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Die Fürther Arbeitsgruppe des Vereins beteiligte sich an den Vorbereitungen zur bundesweiten Anti-WAA-Demonstration in München und mobilisierte zur Teilnahme mit Plakaten und einer Unterschriftensammlung gegen die [[wikipedia:Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf|Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf]] (WAA) an einem Info-Stand. Die Unterschriften wurden an den Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Prof. Dr. Klaus Töpfer, gesandt. | Die Fürther Arbeitsgruppe des Vereins beteiligte sich an den Vorbereitungen zur bundesweiten Anti-WAA-Demonstration in München und mobilisierte zur Teilnahme mit Plakaten und einer Unterschriftensammlung gegen die [[wikipedia:Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf|Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf]] (WAA) an einem Info-Stand. Die Unterschriften wurden an den Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Prof. Dr. Klaus Töpfer, gesandt. | ||
[[Datei:Körperverstrahlung.JPG|thumb|Zeichnung von Barbara Petzold über die Wirkung von | [[Datei:Körperverstrahlung.JPG|thumb|Zeichnung von Barbara Petzold über die Wirkung von Nukliden am Beispiel eines Frauenkörpers]] | ||
Der Widerstand gegen die WAA wurde über drei Jahre zum ständigen Kampf der Mütter und ihrer Familien. Wer Zeit und Energie aufbringen konnte, beteiligte sich an den Demonstrationen, Andachten und Sonntagsspaziergängen am Bauzaun. Eine besondere Herausforderung war es, mitzuhelfen, 23 Tage lang die Halle in Neunburg vorm Wald zu füllen, wo die Einwendungen gegen die WAA erörtert wurden. Im Widerstand gegen die WAA fanden alte und neue Anti-Atom-Bewegung zusammen, getragen von den großen Umweltorganisationen mit ihrer ökologischen und juristischen Expertise. | Der Widerstand gegen die WAA wurde über drei Jahre zum ständigen Kampf der Mütter und ihrer Familien. Wer Zeit und Energie aufbringen konnte, beteiligte sich an den Demonstrationen, Andachten und Sonntagsspaziergängen am Bauzaun. Eine besondere Herausforderung war es, mitzuhelfen, 23 Tage lang die Halle in Neunburg vorm Wald zu füllen, wo die Einwendungen gegen die WAA erörtert wurden. Im Widerstand gegen die WAA fanden alte und neue Anti-Atom-Bewegung zusammen, getragen von den großen Umweltorganisationen mit ihrer ökologischen und juristischen Expertise. | ||
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Auf zahlreichen Veranstaltungen und an Infoständen waren zwei Visualisierungen von [[Barbara Petzold]] immer dabei: die Zeichnung einer nackten Frau in Lebensgröße, an welcher die Wirkung der verschiedenen Nuklide in den Organen und im Knochenbau sichtbar wurde, sowie ein Sparschwein mit den aktuellen Stromspartipps.<ref>Interview mit Gisela Hirth am 7. August 2025, Zeichnung nackte Frau in Anlehnung an ein Flugblatt von Giroblau</ref> | Auf zahlreichen Veranstaltungen und an Infoständen waren zwei Visualisierungen von [[Barbara Petzold]] immer dabei: die Zeichnung einer nackten Frau in Lebensgröße, an welcher die Wirkung der verschiedenen Nuklide in den Organen und im Knochenbau sichtbar wurde, sowie ein Sparschwein mit den aktuellen Stromspartipps.<ref>Interview mit Gisela Hirth am 7. August 2025, Zeichnung nackte Frau in Anlehnung an ein Flugblatt von Giroblau</ref> | ||
