Zum roten Roß (Poppenreuth)

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Poppenreuther Straße 145 1.jpg
Ehem. Gaststätte Zum roten Roß (Poppenreuth) in der Poppenreuther Straße 145, 2018
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Zum roten Roß war ein traditionelles, vermutlich sogar das älteste Wirtshaus in Poppenreuth. Die Gaststätte befand sich in dem heuten noch bestehendem Gebäude Poppenreuther Straße 145 und hatte die alte Hausnummer 10. Der Hof und die Schankstätte waren ein Bamberger Lehen.

Paul Ewald schrieb 1831 folgendermaßen:

Das Wirthshaus zum rothen Roß ist, allem Vermuthen nach, die älteste Schenkstätte zu Poppenreuth. Dieses Haus war ehemals ein Mannlehen und wurde im Jahre 1534 von Marquard von Stein, des Lehenstifts zu Bamberg Domprost an Heinrich Buck zu Poppenreuth geliehen;... [1]

Aus diesem grundherrlichen Bezug erklärt sich, warum der Kirchweihschutz von der Domprobstei Bamberg ausging.

Hofbesitzer und Wirte bis zum Dreißigjährigen Krieg [2][Bearbeiten]

  • 1419 Götz Puck erhält als ‘‘Mannlehen‘‘ ein Viertel einer Hub (= Hof) zu Poppenreuth
  • 1438 Jakob Puck erhält als ‘‘Mannlehen‘‘ den Hof zu Poppenreuth, den er vom Vater Götz Puck ererbt hat (gibt als Zins ein Viertel einer Scheibe Salz).
  • 1443 Lienhardt Buck (aus Wetzendorf) erhält einen Hof zu Poppenreuth, den er von Jakob Puck gekauft hat.
  • 1460 Lienhardt Buck erhält als der älteste für sich und seine Brüder Peter und Hans den Hof am Kirchhof zu Poppenreuth mit „seiner Zugehörung als Mannlehen“.
  • 1468 Lienhardt Buck gibt den Zins aus dem Puckengut zu Walpurgis (= 30. April) und Michaelis (= 29. September).
  • 1471 Lienhardt Buck und Contz Buck, als Sohn des verstorbenen Peter Buck, erhalten als Mannlehen den Hof am Kirchhof zu Poppenreuth.
  • 1476 taucht beim Namen Buck zum ersten Mal der Begriff „Erbschenkstätte“ zu Poppenreuth auf.
  • 1494 geht dieser Hof mit der Schenkstätte auf Georg Buck über.
  • 1496 wird Hans Puck zu Wetzendorf mit dem Hof belehnt.
  • 1503 Heintz Puck zu Poppenreuth hat eine Schenkstatt als Mannlehen empfangen.
Im Jahr 1499 kommt es im „Roten Roß“ zu einem Totschlag nach einer Zechprellerei, die in den Malefizbüchern ihren Niederschlag fand [3].
  • 1517 Hans Puck zu Poppenreuth hat für sich und sein unmündigen Bruder Jörglein die Schenkstatt als Mannlehen empfangen und tritt damit das Erbe des verstorbenen Vaters Heintz Puck an.
  • 1524 während des Bauernkrieges kommt es zu einer Versammlung der aufständischen Bauern im „Roten Roß“ zu Poppenreuth am 1. Juni 1524.
  • 1534 wird die Gaststätte als Mannlehen durch den Dompropst Marquard von Stein des Lehenstifts Bamberg an Heinrich Buck vergeben [4]. Zwei Jahre später zahlt Jobst Buck als Zins fünf Eier und ein Feuerpfennig.
  • 1537 nach Jobst Bucks Tod wird die Schenkstätte zu Poppenreuth am Kirchhof den Vormündern der unmündigen Söhne Georg und Hans als Mannlehen verliehen. Die Schenk statt und das Gütlein waren zunächst als ‘‘heimgefallen‘‘ angesehen worden und von der Dompropstei dem Dombaumeister Wolfgang Spelt als Mannlehen ausgegeben worden. Dies wurde aber durch einen gütlichen Vergleich wieder rückgängig gemacht.
  • 1544 wird Hans Buck alleine mit der Schenkstatt belehnt, nachdem er den Anteil seines Bruders gekauft hatte. Der Bruder Georg Buck – ein Becher- und Kannengießer zu Fürth - war im Jahr zuvor gestorben.
  • 1567 Matthes Schönherlein kauft von den Erben des verstorbenen Hans Buck die Schenkstatt.
  • 1594 erbittet Matthes Schönherlein, dass die Schenkstatt, die bisher ein Mannlehen der Dompropstei Bamberg war, in ein Zinslehen umgewandelt wird. Bei allen Besitzveränderungen muss künftig ein Handlohn gezahlt werden, der 10 % des besitzwertes ausmacht. Außerdem gibt das bambergische Zinsbüchlein kund, dass der Dompropstei jährlich ein fl. (Gulden) in Gold, sowie eine Faßnachtshenne zu zahlen ist.
  • 1601 Hans Höfler kauft die Schenkstatt von den Erben Schönherleins.
  • 1614 Peter Höfler erbt die Schenkstatt von seinem Vater und verkauft sie im gleichen Jahr an Hans Paumann von Poppenreuth.
  • 1615 taucht im Salbuch (von 1615 – 1704 geführt) der Eintrag auf:
„ein Viertel eines Hofes, so ein Schenkstatt an der Kirchmauer gelegen, darauf zwei Wohnhäuser und ein Stadel, dazu gehörig 9 Morgen Feld und ein halb Tagwerk Wiesen sampt der Waldgerechtigkeit, Zins an die Dompropstei Bamberg 1 Gulden“
  • Im Dreißigjährigen Krieg brennt die Schankstätte mit dem ganzen Dorf Poppenreuth ab und blieb lange als Ruine liegen

