Ludwigskanal: Unterschied zwischen den Versionen

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|Bild=Bildermappe 1909 (141).jpg
|Bild=Bildermappe 1909 (141).jpg
|Gewässerstellung=Fließgewässer
|Gewässerstellung=Fließgewässer
|Gewässerstatus=aufgelassen, überbaut
|GewässerRegimetyp=trocken
|Gewässer wasserführend=trockengelegt
|Gewässerursprung=künstlich
|Gewässerursprung=künstlich
|Stadtteil=Stadtgrenze, Poppenreuth, Ronhof, Kronach, Steinach, Herboldshof, Nordstadt, Espan
|Stadtteil=Stadtgrenze; Poppenreuth; Ronhof; Kronach; Steinach; Herboldshof; Nordstadt; Espan
|Gewässerquelle=Nahe Stadtgrenze
|Gewässerquelle=Stadtgrenze
|Gewässermündung=Nahe Kleingründlach
|Gewässermündung=Kleingründlach
|Gewässerlänge Stadtgebiet=8,0
|GewässerlängeStadtgebiet=8,0
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Der Ludwigskanal ist der Vorläufer des heutigen [[Main-Donau-Kanal]]s, auch wenn er wesentlich kleiner dimensioniert und nur für die Treidelschifffahrt ausgelegt war. Er führte auch durch heutiges Fürther Stadtgebiet, von [[Kronach]] an [[Ronhof]] und [[Poppenreuth]] vorbei zur [[Stadtgrenze]] an der [[Nürnberger Straße]].
Der Ludwigskanal ist der Vorläufer des heutigen [[Main-Donau-Kanal]]s, auch wenn er wesentlich kleiner dimensioniert und nur für die Treidelschifffahrt ausgelegt war. Er führte auch durch heutiges Fürther Stadtgebiet, von [[Kronach]] an [[Ronhof]] und [[Poppenreuth]] vorbei zur [[Stadtgrenze]] an der [[Nürnberger Straße]].
__TOC__
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== Der Ludwigskanal in Fürth ==
== Der Ludwigskanal in Fürth ==
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In den Annalen wurden für das Fürther Gebiet auch Dammbrüche vermeldet. Der erste brach bereits am 21. Juni 1843 bei Poppenreuth, nach einem starken Regen, der auf den noch nicht ganz festen Damm traf.<ref>Lothar Schnabel: Die Stadt Fürth und der Ludwigs-Donau-Main-Kanal. Fürther Heimatblätter, 1968/1, S. 8</ref> [[Georg Tobias Christoph II. Fronmüller|Fronmüller]] berichtete für das Jahr 1871: ''„Sonntag Nachmittag, den 25. Juni, wurden durch strömende Regengüsse und fürchterliches Unwetter die Gewässer des Ludwigskanals auf solcher Höhe gesteigert, daß sie gegen Mitternacht an mehreren Stellen zwischen Nürnberg und Fürth die Dämme durchbrachen und die umliegenden Saatfelder weithin überschwemmten. So wurde zwischen Schleuse 79 und 80 in der Nähe der [[Fürther Kreuzung]] ... das Gewölbe der Eisenbahnbrücke so unterwühlt, daß die Züge diese Stelle nicht mehr passiren durften. Der völlige Einsturz erfolgte am Morgen des folgenden Tages.“''<ref>[[Chronik der Stadt Fürth 1872 (Buch)|Fronmüllerchronik]] erschienen 1872</ref>
In den Annalen wurden für das Fürther Gebiet auch Dammbrüche vermeldet. Der erste brach bereits am 21. Juni 1843 bei Poppenreuth, nach einem starken Regen, der auf den noch nicht ganz festen Damm traf.