Brauerei Humbser-Geismann: Unterschied zwischen den Versionen

Aus FürthWiki

(+ Geschäftsanschrift 1967)
 
(14 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
<!-- [[Wikipedia:Formatvorlage Band]] -->
{{Unternehmen
{| border="2" cellpadding="4" rules="all" style="float: right; margin-left: 1em; background: #f9f9f9; border: 1px solid #aaaaaa; border-collapse: collapse; border-spacing: 0px; font-size: 95%; empty-cells: show;"
|Gebäude=Tucherstraße 10
! colspan="2" style="background: #05BB05;" | Brauerei Humbser-Geismann
|Branche=Brauereien
|Gründungsdatum=1967/06/01
|Gesellschaftsform=ab [[1967]] AG; seit [[1971]] GmbH
|Ehemals=Nein
}}
{{Adresse
|Adressart=Geschäftsanschrift
|Straße=Tucherstraße
|Hausnummer=10
}}
{{Adresse
|Adressart=Geschäftsanschrift
|AdresseVon=1967
|Straße=Schwabacher Straße
|Hausnummer=106
|Kommentar=früher
}}
Die Fürther '''Brauerei Humbser-Geismann AG''' entstand [[1967]] durch die Verschmelzung der [[Brauerei Joh. Humbser|Brauerei Joh. Humbser AG]] und der [[Brauerei Geismann|Brauerei Geismann GmbH]], die sich zu diesem Zeitpunkt beide im Besitz der [[Gustav Schickedanz|Schickedanz-Gruppe]] befanden.
 
[[1972]] ging die Brauerei Humbser-Geismann in der Neugründung unter dem Namen [[Patrizier Bräu|Patrizier Bräu AG]] auf, die Firma Humbser-Geismann wurde in eine GmbH umgewandelt.
{{Abschnittsende}} <!-- Nicht hübsch, aber funzt. Problem: Man kann nicht 2 Bilder nebeneinander in die Faktenbox bringen :-( -->
{| style="float:right;"
|-
|-
| [[Bild:Humbser Logo.png|120px]] || [[Bild:Logo Brauerei Geismann Bierstern.jpg|100px]]
| [[Bild:Humbser Logo.png|120px]] || [[Bild:Logo Brauerei Geismann Bierstern.jpg|100px]]
|-
| Gründung: || [[1. Juni]] [[1967]]
|-
! colspan="2" style="background: #B1E3B1;" | Daten
|-
| Anschrift: || [[Tucherstraße]] 10
|-
| früher: || [[Schwabacher Straße|Schwabacher Str.]] 106
|-
| Gesellschaftsform: || ab [[1967]] AG
|-
| || seit xxxx GmbH
|}
|}
== Geschichte ==
[[Bild:Briefkopf Humbser IV.jpg|mini|right|Historischer Briefkopf der Brauerei von 1968]]
[[Bild:Briefkopf Humbser IV.jpg|mini|right|Historischer Briefkopf der Brauerei von 1968]]
Schickedanz hatte sich in den 1930er Jahren mit Hilfe der Dresdner Bank unter Filialdirektor [[Hans Böhner]], begünstigt durch die [[wikipedia:Weltwirtschaftskrise|Weltwirtschaftskrise]] und zu Lasten der überwiegend jüdischen Anteilseigner der Mehrheit an der Brauerei Geismann AG bemächtigt. Hierbei standen Vorwürfe der Börsenmanipulation gegen Schickedanz und die Dresdner Bank im Raum, die auch im Kontext der Entnazifizierungsverfahren gegen Gustav Schickedanz erneut aufgegriffen wurden, jedoch nach Ansicht der Spruchkammer als nicht (mehr) belegbar angesehen wurden.


Die Fürther '''Brauerei Humbser-Geismann AG''' entstand [[1967]] durch die Verschmelzung der [[Brauerei Joh. Humbser|Brauerei Joh. Humbser AG]] und der [[Brauerei Geismann|Brauerei Geismann GmbH]], die sich zu diesem Zeitpunkt beide im Besitz der [[Gustav Schickedanz|Schickedanz-Gruppe]] befanden.
Sowohl über die Geismann AG als auch direkt persönlich erlangte Schickedanz die Mehrheit an der Nürnberger Lederer-Brauerei. So erwarb er im Januar 1940 große Aktienpakete über die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank aus vormalig jüdischem Besitz und erzwang 1940 den Austausch des bisherigen Aufsichtsrats. Die Lederer Bräu AG ihrerseits war seit Mitte der 1930er Jahre Mehrheitseigner der Brauerei Joh. Humbser AG. Im April 1962 verkaufte die Familie Humbser ihre verbliebenen Anteile an Lederer.
 