Wirte nach dem Dreißigjährigen Krieg [5][Bearbeiten]

Das Wirtshaus "Zum Roten Roß" vor 1900
  • 1681 – 1684 gibt Conrad Nagel 10 kr. (Kreuzer) von 3 Morgen Feld nebst ein „Brandstättlein“ als Zins
  • 1684 Verkauf dieser Stücke an Peter Humbser
  • 1723 Valentin Hoffmann ist Wirt „Zum Roten Roß“ und besitzt den Viertelshof an der Kirchhofmauer. Er hat eine neue Behausung erbaut, dazu ein Stadel, Stallung, Backofen und eine ziemlich geräumige Hofreith mit einem Garten hinter dem Stadel.
  • 1736 neuer Besitzer wird Conrad Lederer durch Kauf - weitere Nennung 1785: Konrad Lederer [6].
  • 1792 wird das Wirtshaus „Zum Roten Roß“ Schauplatz der Mesnerverhaftung in Poppenreuth wegen des Trauergeläuts für Kaiser Leopold II.
  • 1801 Johann Nützelberger hat 1782 den Hof und die Schankstätte durch Heirat einer Lederertochter erworben. Das Wirtshaus wird in der Grundakte hinten als eingädig, vorne aber zweigädig beschrieben. Es hat nun 6 ¾ Morgen Feld, aber keine Wiese. Im Jahr 1802 will Nützelberger das Wirtshaus hinten bis an die Kirchhofmauer vergrößern, stösst aber auf Widerstand des Pfarrers, sodass aus dem Vorhaben nichts wird. [7]
  • 1829 Peter Nützelberger (auch: Nitzelberger) betreibt als Erbe das Wirtshaus „Zum Roten Roß“ bis mind. 1847[8].
  • 1919 Jean und Elise Zwingel.
  • 1935 - 1950 Elisabeth Behringer, Witwe (die Schankkonzession ruht). Der Wirtschaftsbetrieb wurde im Zweiten Weltkrieg eingestellt. Das Rote Roß hatte im ersten Stock einen Tanzsaal. Dieser wurde während des Zweiten Weltkriegs in etliche kleine Räume aufgeteilt und mit Stockbetten versehen. Hier wurden junge Frauen aus dem Elsass untergebracht, die in der Dynamit-Nobel arbeiteten [9]. Im Erdgeschoß war ein Burschenschaftstreff [10] von Studenten aus Erlangen, die durch den Sohn Hans Behringer - einem Theologiestudenten - nach Poppenreuth kamen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paulus Ewald, „Geschichte der Pfarrei Poppenreuth: von den ältesten Zeiten bis jetzt", 1831, Seite 72 - online abrufbar
  2. alle Angaben nach Werner Sprung: "Poppenreuther Hofgeschichten", o.J. - handgeschrieben, Archiv Rudi Pfann und Archiv St. Peter und Paul zu "alte Hausnummer 10", S. 1-5
  3. Aus dem andern Strafbuch Anno 1483 in: Specificatio auf eins Erbarn Raths zu Nürmberg articulirte Fäll ... die hohe fraißliche Oberkeit belangend, 1540, Seite 45 f online abrufbar
  4. Paulus Ewald: „Die Geschichte der Pfarrei Poppenreuth“ 1831, S. 72
  5. alle Angaben nach Werner Sprung: "Poppenreuther Hofgeschichten", o.J. - handgeschrieben, Archiv Rudi Pfann und Archiv St. Peter und Paul zu "alte Hausnummer 10", S. 6 - 8
  6. "Bestgegründete Ausführung der seit Jahrhunderten zwischen dem Hochstift und der Domprobstei Bamberg...", 1785, S. 93 - möglicherweise handelt es sich hier bereits um einen gleichnamigen Sohn
  7. 1824: J. Nizelberger in: "Allgemeines Intelligenz-Blatt der Stadt Nürnberg", 1824, S. 992
  8. Peter Nitzelberger in: "Fürther Tagblatt", 1838, S. 556; "Fürther Tagblatt", 25. März 1842, S. 308, "Fürther Tagblatt", 09.09.1843, "Fürther Tagblatt", 16. August 1844, "Fürther Tagblatt", 24.01.1845 und "Fürther Tagblatt", 10. Sep. 1847
  9. vermutlich aus dem "Arbeitsdienst" - Auskunft durch Ludwig Keusch am 20. August 2019.
  10. angeblich handelte es sich um eine schlagende Verbindung, die sich hier mensurierten - Auskunft durch Ludwig Keusch am 20. August 2019.

Bilder[Bearbeiten]