<ref>Lothar Schnabel: Die Stadt Fürth und der Ludwigs-Donau-Main-Kanal. Fürther Heimatblätter, 1968/1, S. 8</ref> [[Georg Tobias Christoph II. Fronmüller|Fronmüller]] berichtete für das Jahr 1871: ''„Sonntag Nachmittag, den 25. Juni, wurden durch strömende Regengüsse und fürchterliches Unwetter die Gewässer des Ludwigskanals auf solcher Höhe gesteigert, daß sie gegen Mitternacht an mehreren Stellen zwischen Nürnberg und Fürth die Dämme durchbrachen und die umliegenden Saatfelder weithin überschwemmten. So wurde zwischen Schleuse 79 und 80 in der Nähe der [[Fürther Kreuzung]] ... das Gewölbe der Eisenbahnbrücke so unterwühlt, daß die Züge diese Stelle nicht mehr passiren durften. Der völlige Einsturz erfolgte am Morgen des folgenden Tages.“''<ref>[[Chronik der Stadt Fürth 1872 (Buch)|Fronmüllerchronik]] erschienen 1872</ref>
[[Paul Käppner|Käppner]] schilderte ein weiteres Schadensereignis vom 22. März 1896: ''„Gestern abend fand ein Dammbruch des Donau-Main-Kanals bei Schleuse 81 nahe Kronach statt, wodurch Felder usw. auf weite Strecken überschwemmt wurden; das Wasser an dortiger Stelle im Kanal sank um 1 Meter. Man nimmt an, daß der Bruch durch Feldmäuse, welche den Damm unterwühlten, herbeigeführt wurde. Auf den Wiesen lagen Hunderte von toten Fischen.“''<ref>[[Käppner-Chronik Teil 1 (Buch)|Käppner-Chronik Teil 1]]</ref>
[[Paul Käppner|Käppner]] schilderte ein weiteres Schadensereignis vom 22. März 1896: ''„Gestern abend fand ein Dammbruch des Donau-Main-Kanals bei Schleuse 81 nahe Kronach statt, wodurch Felder usw. auf weite Strecken überschwemmt wurden; das Wasser an dortiger Stelle im Kanal sank um 1 Meter. Man nimmt an, daß der Bruch durch Feldmäuse, welche den Damm unterwühlten, herbeigeführt wurde. Auf den Wiesen lagen Hunderte von toten Fischen.“''<ref>[[Käppner-Chronik Teil 1 (Buch)|Käppner-Chronik Teil 1]]</ref>
14. Juni [[1911]] ''Der Magistrat nimmt an einer Probefahrt auf dem ersten motorisierten Handelsboot auf den Ludwigs-Kanal. Man erzielte eine Geschwindigkeit von bis zu 6 Km. die Stunde, während bei der bisherigen Schleppung mittels Pferde höchsten 2 bis 2 1/2 erreicht werden könne.'' <ref>[[Paul Rieß]]-Chronik 1911 (Überarbeitung Alexander Mayer)</ref>


Der Kanal ist vor allem als Naherholungsgebiet in die Fürther Erinnerung eingegangen. Die himmlische Ruhe, die an seinen Ufern herrschte, zog viele Fürther zum Baden oder im Winter zum Schlittschuhfahren an. Auch die „Kanalbirnen“ und die holzigen Äpfel der zahlreichen Obstbäume an den Kanalufern haben sich in der Erinnerung gehalten. Die Kanalmeister waren auch für die jährliche Versteigerung der ca. 40&nbsp;000 Kanalobstbäume zuständig. Ein Baum wurde zwischen 1 und 4 Mark (Preisstand 1934) an den Meistbietenden versteigert, der dann sofort das Obst pflückte und mittels Leiterwagen abtransportierte. Denn die „Kanalbirnen“ und „Kanaläpfel“ erfreuten sich schon im halbreifen Zustand einer allzu großen Beliebtheit der streunenden Ferienjugend.<ref>[[Nordbayerische Zeitung]] vom 24. Juli 1934</ref>
Der Kanal ist vor allem als Naherholungsgebiet in die Fürther Erinnerung eingegangen. Die himmlische Ruhe, die an seinen Ufern herrschte, zog viele Fürther zum Baden oder im Winter zum Schlittschuhfahren an. Auch die „Kanalbirnen“ und die holzigen Äpfel der zahlreichen Obstbäume an den Kanalufern haben sich in der Erinnerung gehalten. Die Kanalmeister waren auch für die jährliche Versteigerung der ca. 40&nbsp;000 Kanalobstbäume zuständig. Ein Baum wurde zwischen 1 und 4 Mark (Preisstand 1934) an den Meistbietenden versteigert, der dann sofort das Obst pflückte und mittels Leiterwagen abtransportierte. Denn die „Kanalbirnen“ und „Kanaläpfel“ erfreuten sich schon im halbreifen Zustand einer allzu großen Beliebtheit der streunenden Ferienjugend.<ref>[[Nordbayerische Zeitung]] vom 24. Juli 1934</ref>
