Johann Paulus: Unterschied zwischen den Versionen

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Statt unmittelbar das Studium aufzunehmen, meldete sich Paulus am 1. Oktober 1897 als Einjährig-Freiwilliger beim Königlich Bayerischen 19. Infanterieregiment „König Humbert I. von Italien“ in Erlangen. Er diente in der 7. Kompanie und wurde am 1. April 1898 zum Gefreiten, am 30. September 1898 zum Unteroffizier befördert. Mit der Entlassung in die Reserve erhielt er das Befähigungszeugnis zum Reserveoffizier.
Statt unmittelbar das Studium aufzunehmen, meldete sich Paulus am 1. Oktober 1897 als Einjährig-Freiwilliger beim Königlich Bayerischen 19. Infanterieregiment „König Humbert I. von Italien“ in Erlangen. Er diente in der 7. Kompanie und wurde am 1. April 1898 zum Gefreiten, am 30. September 1898 zum Unteroffizier befördert. Mit der Entlassung in die Reserve erhielt er das Befähigungszeugnis zum Reserveoffizier.
Während seines Studiums wurde er mehrfach zu Pflichtübungen einberufen. 1900 bestand er die Offiziersprüfung und wurde zum Vizefeldwebel befördert. Am 14. Mai 1902 erfolgte seine Ernennung zum Leutnant der Reserve im Königlich Bayerischen 19. Infanterieregiment „König Viktor Emanuel III. von Italien“.
Während seines Studiums wurde er mehrfach zu Pflichtübungen einberufen. 1900 bestand er die Offiziersprüfung und wurde zum Vizefeldwebel befördert. Am 14. Mai 1902 erfolgte seine Ernennung zum Leutnant der Reserve im Königlich Bayerischen 19. Infanterieregiment „König Viktor Emanuel III. von Italien“.
Parallel dazu absolvierte Paulus seine juristische Ausbildung. Am 23. Juli 1901 bestand er das Erste Juristische Staatsexamen. Nach Stationen als Rechtspraktikant unter anderem am Amtsgericht Erlangen, am Landgericht Nürnberg sowie in Fürth legte er im Dezember 1904 das Zweite Staatsexamen (Juristischer Staatskonkurs) ab. Am 11. Mai 1905 wurde er als Rechtsanwalt beim Landgericht Fürth zugelassen.
Parallel dazu absolvierte Paulus seine juristische Ausbildung. Am 23. Juli 1901 bestand er das Erste Juristische Staatsexamen. Nach Stationen als Rechtspraktikant unter anderem am Amtsgericht Erlangen, am Landgericht Nürnberg sowie in Fürth legte er im Dezember 1904 das Zweite Staatsexamen (Juristischer Staatskonkurs) ab. Am 11. Mai 1905 wurde er als Rechtsanwalt beim Landgericht Fürth zugelassen.
Am 20. September 1911 wurde er von Prinzregent Luitpold zum Oberleutnant der Landwehr (1. Aufgebot) befördert. Am 2. Januar 1913 gründete er gemeinsam mit Justizrat Leonhard Dorsch eine Rechtsanwaltskanzlei in Fürth.
Am 20. September 1911 wurde er von Prinzregent Luitpold zum Oberleutnant der Landwehr (1. Aufgebot) befördert. Am 2. Januar 1913 gründete er gemeinsam mit Justizrat Leonhard Dorsch eine Rechtsanwaltskanzlei in Fürth.
== Erster Weltkrieg ==
== Erster Weltkrieg ==
Mit der Generalmobilmachung vom 1. August 1914 rückte Paulus als Oberleutnant der Landwehr an die Westfront aus. Er nahm unter anderem an der Schlacht bei Étain, den Kämpfen bei Vaubecourt-Fleury, der Schlacht bei Verdun (Cheppy–Vauquois) sowie an langjährigen Stellungskämpfen im Wald von Malancourt und in Lothringen teil.
Mit der Generalmobilmachung vom 1. August 1914 rückte Paulus als Oberleutnant der Landwehr an die Westfront aus. Er nahm unter anderem an der Schlacht bei Étain, den Kämpfen bei Vaubecourt-Fleury, der Schlacht bei Verdun (Cheppy–Vauquois) sowie an langjährigen Stellungskämpfen im Wald von Malancourt und in Lothringen teil.
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== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
* [[Amtsgericht]]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==

Version vom 17. Februar 2026, 22:47 Uhr

Person
Johann Paulus
Vorname
Hans
Nachname
Paulus
Geschlecht
männlich
Abw. Name
Johann P.
Geburtsdatum
28. Mai 1879
Geburtsort
Erlangen
Todesdatum
1. Juni 1964
Todesort
Fürth
Beruf
Rechtsanwalt
Religion
römisch-katholisch
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Johann („Hans“) Paulus (geb. 28. Mai 1879 in Erlangen; gest. 1. Juni 1964 in Fürth) war ein deutscher Rechtsanwalt, Justizrat und Offizier der Königlich Bayerischen Armee. Er nahm als Hauptmann am Ersten Weltkrieg teil und prägte über Jahrzehnte das Vereinsleben der katholischen Studentenverbindung KDStV Gothia Erlangen.