[[1972]] ging die Brauerei Humbser-Geismann in der Neugründung unter dem Namen [[Patrizier Bräu|Patrizier Bräu AG]] auf.
 
== Geschichte ==
Schickedanz hatte sich in den 1930er Jahren mit Hilfe der Dresdner Bank und zu Lasten der überwiegend jüdischen Anteilseigner der Mehrheit an der Brauerei Geismann AG bemächtigt. Sowohl über die Geismann AG als auch direkt persönlich erlangte Schickedanz die Mehrheit an der Nürnberger Lederer-Brauerei. So erwarb er im Januar 1940 große Aktienpakete über die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank aus vormalig jüdischem Besitz. Die Lederer Bräu AG ihrerseits war Mehrheitseigner der Brauerei Joh. Humbser. Im April 1962 verkaufte die Familie Humbser ihre verbliebenen Anteile an Lederer.


1967 wurde die gesamte Produktion der Brauerei Geismann GmbH sowie der ''Gebr. Maisel GmbH'', Ansbach auf die Humbser-Braustätte übertragen. Mittels Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln wurde das Aktienkapital der ''Brauerei Joh. Humbser AG'' im Verhältnis 8:3 um 750 000 Mark erhöht und im Wege der Teilfusion das gesamte Bier- und Getränkegeschäft von Geismann als Sacheinlage durch Humbser übernommen. Geismann erhielt aus einer weiteren Kapitalerhöhung 750 000 DM neue Humbser-Aktien, so dass das Grundkapital der Gesellschaft von 2,0 auf 3,5 Millionen DM stieg. Gleichzeitg wurde die Firmierung in ''Brauerei Humbser-Geismann AG'' geändert.
1967 wurde die gesamte Produktion der Brauerei Geismann GmbH sowie der ''Gebr. Maisel GmbH'', Ansbach auf die Humbser-Braustätte übertragen. Mittels Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln wurde das Aktienkapital der ''Brauerei Joh. Humbser AG'' im Verhältnis 8:3 um 750 000 Mark erhöht und im Wege der Teilfusion das gesamte Bier- und Getränkegeschäft von Geismann als Sacheinlage durch Humbser übernommen. Geismann erhielt aus einer weiteren Kapitalerhöhung 750 000 DM neue Humbser-Aktien, so dass das Grundkapital der Gesellschaft von 2,0 auf 3,5 Millionen DM stieg. Gleichzeitg wurde die Firmierung in ''Brauerei Humbser-Geismann AG'' geändert. Die Verschmelzung trat mit Wirkung zum 1. Juni 1967 in Kraft. Vorstände waren Dr. Wilhelm Menzler ( Lederer ), Dr. Ulrich Ost ( Geismann ) und Günther Dettenhofer ( Humbser ). Aufsichtsratsvorsitzender wurde Hans Böhner.


[[1971]] machte die neue, vollelektronische Flaschenabfüllung der Humbser-Geismann als »größte und modernste Abfüllstraße der Welt» Schlagzeilen<ref name="FN134">Fürth erhält größte Abfüllstraße der Welt, Fürther Nachrichten vom 12.06.1971</ref>. Mit 20 Flaschen pro Sekunde, also einem Kasten Bier, gingen an der Schwabacher Straße maximal 72.000 Flaschen pro Stunde vom Band. Die Anlage kostete rund 3,5 Millionen DM.
[[1971]] machte die neue, vollelektronische Flaschenabfüllung der Humbser-Geismann als »größte und modernste Abfüllstraße der Welt» Schlagzeilen<ref name="FN134">Fürth erhält größte Abfüllstraße der Welt, Fürther Nachrichten vom 12.06.1971</ref>. Mit 20 Flaschen pro Sekunde, also einem Kasten Bier, gingen an der [[Schwabacher Straße]] maximal 72.000 Flaschen pro Stunde vom Band. Die Anlage kostete rund 3,5 Millionen DM.


Auch im Patrizier- und später Tucher-Konzern firmierte die Anlage an der Schwabacher Straße noch bis zur Stilllegung im Jahr 2008 als ''Braustätte Humbser-Geismann''.
Auch im Patrizier- und später Tucher-Konzern firmierte die Anlage an der Schwabacher Straße noch bis zur Stilllegung im Jahr 2008 als ''Braustätte Humbser-Geismann''.
Zeile 35: Zeile 42:
* Stefan Städtler-Ley: [[Fürther Bier (Buch)|Fürther Bier]], G&S, 2021, 208 S.
* Stefan Städtler-Ley: [[Fürther Bier (Buch)|Fürther Bier]], G&S, 2021, 208 S.