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=== Brückkanal Doos ===
=== Brückkanal Doos ===
Ein markantes Bauwerk war - noch auf Fürther Territorium, aber nach dem Nachbarort benannt (1899 zu Nürnberg eingemeindet) - der '''Brückkanal Doos''', der den Ludwigskanal an der sogenannten „Dooser Enge“ über die [[Pegnitz]] führte. Diese Kanalbrücke wurde [[1839]] vom Fürther Mauermeister [[Johann Heinrich Jordan|Jordan]] für 32&nbsp;063 Gulden 52 Kreuzer erbaut; für die gute Ausführung des Bauwerks erhielt er eine Belobigung.<ref>Lothar Schnabel: Die Stadt Fürth und der Ludwigs-Donau-Main-Kanal. Fürther Heimatblätter, 1968/1, S. 7</ref> Ursprünglich wurde die Kanalbrücke mit nur einem Gewölbebogen errichtet, aber aufgrund des Hochwassers 1909 sah man sich veranlasst, die Abflussengstelle zu entschärfen. So wurde der Brückkanal Doos von Mai [[1913]] bis Juni [[1914]] mit Anbau eines zweiten Brückenbogens an dessen Nordkopf von 18 auf 41 Meter verlängert.<ref>ausführlicher Bericht, siehe „[[Paul Rieß#Rieß-Chronik|Rieß-Chronik]]“ Jahrgang 1913 und 1914 bei Hans Grüner - [http://www.hansgruener.de/word_d/kanal/brueckkanal_erweiterung_1913.pdf online]</ref>
Ein markantes Bauwerk war - noch auf Fürther Territorium, aber nach dem Nachbarort benannt (1899 zu Nürnberg eingemeindet) - der '''Brückkanal Doos''', der den Ludwigskanal an der sogenannten „Dooser Enge“ über die [[Pegnitz]] führte. Diese Kanalbrücke wurde [[1839]] vom Fürther Mauermeister [[Johann Heinrich Jordan|Jordan]] für 32&nbsp;063 Gulden 52 Kreuzer erbaut; für die gute Ausführung des Bauwerks erhielt er eine Belobigung.<ref>Lothar Schnabel: Die Stadt Fürth und der Ludwigs-Donau-Main-Kanal. Fürther Heimatblätter, 1968/1, S. 7</ref> Ursprünglich wurde die Kanalbrücke mit nur einem Gewölbebogen errichtet, aber aufgrund des Hochwassers 1909 sah man sich veranlasst, die Abflussengstelle zu entschärfen. So wurde der Brückkanal Doos von Mai [[1913]] bis Juni [[1914]] mit Anbau eines zweiten Brückenbogens an dessen Nordkopf von 18 auf 41 Meter verlängert.<ref>ausführlicher Bericht, siehe „[[Paul Rieß#Rieß-Chronik|Rieß-Chronik]]“ Jahrgang 1913 und 1914 bei Hans Grüner - [http://www.hansgruener.de/word_d/kanal/brueckkanal_erweiterung_1913.pdf online]</ref>
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=== Fürther Hafen ===
=== Fürther Hafen ===
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Obwohl der Kanalhafen auf Poppenreuther Gebiet lag, brachte er aber dem Dorf [[Poppenreuth]] keinerlei Vorteile, da Gemüse auf Fuhrwerken in die Städte Fürth und Nürnberg gebracht und nicht auf Lastkähne verladen wurde. Für die Stadt Fürth dagegen lag der Hafen eine 1/2 Stunde Gehweg entfernt.  
Obwohl der Kanalhafen auf Poppenreuther Gebiet lag, brachte er aber dem Dorf [[Poppenreuth]] keinerlei Vorteile, da Gemüse auf Fuhrwerken in die Städte Fürth und Nürnberg gebracht und nicht auf Lastkähne verladen wurde. Für die Stadt Fürth dagegen lag der Hafen eine 1/2 Stunde Gehweg entfernt.  
