Joseph Süß Oppenheimer: Unterschied zwischen den Versionen

K
Textersetzung - „Nachrichten für den Jüdischen Bürger Fürths“ durch „Nachrichten für den jüdischen Bürger Fürths“
(Ergänzungen)
K (Textersetzung - „Nachrichten für den Jüdischen Bürger Fürths“ durch „Nachrichten für den jüdischen Bürger Fürths“)
 
(2 dazwischenliegende Versionen von einem anderen Benutzer werden nicht angezeigt)
Zeile 11: Zeile 11:
|Religion=jüdisch
|Religion=jüdisch
}}
}}
'''Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer''' (kurz '''Joseph Süß Oppenheimer''', auch diffamierend '''Jud Süß'''), (geb. Februar oder März [[1698]] in Heidelberg; gest. [[4. Februar]] [[1738]] bei Stuttgart am Galgen), war Finanzberater (''Hoffaktor'') des Herzogs [[wikipedia:Carl Alexander (Württemberg)|Karl Alexander von Württemberg]].<ref>Zu den Aktivitäten Joseph Süß Oppenheimers als württembergischer Hoffaktor zählten Münzgeschäfte, Lotterie-Unternehmungen, [[wikipedia:Fourage|Fourage]]lieferungen für das Militär, Bank- und Wechselgeschäfte, Handel in Wein, Arzneien, Salz, Pferden, Porzellan, Gemälden, Galanteriewaren und vor allem Juwelen; siehe Heinrich Schnee: "Die Hoffinanz und der moderne Staat", Berlin 1963, 4. Band, Seite 124</ref>  
'''Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer''' (kurz '''Joseph Süß Oppenheimer''', auch diffamierend '''Jud Süß'''), (geb. Februar oder März [[1698]] in Heidelberg; gest. [[4. Februar]] [[1738]] bei Stuttgart am Galgen), war Finanzberater (''Hoffaktor'') des Herzogs [[wikipedia:Carl Alexander (Württemberg)|Karl Alexander von Württemberg]].<ref>Zu den Aktivitäten Joseph Süß Oppenheimers als württembergischer [[wikipedia:Hoffaktor|Hoffaktor]] zählten Münzgeschäfte, Lotterie-Unternehmungen, [[wikipedia:Fourage|Fourage]]lieferungen für das Militär, Bank- und Wechselgeschäfte, Handel in Wein, Arzneien, Salz, Pferden, Porzellan, Gemälden, Galanteriewaren und vor allem Juwelen; siehe Heinrich Schnee: ''Die Hoffinanz und der moderne Staat'', Berlin 1963, 4. Band, Seite 124</ref>  


==Leben==
==Leben==
Zeile 19: Zeile 19:
[[Datei:Feuchtwanger Jud Süß 1925.JPG|mini|right|"Jud Süß" von Lion Feuchtwanger, 1925]]
[[Datei:Feuchtwanger Jud Süß 1925.JPG|mini|right|"Jud Süß" von Lion Feuchtwanger, 1925]]
* Zum einen lässt Feuchtwanger in seinem Roman einen Rabbiner aus Fürth den Herzog fragen: ''... Es sagte der Rabbiner von Fürth: „Euer Durchlaucht sind hochberühmt in der ganzen Welt um der Gerechtigkeit willen. Ist es gerecht, dass die Räuber sitzen ringsum in Reutlingen, in Eßlingen und lachen und fressen ihren Raub und dass der Jud, der weniger schuld ist vor dem Gesetz, muss zahlen ihre Zeche? Euer Durchlaucht sind gerecht gegen hoch und nieder, gegen Schwaben und Österreicher, gegen Katholik und Protestant. Seien Sie gerecht auch gegen Ihren Juden.“''
* Zum einen lässt Feuchtwanger in seinem Roman einen Rabbiner aus Fürth den Herzog fragen: ''... Es sagte der Rabbiner von Fürth: „Euer Durchlaucht sind hochberühmt in der ganzen Welt um der Gerechtigkeit willen. Ist es gerecht, dass die Räuber sitzen ringsum in Reutlingen, in Eßlingen und lachen und fressen ihren Raub und dass der Jud, der weniger schuld ist vor dem Gesetz, muss zahlen ihre Zeche? Euer Durchlaucht sind gerecht gegen hoch und nieder, gegen Schwaben und Österreicher, gegen Katholik und Protestant. Seien Sie gerecht auch gegen Ihren Juden.“''
* Und zum anderen die Beerdigung im Jüdischen Friedhof in Fürth: Es gelingt den Mördern von Joseph Süß Oppenheimer nicht, seine Leiche als Fraß den Raubvögeln zu überlassen, weil Hausierjuden den Leichnam stehlen, sie mit einem anderem Leiche vertauschen und diese dann mitten im Winter auf einem Karren nach ''Fürth'' fahren. ''„Hier wurde sie gewaschen, in das weiße lange Totenleinen gehüllt und eingesargt. Den Behörden war gemeldet, ein nicht weiter bekannter, auf der Landstraße gestorbener Frankfurter Jude wurde beerdigt.“''.<ref>so Lion Feuchtwanger in seinem Roman „Jud Süss“, zitiert nach Gisela Naomi Blume [[Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch)|Der alte jüdische Friedhof in Fürth]] Seite 30.</ref> Das Begräbnis von Joseph Süß Oppenheimer im Jüdischen Friedhof Fürth erfolgt nach jüdischen Riten: Der Kopf wurde auf ein kleines Häuflein schwarze, krümelnde Erde aus Zion gebettet.
* Und zum anderen die Beerdigung im Alten Jüdischen Friedhof in Fürth: Es gelingt den Mördern von Joseph Süß Oppenheimer nicht, seine Leiche als Fraß den Raubvögeln zu überlassen, weil Hausierjuden den Leichnam stehlen, sie mit einem anderem Leiche vertauschen und diese dann mitten im Winter auf einem Karren nach ''Fürth'' fahren. ''„Hier wurde sie gewaschen, in das weiße lange Totenleinen gehüllt und eingesargt. Den Behörden war gemeldet, ein nicht weiter bekannter, auf der Landstraße gestorbener Frankfurter Jude wurde beerdigt.“''.<ref>So Lion Feuchtwanger in seinem Roman „Jud Süss“, zitiert nach Gisela Naomi Blume: ''[[Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch)|Der alte jüdische Friedhof in Fürth]]'', Seite 30.</ref> Das Begräbnis von Joseph Süß Oppenheimer im Jüdischen Friedhof Fürth erfolgte nach jüdischen Riten: Der Kopf wurde auf ein kleines Häuflein schwarzer, krümmelnder Erde aus Zion gebettet.


