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'''Giorgio Pietro Fortunato Mulini''' (geb. [[18. April]] [[1878]] in Italien, gest. [[17. Juni]] [[1951]] in [[Fürth]]) war | '''Giorgio Pietro Fortunato Mulini''' (geb. [[18. April]] [[1878]] in Italien, gest. [[17. Juni]] [[1951]] in [[Fürth]]) war der erste Speiseeis-Verkäufer in der Stadt Fürth. | ||
==Familie/Stammbaum== | ==Familie/Stammbaum== | ||
[[Datei:Familie Mulini 1.jpg|mini|right|Familie Mulini im Jahr 1923]] | [[Datei:Familie Mulini 1.jpg|mini|right|Familie Mulini im Jahr 1923]] | ||
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Eine Besonderheit sei an dieser Stelle von den vier Kindern der Mulinis erwähnt: Bis etwa in die 1970er Jahre war es Gesetz, dass alle Kinder aus einer noch nicht geschlossenen Ehe mit dem Geburtsnamen der Mutter geboren wurden und eben nicht - wie später üblich - den aktuellen Namen der Mutter trugen. Nachdem die Ehe von Giorgio und Babette erst im Jahre 1926 geschlossen wurde und alle vier Kinder vorher geboren wurden, trugen alle Kinder den Geburtsnamen "Stadtmüller", der erst mit der Eheschließung kraft Gesetzes auf Mulini geändert wurde. | Eine Besonderheit sei an dieser Stelle von den vier Kindern der Mulinis erwähnt: Bis etwa in die 1970er Jahre war es Gesetz, dass alle Kinder aus einer noch nicht geschlossenen Ehe mit dem Geburtsnamen der Mutter geboren wurden und eben nicht - wie später üblich - den aktuellen Namen der Mutter trugen. Nachdem die Ehe von Giorgio und Babette erst im Jahre 1926 geschlossen wurde und alle vier Kinder vorher geboren wurden, trugen alle Kinder den Geburtsnamen "Stadtmüller", der erst mit der Eheschließung kraft Gesetzes auf Mulini geändert wurde. | ||
Babette Mulini gebar während der Ehen mit | Babette Mulini gebar während der Ehen mit Johann Friedrich Heinrich (Heinrich verstarb überraschend in jungen Jahren am 14. Juli 1911) und Giorgio Mulini insgesamt 16 Kinder. Viele der Kinder starben in den ersten Monaten. | ||
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Giorgio Mulini war der erste Eishersteller in Fürth. Sein Ruf als erster und einziger Eishersteller im Hinterhof seiner eigenen Häuser in der Wasserstraße 19 – 21 war legendär. Von Fürth und Nürnberg kamen die „Eishungrigen“ und erwarben das '''Mulini-Eis'''. Im Sommer führte sie ihr Weg oft weiter in das Fürther Flussbad. Den „alten Fürthern“ war jener „Italiener aus der Wasserstrass“ bis ins hohe Alter ein Begriff. Noch 70 Jahre nach seinem Tod hört man die Leute vom „Italiener aus der Wasserstrass´“ erzählen. Jene älteren Fürther berichteten von den riesigen Portionen Eis, die man vom Italiener aus der Wasserstrass´ "für a Zehnerla" bekam. Giorgio portionierte sein Eis großzügig mit einer Spachtel wie es in Italien üblich war. | Giorgio Mulini war der erste Eishersteller in Fürth. Sein Ruf als erster und einziger Eishersteller im Hinterhof seiner eigenen Häuser in der Wasserstraße 19 – 21 war legendär. Von Fürth und Nürnberg kamen die „Eishungrigen“ und erwarben das '''Mulini-Eis'''. Im Sommer führte sie ihr Weg oft weiter in das Fürther Flussbad. Den „alten Fürthern“ war jener „Italiener aus der Wasserstrass“ bis ins hohe Alter ein Begriff. Noch 70 Jahre nach seinem Tod hört man die Leute vom „Italiener aus der Wasserstrass´“ erzählen. Jene älteren Fürther berichteten von den riesigen Portionen Eis, die man vom Italiener aus der Wasserstrass´ "für a Zehnerla" bekam. Giorgio portionierte sein Eis großzügig mit einer Spachtel wie es in Italien üblich war. | ||