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== Schlagrahmdampfer ==
== Schlagrahmdampfer ==
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Das Ende der Schlagrahmdampfer kündigte sich [[1932]] an, als erste Pläne für eine Autostraße auf der Trasse des Kanals und für den Bau eines neuen Kanals aufkamen. Durch die politischen Entwicklungen verzögerten sich diese Pläne und die Schlagrahmdampfer fuhren bis Kriegsbeginn weiter. Schließlich mussten die Fahrten als „nicht kriegswichtig“ eingestellt werden, da kein Treibstoff mehr zur Verfügung stand. Die Boote wurden in Kronach eingemottet in der Hoffnung, die Fahrten nach dem Krieg wieder aufnehmen zu können. Diese Hoffnungen zerschlugen sich und so versuchte die Familie Weigel, die Boote [[1944]] zu verkaufen. Während die „Hansi“ in Kronach noch im Kriegsjahr 1944 ausgeschlachtet und verschrottet wurde, wurden „Karl“ und „Antonia“ kurz nach dem Krieg an ein Taucherunternehmen nach Bremerhaven<ref>Herbert Liedel, Helmut Dollhopf: „Der alte Kanal - damals und heute“. Stürtz Verlag, Würzburg, 1981, S. 32</ref> verkauft. Weit kam die „Antonia“ jedoch nicht, denn während der Überführungsfahrt gab sie bereits bei Schleuse 84 bei Eltersdorf (Erlangen) den Geist auf.
Das Ende der Schlagrahmdampfer kündigte sich [[1932]] an, als erste Pläne für eine Autostraße auf der Trasse des Kanals und für den Bau eines neuen Kanals aufkamen. Durch die politischen Entwicklungen verzögerten sich diese Pläne und die Schlagrahmdampfer fuhren bis Kriegsbeginn weiter. Schließlich mussten die Fahrten als „nicht kriegswichtig“ eingestellt werden, da kein Treibstoff mehr zur Verfügung stand. Die Boote wurden in Kronach eingemottet in der Hoffnung, die Fahrten nach dem Krieg wieder aufnehmen zu können. Diese Hoffnungen zerschlugen sich und so versuchte die Familie Weigel, die Boote [[1944]] zu verkaufen. Während die „Hansi“ in Kronach noch im Kriegsjahr 1944 ausgeschlachtet und verschrottet wurde, wurden „Karl“ und „Antonia“ kurz nach dem Krieg an ein Taucherunternehmen nach Bremerhaven<ref>Herbert Liedel, Helmut Dollhopf: „Der alte Kanal - damals und heute“. Stürtz Verlag, Würzburg, 1981, S. 32</ref> verkauft. Weit kam die „Antonia“ jedoch nicht, denn während der Überführungsfahrt gab sie bereits bei Schleuse 84 bei Eltersdorf (Erlangen) den Geist auf.
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== Das Ende des Kanals und heutiger Zustand ==
== Das Ende des Kanals und heutiger Zustand ==
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Ein kleines, etwa ein Kilometer langes Teilstück im Ortsteil Ronhof ist vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Bodendenkmal (D-5-6531-0193) ausgewiesen. Nur dort weicht die Trasse des Kanals auf Fürther Gebiet von jener des heutigen Frankenschnellweges ab.<ref>Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Bau- und Bodendenkmäler in der Stadt Fürth, S. 231 (Stand: 28.03.2019) - [http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_563000.pdf Denkmalliste online]</ref><ref>Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Stand: 29.05.2025) - [https://geoportal.bayern.de/denkmalatlas/searchResult.html?objtyp=boden&koid=980966 DenkmalAtlas (BayernAtlas)]</ref>
Ein kleines, etwa ein Kilometer langes Teilstück im Ortsteil Ronhof ist vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Bodendenkmal (D-5-6531-0193) ausgewiesen. Nur dort weicht die Trasse des Kanals auf Fürther Gebiet von jener des heutigen Frankenschnellweges ab.<ref>Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Bau- und Bodendenkmäler in der Stadt Fürth, S. 231 (Stand: 28.03.2019) - [http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_563000.pdf Denkmalliste online]</ref><ref>Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Stand: 29.05.2025) - [https://geoportal.bayern.de/denkmalatlas/searchResult.html?objtyp=boden&koid=980966 DenkmalAtlas (BayernAtlas)]</ref>
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== Literatur ==
== Literatur ==
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