== Einzelnachweise ==
==Einzelnachweise==
<references/>
<references/>


== Siehe auch ==
==Siehe auch==
* [[Brauerei Geismann]]
* [[Brauerei Geismann]]
* [[Brauerei Humbser]]
* [[Brauerei Joh. Humbser]]
* [[Brauerei Tucher]]
* [[Brauerei Tucher]]


== Bilder ==
==Bilder==
{{Bilder dieses Unternehmens}}
{{Bilder dieses Unternehmens}}



Aktuelle Version vom 15. Januar 2026, 19:27 Uhr

Unternehmen
Brauerei Humbser-Geismann
Gebäude
Tucherstraße 10
Gründungsdatum
1. Juni 1967
Gesellschaftsform
ab 1967 AG; seit 1971 GmbH
Branche
Brauereien
Ehemals
Nein
 semantisches Browsen   Sem. Browsen

Die Fürther Brauerei Humbser-Geismann AG entstand 1967 durch die Verschmelzung der Brauerei Joh. Humbser AG und der Brauerei Geismann GmbH, die sich zu diesem Zeitpunkt beide im Besitz der Schickedanz-Gruppe befanden.

1972 ging die Brauerei Humbser-Geismann in der Neugründung unter dem Namen Patrizier Bräu AG auf, die Firma Humbser-Geismann wurde in eine GmbH umgewandelt.

Humbser Logo.png Logo Brauerei Geismann Bierstern.jpg

Geschichte

Historischer Briefkopf der Brauerei von 1968

Schickedanz hatte sich in den 1930er Jahren mit Hilfe der Dresdner Bank unter Filialdirektor Hans Böhner, begünstigt durch die Weltwirtschaftskrise und zu Lasten der überwiegend jüdischen Anteilseigner der Mehrheit an der Brauerei Geismann AG bemächtigt. Hierbei standen Vorwürfe der Börsenmanipulation gegen Schickedanz und die Dresdner Bank im Raum, die auch im Kontext der Entnazifizierungsverfahren gegen Gustav Schickedanz erneut aufgegriffen wurden, jedoch nach Ansicht der Spruchkammer als nicht (mehr) belegbar angesehen wurden.

Sowohl über die Geismann AG als auch direkt persönlich erlangte Schickedanz die Mehrheit an der Nürnberger Lederer-Brauerei. So erwarb er im Januar 1940 große Aktienpakete über die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank aus vormalig jüdischem Besitz und erzwang 1940 den Austausch des bisherigen Aufsichtsrats. Die Lederer Bräu AG ihrerseits war seit Mitte der 1930er Jahre Mehrheitseigner der Brauerei Joh. Humbser AG. Im April 1962 verkaufte die Familie Humbser ihre verbliebenen Anteile an Lederer.

1967 wurde die gesamte Produktion der Brauerei Geismann GmbH sowie der Gebr. Maisel GmbH, Ansbach auf die Humbser-Braustätte übertragen. Mittels Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln wurde das Aktienkapital der Brauerei Joh. Humbser AG im Verhältnis 8:3 um 750 000 Mark erhöht und im Wege der Teilfusion das gesamte Bier- und Getränkegeschäft von Geismann als Sacheinlage durch Humbser übernommen. Geismann erhielt aus einer weiteren Kapitalerhöhung 750 000 DM neue Humbser-Aktien, so dass das Grundkapital der Gesellschaft von 2,0 auf 3,5 Millionen DM stieg. Gleichzeitg wurde die Firmierung in Brauerei Humbser-Geismann AG geändert. Die Verschmelzung trat mit Wirkung zum 1. Juni 1967 in Kraft. Vorstände waren Dr. Wilhelm Menzler ( Lederer ), Dr. Ulrich Ost ( Geismann ) und Günther Dettenhofer ( Humbser ). Aufsichtsratsvorsitzender wurde Hans Böhner.

1971 machte die neue, vollelektronische Flaschenabfüllung der Humbser-Geismann als »größte und modernste Abfüllstraße der Welt» Schlagzeilen[1]. Mit 20 Flaschen pro Sekunde, also einem Kasten Bier, gingen an der Schwabacher Straße maximal 72.000 Flaschen pro Stunde vom Band. Die Anlage kostete rund 3,5 Millionen DM.

Auch im Patrizier- und später Tucher-Konzern firmierte die Anlage an der Schwabacher Straße noch bis zur Stilllegung im Jahr 2008 als Braustätte Humbser-Geismann.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Fürth erhält größte Abfüllstraße der Welt, Fürther Nachrichten vom 12.06.1971

Siehe auch

Bilder

Bilder als Galerie / Tabelle anzeigen, sortieren und filtern