
    Als Wortführer der Fürther Orthodoxen und Teilnehmer der Ansbacher Kreissynode von 1836 bekämpfte er die Reformpartei und seine zu ihr übergelaufenen Schüler David Einhorn, Isaak Löwi, Joseph Aub, Leopold Stein, Bernhard Wechsler, Elias Grünebaum und Moses Gutmann.
  9. Gisela Naomi Blume: Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch) - 1607 - 2007, 2007; Seite 230
  10. "Fürther Tagblatt", 29.08.1846