Herbert Hautmann: Unterschied zwischen den Versionen

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Herbert Hautmann wurde im Mai 1934 in Eger geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er dort als Ministrant und Gymnasiast. Wie viele Jungen seiner Generation war er – ohne eigenes Zutun – auch Mitglied der Hitlerjugend. Eine prägende Erinnerung aus dieser Zeit war eine heimliche Unterrichtsstunde von Patres, die nach dem Gottesdienst anhand eines Globus über den Kriegsverlauf sprachen. Als der junge Herbert davon zu Hause erzählte, reagierte seine Mutter erschrocken und warnte ihn eindringlich vor möglichen Konsequenzen.
Herbert Hautmann wurde im Mai 1934 in Eger geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er dort als Ministrant und Gymnasiast. Wie viele Jungen seiner Generation war er – ohne eigenes Zutun – auch Mitglied der Hitlerjugend. Eine prägende Erinnerung aus dieser Zeit war eine heimliche Unterrichtsstunde von Patres, die nach dem Gottesdienst anhand eines Globus über den Kriegsverlauf sprachen. Als der junge Herbert davon zu Hause erzählte, reagierte seine Mutter erschrocken und warnte ihn eindringlich vor möglichen Konsequenzen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Eger ab. Ab Dezember 1945 verdichteten sich die Gerüchte. Der Vater, Schuhmachermeister von Beruf, begann vorsorglich, Habseligkeiten und Leder heimlich über die Grenze nach Schirnding zu Verwandten zu bringen. Herbert und seine Schwester Leni trugen mehrfach schwer beladene Rucksäcke über mehr als elf Kilometer durch den Wald. Dabei wurden sie zweimal von tschechischen Grenzsoldaten aufgegriffen. Beim zweiten Mal wurde der Jugendliche schwer misshandelt und trug langanhaltende Verletzungen davon.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Eger ab. Ab Dezember 1945 verdichteten sich die Gerüchte. Der Vater, Schuhmachermeister von Beruf, begann vorsorglich, Habseligkeiten und Leder heimlich über die Grenze nach Schirnding zu Verwandten zu bringen. Herbert und seine Schwester Leni trugen mehrfach schwer beladene Rucksäcke über mehr als elf Kilometer durch den Wald. Dabei wurden sie zweimal von tschechischen Grenzsoldaten aufgegriffen. Beim zweiten Mal wurde der Jugendliche schwer misshandelt und trug langanhaltende Verletzungen davon.
Im Frühjahr 1946 wurde die Familie mit vier Kindern endgültig vertrieben. Sie kam nach Sulzbach bei Regensburg und lebte dort zunächst in primitiven Baracken. Die Großmutter, die ihre Heimat nicht verlassen wollte, starb bald nach der Ankunft.
Im Frühjahr 1946 wurde die Familie mit vier Kindern endgültig vertrieben. Sie kam nach Sulzbach bei Regensburg und lebte dort zunächst in primitiven Baracken. Die Großmutter, die ihre Heimat nicht verlassen wollte, starb bald nach der Ankunft.
Das erste Weihnachtsfest in der neuen Umgebung blieb ihm besonders in Erinnerung: ein kleiner Baum mit Zeitungsschnipseln als Schmuck, Stockfisch zum Mittagessen, keine Geschenke – aber gemeinsames Singen und Musizieren. Diese Erfahrung von Zusammenhalt und Glauben prägte ihn nachhaltig.
Das erste Weihnachtsfest in der neuen Umgebung blieb ihm besonders in Erinnerung: ein kleiner Baum mit Zeitungsschnipseln als Schmuck, Stockfisch zum Mittagessen, keine Geschenke – aber gemeinsames Singen und Musizieren. Diese Erfahrung von Zusammenhalt und Glauben prägte ihn nachhaltig.
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