Nachdem Siemens/Interatom beim niedersächsischen Umweltministerium eine Genehmigung für einen standortunabhängigen Vorbescheid nach §7a AtG für ihren Bautyp HTR-Modul (Hochtemperatur-Reaktor) beantragt hatte, leisteten die zentralen und regionalen Arbeitsgruppen der Mütter gegen Atomkraft Aufklärungsarbeit über die Risiken dieser Technologie. 1989 referierte Dipl. Ing. Michael Sailer vom Öko-Institut Darmstadt auf Einladung der Mütter gegen Atomkraft im großen vollkommen gefüllten großen Saal des [[Berolzheimerianum]]s, der von der VHS zur Verfügung gestellt worden war.<ref>Kritik am Hochtemperaturreaktor-Modul. Noch störanfällig. Mütter gegen Atomkaraft warnen - bisheriges Zulassungsverfahren zu kurz - SPD-Initiative, in: Fürther Nachrichten, Druckausgabe, 20. Juli 1989.</ref> | |||
Am 31.Mai 1989 verkündete die „Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen“ den Baustopp in Wackersdorf. | |||
Das Schicksal der Kinder von Tschernobyl stand ab 1990 im Fokus der Arbeit der Mütter gegen Atomkraft. Alljährlich zum Tschernobyltag wurden von den zentralen und regionalen Arbeitsgruppen, darunter Fürth, Spenden gesammelt und an die Mütter gegen Atomkraft e.V. in München weitergeleitet, die in engem Kontakt mit dem Otto-Hug-Strahleninstitut die Hilfslieferungen organisierten. 1990 konnten die Mütter gegen Atomkraft e.V. mit 48000 DM die Finanzierung eines Messnetzes in der Ukraine, Russland und Weißrussland unterstützen und sich 1992 mit 70000 DM an der Errichtung eines Schilddrüsendiagnose- und Therapiezentrums in Gomel (Weißrussland) beteiligen.<ref>Große Aktion für die russischen GAU-Opfer. Aufruf zur Hilfe. Mütter gegen Atomkraft informieren in der Fußgängerzone - Kinder schwer betroffen. in: Fürther Nachrichten, Druckausgabe, 21./22. April 1990.</ref><ref>Spendenbericht der Mütter gegen Atomkraft e.V.</ref> | |||
1991 organisierte die regionale Arbeitsgruppe der Mütter gegen Atomkraft in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt einen Ferienaufenthalt für erholungsbedürftige Kinder aus der Region Aue. Dort litt die Bevölkerung unter Umweltbelastungen und erhöhter Radioaktivität als Folge des Uranabbaus durch [[wikipedia:Wismut (Unternehmen)|Wismut]]. | |||
1991 und 1992 beschäftigte die regionale Arbeitsgruppe das Thema plutoniumhaltige Mischoxidbrennelemente (MOX-Brennelemente), die in den Atomkraftwerken Gundremmmingen B und C eingesetzt werden sollten.<ref>Fürths "Mütter gegen Atomkraft" mobilisieren Widerstand. Mischoxid macht Angst. Die Risiken der Mox-Brennelemente werden im Vortrag erläutert, in: Fürther Nachrichten, Druckausgabe, 14.Dezember 1992.</ref> | |||
Um die Jahrtausendwende wurden zwei Themen diskutiert: | |||
Erstens der Forschungsreaktor FRM II in Garching – der erste Reaktorbau in Deutschland seit der Katastrophe von Tschernobyl. Er stand wegen des hochangereicherten Urans von Anfang an in der Kritik.<ref>Castor Transporte quer durch Deutschland. Vom Reaktor in Garching sollen hochradioaktive Abfälle nach Ahaus befördert werden, in: Fürther Nachrichten, Druckausgabe, 26.August 2025.</ref> | |||
Zweitens der Atomausstieg im Jahr 2000 unter der Regierung Schröder Fischer. | |||
Die regionale Arbeitsgruppe verfasste z.B. ein Protestschreiben an die Landtagsabgeordnete Renate Schmidt. | |||
Am 24.04.2010 protestierten 100.000 Atomkraftgegner in Hamburg und bildeten eine Menschenkette zwischen den Reaktoren Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel. Mütter gegen Atomkraft, auch aus Fürth, waren dabei. Im Herbst 2010 war der von Rot/Grün beschlossene Atomausstieg von der Regierung Merkel wieder zurückgenommen worden. Erst als nach der atomaren Katastrophe von Fukushima am 11. März 2011 in Folge eines schweren Erdbebens die Proteste gegen den Betrieb von Atomkraftwerken auch in | |||
Deutschland nicht mehr nachließen, wurde der Atomausstieg am 30. Juni 2011 erneut beschlossen. | |||
== Kooperationen == | == Kooperationen == | ||
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