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Seit dem 26. November 1914 war Schmetzer in Fürth beheimatet, sodass er ab [[1915]] als Feldgeistlicher in die Heimat beordert wurde, um die 2. Pfarrstelle an St. Michael zu übernehmen. Seit dem 1. August [[1935]] bekleidete er dann die 1. Pfarrstelle an der gleichen Kirche bis zu seiner Ruhestandsversetzung [[1947]].<ref>Pfarrerkartei des Landeskirchlichen Archivs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern</ref> | Seit dem 26. November 1914 war Schmetzer in Fürth beheimatet, sodass er ab [[1915]] als Feldgeistlicher in die Heimat beordert wurde, um die 2. Pfarrstelle an St. Michael zu übernehmen. Seit dem 1. August [[1935]] bekleidete er dann die 1. Pfarrstelle an der gleichen Kirche bis zu seiner Ruhestandsversetzung [[1947]].<ref>Pfarrerkartei des Landeskirchlichen Archivs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern</ref> | ||
Gustav Schmetzer gründete gemeinsam mit [[Paul Fronmüller]] [[1917]] einen ''Kirchbauverein Fürth-West''. Diesem gelang es nach den Verzögerungen durch | Gustav Schmetzer gründete gemeinsam mit [[Paul Fronmüller]] [[1917]] einen ''Kirchbauverein Fürth-West''. Diesem gelang es nach den Verzögerungen durch den [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] und [[Inflation in Fürth 1914 - 1923|Inflation]] dann [[1925]] eine ehemalige Flugplatzbaracke als Notkirche [[Kirche St. Martin|St. Martin]] an der [[Wilhelmstraße]] zu errichten. | ||
Seine besondere Aufmerksamkeit richtete sich aber auf die ''Innere Mission'' (heute: [[Diakonisches Werk Fürth|''Diakonie'']]). Hervorzuheben ist dabei die Einrichtung einer gemeinnützigen Volksspeisung. Er gründete die evangelische Wohlfahrt in Fürth und das evangelische Winterhilfswerk. Bis zu seinem Tode am 26. April [[1956]] leitete er noch die ''[[Lehmus'sche Kinderbewahranstalt|Lehmus'sche Kinderbewahranstalt]]'', das Waisenhaus und die Wartstation. | Seine besondere Aufmerksamkeit richtete sich aber auf die ''Innere Mission'' (heute: [[Diakonisches Werk Fürth|''Diakonie'']]). Hervorzuheben ist dabei die Einrichtung einer gemeinnützigen Volksspeisung. Er gründete die evangelische Wohlfahrt in Fürth und das evangelische Winterhilfswerk. Bis zu seinem Tode am 26. April [[1956]] leitete er noch die ''[[Lehmus'sche Kinderbewahranstalt|Lehmus'sche Kinderbewahranstalt]]'', das [[Kinderheim St. Michael|Waisenhaus]] und die Wartstation. | ||
Auf dem [[Städtischer Friedhof|Städtischen Friedhof]] an der [[Erlanger Straße]] wurde er am 30. April [[1956]] bestattet. | Auf dem [[Städtischer Friedhof|Städtischen Friedhof]] an der [[Erlanger Straße]] wurde er am 30. April [[1956]] bestattet. | ||
== | ==Kriegschronik St. Michael== | ||
Eine 75-seitige maschinenschriftliche Abschrift der handschriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers Schmetzer liegt im Pfarramt von St. Michael vor. Eine Kopie dieser | Eine 75-seitige maschinenschriftliche Abschrift der handschriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers Schmetzer liegt im Pfarramt von St. Michael vor (→ Siehe [[Kriegschronik St. Michael]]). Eine Kopie dieser Aufzeichnungen wurde durch Dekan Jörg Sichelstiel mit diesen Ergänzungen dem [[Stadtarchiv]] Fürth übergeben. | ||