Herkunft und Ausbildung

Johann (Hans) Paulus wurde als erstes von vier Kindern des Handschuhmachers Christof Paulus und dessen Ehefrau Barbara, geb. Schmidt, in Erlangen geboren. Er wurde katholisch erzogen und am 8. Juni 1879 in der elterlichen Wohnung in der Gerberei 4 getauft. Nach dem Besuch der Grundschule trat er am 26. September 1888 in die damalige „Königlich Bayerische Studienanstalt“ in Erlangen ein, das spätere Gymnasium Fridericianum Erlangen. Dort legte er am 14. Juli 1897 das Abitur ab und immatrikulierte sich für das Studium der Rechtswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Am selben Tag wurde er bei der Burschenschaft Gothia rezipiert.

Militärische Laufbahn bis 1914

Statt unmittelbar das Studium aufzunehmen, meldete sich Paulus am 1. Oktober 1897 als Einjährig-Freiwilliger beim Königlich Bayerischen 19. Infanterieregiment „König Humbert I. von Italien“ in Erlangen. Er diente in der 7. Kompanie und wurde am 1. April 1898 zum Gefreiten, am 30. September 1898 zum Unteroffizier befördert. Mit der Entlassung in die Reserve erhielt er das Befähigungszeugnis zum Reserveoffizier. Während seines Studiums wurde er mehrfach zu Pflichtübungen einberufen. 1900 bestand er die Offiziersprüfung und wurde zum Vizefeldwebel befördert. Am 14. Mai 1902 erfolgte seine Ernennung zum Leutnant der Reserve im Königlich Bayerischen 19. Infanterieregiment „König Viktor Emanuel III. von Italien“.

Parallel dazu absolvierte Paulus seine juristische Ausbildung. Am 23. Juli 1901 bestand er das Erste Juristische Staatsexamen. Nach Stationen als Rechtspraktikant unter anderem am Amtsgericht Erlangen, am Landgericht Nürnberg sowie in Fürth legte er im Dezember 1904 das Zweite Staatsexamen (Juristischer Staatskonkurs) ab. Am 11. Mai 1905 wurde er als Rechtsanwalt beim Landgericht Fürth zugelassen. Am 20. September 1911 wurde er von Prinzregent Luitpold zum Oberleutnant der Landwehr (1. Aufgebot) befördert. Am 2. Januar 1913 gründete er gemeinsam mit Justizrat Leonhard Dorsch eine Rechtsanwaltskanzlei in Fürth.

Erster Weltkrieg

Mit der Generalmobilmachung vom 1. August 1914 rückte Paulus als Oberleutnant der Landwehr an die Westfront aus. Er nahm unter anderem an der Schlacht bei Étain, den Kämpfen bei Vaubecourt-Fleury, der Schlacht bei Verdun (Cheppy–Vauquois) sowie an langjährigen Stellungskämpfen im Wald von Malancourt und in Lothringen teil. In den ersten Kriegsjahren diente er als Zug- und Kompanieführer. Am 13. Juli 1915 (Patent vom 1. Juni 1915) wurde er zum Hauptmann befördert. Während des Krieges wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse (1914), dem Bayerischen Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern (1915) sowie dem Eisernen Kreuz I. Klasse (1918) ausgezeichnet. Während eines Fronturlaubs heiratete er am 20. Juni 1917 in Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstraße) Anna Clara Caritas Schaeffer. Aus der Ehe gingen drei Kinder, Lise-Lotte, geb. 1919, Robert, geb. 1921 und Hertha, geb. 1923 hervor.

Wirken in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus

Nach dem Krieg setzte Paulus seine Tätigkeit als Rechtsanwalt in Fürth fort. 1927 wurde ihm der Ehrentitel eines Justizrats verliehen. Innerhalb der KDStV Gothia Erlangen übernahm er führende Funktionen. Unter seinem Vorsitz erwarb der Gothenheimverein 1922 ein eigenes Haus in der Schillerstraße 3 in Erlangen. 1925 wurde er zum Philistersenior gewählt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und der zunehmenden Gleichschaltung studentischer Verbindungen führte er die Verbindung bis zu ihrer Auflösung am 12. Februar 1936. 1938 wurde der Gothenheimverein durch Verfügung der Geheimen Staatspolizei zwangsaufgelöst; Paulus wickelte als Vorsitzender die Liquidation ab. Nach der Auflösung des Landgerichts Fürth wurde er 1932 zur Rechtsanwaltschaft beim Landgericht Nürnberg-Fürth sowie beim Oberlandesgericht Nürnberg zugelassen. Im Zuge des Wehrgesetzes von 1936 unterlag er erneut der Wehrüberwachung. Mit Wirkung vom 1. September 1939 wurde er zum Major der Landwehr z. V., später zum Major der Reserve z. V. befördert. Er war als Sachbearbeiter beim Wehrbereichskommando in Fürth tätig und wurde 1943 aus dem aktiven Wehrdienst entlassen.

Nachkriegszeit und Ruhestand

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Paulus im Entnazifizierungsverfahren als unbelastet eingestuft. Mit Bescheid des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz vom 25. März 1948 erhielt er die Erlaubnis, seine anwaltliche Tätigkeit wieder aufzunehmen. Am 20. November 1955 trat er nach 45 Jahren als Vorsitzender des Gothenheimvereins zurück und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. 1961 ging er im Alter von 82 Jahren in den Ruhestand. Hans Paulus starb am 1. Juni 1964 im Alter von 85 Jahren in Fürth und wurde auf dem Neustädter Friedhof in Erlangen beigesetzt.

Siehe auch

Einzelnachweise


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