Giorgio war jener legendäre wie gleichsam | Giorgio war jener legendäre wie gleichsam charismatische '''Handelsmann''' (so seine eigene Berufsbezeichnung), der als erster (wohl in ganz Franken) das italienische Eis im Hinterhof seiner Häuser in der Wasserstraße anbot. Er verkaufte nicht nur selbst, sondern hatte einige Unterhändler, Wiederverkäufer und Standorte. Das „Gewerbe für die Anfertigung und Verkauf“ von Speiseeis hatte er am [[27. Mai]] [[1918]] beantragt und betrieb es bis zum [[17. Juni]] [[1951]] (Todesdatum). Der Gewerbebetrieb „Eis“ wurde von seiner Frau Babette übernommen und noch bis zum 20. Juni 1955 mit Tochter Marianna betrieben. Dann wurde das Gewerbe abgemeldet. | ||
Als Standardsorten des Mulini-Eises galten Schokolade, Vanille und Zitrone. Insbesondere die zahllosen Gäste des [[Flussbad]]es an der [[Rednitz]] kauften sich auf dem Weg zum Bad das Eis im Waffelhörnchen, das Mulini mit einem Spatel aus einem großen Behälter heraus schabte. Einen Kugelportionierer, wie sie heute verwendet werden, gab es zu dieser Zeit noch nicht. Für ein "Zehnerla" wurde meist großzügig das Eis verteilt, und nach Aussagen der Tochter Marinna Richter, gab es auch mal das Eis umsonst, wenn seine Kunden "knapp bei Kasse" waren. Das Speiseeis Mulinis wurde nicht nur von den Fürther Kunden geschätzt, es verschaffte ihm auch eine gewisse Bekanntheit über die Stadtgrenze hinaus. So kamen auch Nürnberger zu ihm, um sein Speiseeis zu essen. | Als Standardsorten des Mulini-Eises galten Schokolade, Vanille und Zitrone. Insbesondere die zahllosen Gäste des [[Flussbad]]es an der [[Rednitz]] kauften sich auf dem Weg zum Bad das Eis im Waffelhörnchen, das Mulini mit einem Spatel aus einem großen Behälter heraus schabte. Einen Kugelportionierer, wie sie heute verwendet werden, gab es zu dieser Zeit noch nicht. Für ein "Zehnerla" wurde meist großzügig das Eis verteilt, und nach Aussagen der Tochter Marinna Richter, gab es auch mal das Eis umsonst, wenn seine Kunden "knapp bei Kasse" waren. Das Speiseeis Mulinis wurde nicht nur von den Fürther Kunden geschätzt, es verschaffte ihm auch eine gewisse Bekanntheit über die Stadtgrenze hinaus. So kamen auch Nürnberger zu ihm, um sein Speiseeis zu essen. | ||
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Die Eisherstellung erfolgte in einer sich drehenden Schüssel, die mit Roheis gekühlt wurde. Neben dem Verkauf im Hinterhof der [[Wasserstraße]], wurde das Eis auch in der [[Erlanger Straße]] bei einem Händler vertrieben, den Mulini mit einem Leiterwagen belieferte. Um im Winter auch Einnahmen zu erzielen, besann sich Mulini offensichtlich seiner italienischen Wurzeln und fertigte in einer weiteren Hütte im Hinterhof Heiligenfiguren und Kruzifixe aus Gips an. Mit einem großen Rucksack und Leiterwagen "bewaffnet" lief Mulini anschließend in die Fränkische Schweiz, wo er die angefertigten Sachen vor Ort an die Bauern verkaufte. | Die Eisherstellung erfolgte in einer sich drehenden Schüssel, die mit Roheis gekühlt wurde. Neben dem Verkauf im Hinterhof der [[Wasserstraße]], wurde das Eis auch in der [[Erlanger Straße]] bei einem Händler vertrieben, den Mulini mit einem Leiterwagen belieferte. Um im Winter auch Einnahmen zu erzielen, besann sich Mulini offensichtlich seiner italienischen Wurzeln und fertigte in einer weiteren Hütte im Hinterhof Heiligenfiguren und Kruzifixe aus Gips an. Mit einem großen Rucksack und Leiterwagen "bewaffnet" lief Mulini anschließend in die Fränkische Schweiz, wo er die angefertigten Sachen vor Ort an die Bauern verkaufte. | ||
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==Tod== | ==Tod== | ||
[[Datei:Traueranzeige Giorgio Mulini.jpg|mini|right|Traueranzeige Giorgio Mulinis]] | [[Datei:Traueranzeige Giorgio Mulini.jpg|mini|right|Traueranzeige Giorgio Mulinis]] | ||
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* [[Eiscafe Dolomiti]] | * [[Eiscafe Dolomiti]] | ||
* [[Eiscafe Gondola]] | * [[Eiscafe Gondola]] | ||
* [[Paolo Cimarosa]] | |||
* [[Wasserstraße]] | * [[Wasserstraße]] | ||
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