Inhalt der Chronik von Schmetzer ist im Wesentlichen eine Übernahme der [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|Nazi-Ideologie]] aus der NS-Propaganda, so z. B. zum „Heldenkampf“ der Wehrmacht, zur „Rasseerziehung“.<ref>Die deutsche Niederlage beschrieb Schmetzer mit den Worten: '' | Inhalt der Chronik von Schmetzer ist im Wesentlichen eine Übernahme der [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|Nazi-Ideologie]] aus der NS-Propaganda, so z. B. zum „Heldenkampf“ der Wehrmacht, zur „Rasseerziehung“.<ref>Die deutsche Niederlage beschrieb Schmetzer mit den Worten: ''„Gegen das Massenaufgebot an Menschen und Material konnten die Deutschen sich nicht behaupten. Die Deutschen leisteten an Opferfreudigkeit'' (sic!), ''Kampfeswillen, Arbeit, Tapferkeit, Zähigkeit Unerhörtes. Sie verbrachten herrliche Einzelleistungen z. B. die Einmann-Torpedoboote, aber mit Bravur allein wird kein Krieg gewonnen.“'' (→ Siehe Gustav Schmetzer: „Kriegschronik des Evangelisch-Lutherischen Pfarramts Fürth St. Michael vom Weltkrieg 1. September 1939 bis 1945 und der Nachkriegszeit bis 1950“, S. 36)</br> | ||
Im Zusammenhang mit der Beschreibung des | Das Attentat vom 20. Juli 1944 wertete Schmetzer als eine Verschwörung, die das Wanken der Front im Westen und Osten als Ergebnis hatte. (→ Siehe Gustav Schmetzer, S. 36)</br> | ||
Im Zusammenhang mit der Beschreibung des „Totalen Krieges“ nimmt sich Schmetzers Lamentation ''„Kirchenrat Schmetzer und Pfarrer Ammler mußten sich das ganze Jahr 1944 ohne Dienstmädchen durchschlagen, während [[Eduard Putz|Pfarrer Putz]] seiner Parteizugehörigkeit und seinen 3 Kindern es zu danken hatte, daß ihnen das Dienstmädchen gelassen wurde.“'' ziemlich grotesk aus. (→ Siehe Gustav Schmetzer: „Kriegschronik des Evangelisch-Lutherischen Pfarramts Fürth St. Michael vom Weltkrieg 1. September 1939 bis 1945 und der Nachkriegszeit bis 1950“, S. 38)</ref> Ebenfalls ist der Aufzeichnung zu entnehmen, dass er eine Abneigung gegenüber [[wikipedia:Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus|Zwangsarbeitern]] und den [[U.S. Army|Amerikanern]] hatte. Das bemängelte schon [[Barbara Ohm]] 1995 in ihrer Abhandlung „Fürth im Jahr 1945“ in den [[Fürther Geschichtsblätter|Fürther Heimatblättern]] des [[Geschichtsverein Fürth|Geschichtsvereins]]. Selbst in seinem Schlusswort der Chronik, die er fünf Jahre nach Kriegsende im Jahr 1950 schrieb, huldigte Schmetzer noch altem NS-Gedankengut. | |||
Schmetzers Verdienst war es jedoch, den Alltag und die außergewöhnlichen Vorgänge in Fürth während Krieg und Nachkriegszeit zu schildern, unter welchen Umständen die Fürther Bevölkerung all die Einschränkungen und Nöte während des Nationalsozialismus zu ertragen hatte und wie der Aufbau nach der „Stunde Null“ vonstatten ging - gespickt mit subjektiven Aussagen zu den [[Entnazifizierung in Fürth|Entnazifizierungsverfahren]] in der Nachkriegszeit. | Schmetzers Verdienst war es jedoch, den Alltag und die außergewöhnlichen Vorgänge in Fürth während Krieg-und Nachkriegszeit zu schildern<ref>beispielsweise eine ziemlich genaue Auflistung aller Flugalarme in Fürth, der kriegsbedingten Einschränkungen, sowie der Endphase des Krieges im Bereich der Altstadt um St. Michael</ref>, unter welchen Umständen die Fürther Bevölkerung all die Einschränkungen und Nöte während des Nationalsozialismus zu ertragen hatte und wie der Aufbau nach der „Stunde Null“ vonstatten ging - gespickt mit subjektiven Aussagen zu den [[Entnazifizierung in Fürth|Entnazifizierungsverfahren]] in der Nachkriegszeit. | ||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
* [[Kirche St. Michael]] | * [[Kirche St. Michael]] | ||
* [[Kriegschronik St. Michael]] | |||
* [[Eduard Putz]] | * [[Eduard Putz]] | ||
* [[Zweiter Weltkrieg]] | |||
* [[Kapitulation von Fürth]] | |||
* [[Entnazifizierung in Fürth|Entnazifizierung]] | |||
== Einzelnachweise == | ==Einzelnachweise== | ||
<references/> | <references/> | ||
== Bilder == | ==Bilder== | ||
{{Bilder dieser Person}} | {{Bilder dieser Person}} | ||
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|AMT=[[Pfarrer]] der Kirchengemeinde St. Michael Fürth|ZEIT= [[1935]] - [[1947]] | |AMT=[[Pfarrer]] der Kirchengemeinde St. Michael Fürth|ZEIT= [[1935]] - [[1947]] | ||
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