Das Lebensschicksal Joseph Süß Oppenheimer diente auch als Vorlage für Wilhelm Hauffs Novelle ''„Jud Süß”'' von 1827, 1934 für den Spielfilm von Lothar Mendes<ref name="LMD">Lionel Richard: ''Der Jude Süß''. In: Le Monde diplomatique, Verlag Deutschland: taz Entwicklungs GmbH & Co.Medien KG, Berlin; vom 14. September 2001, vom 25. Oktober 2025 - [https://monde-diplomatique.de/artikel/!1151533 online]</ref> und 1940 für den [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|nationalsozialistischen]] Propagandafilm „Jud Süß“<ref>1940 wurde der [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|nationalsozialistische]] Propagandafilm [[wikipedia:Jud Süß (1940)|„Jud Süß“]] gedreht, der die historischen Tatsachen im antisemitischen Sinn verändert indem Joseph Süß Oppenheimer alle antisemitischen Stereotypen wie Habgier, Feigheit, Hinterlist, sexuelle Bedrohung arischer Frauen, Ausbeuterei bis hin zur jüdischen Weltverschwörung zugeordnet wurden. Quelle: ''[https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kunst-und-kultur/film-jud-suess Der Film "Jud Süß"]''. In: LeMO, Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin, aufgerufen am 25. Oktober 2025</ref><ref name="LMD" /> von Veit Harlan, schließlich 2010 als Aufarbeitung des letzteren Werkes: „Film ohne Gewissen“ von Oskar Roehler.
Das Lebensschicksal Joseph Süß Oppenheimers diente auch als Vorlage für Wilhelm Hauffs Novelle ''„Jud Süß”'' von 1827, 1934 für den Spielfilm von Lothar Mendes<ref name="LMD">Lionel Richard: ''Der Jude Süß''. In: Le Monde diplomatique, Verlag Deutschland: taz Entwicklungs GmbH & Co.Medien KG, Berlin; vom 14. September 2001, vom 25. Oktober 2025 - [https://monde-diplomatique.de/artikel/!1151533 online]</ref> und 1940 für den [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|nationalsozialistischen]] Propagandafilm „Jud Süß“<ref>Der [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|nationalsozialistische]] Propagandafilm [[wikipedia:Jud Süß (1940)|„Jud Süß“]] wurde 1940 gedreht. Hierin werden die historischen Tatsachen im antisemitischen Sinn verändert indem Joseph Süß Oppenheimer alle antisemitischen Stereotypen wie Habgier, Feigheit, Hinterlist, sexuelle Bedrohung arischer Frauen, Ausbeuterei bis hin zur jüdischen Weltverschwörung zugeordnet wurden. Quelle: ''[https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kunst-und-kultur/film-jud-suess Der Film "Jud Süß"]''. In: LeMO, Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin, aufgerufen am 25. Oktober 2025</ref><ref name="LMD" /> von Veit Harlan, schließlich 2010 als Aufarbeitung des letzteren Werkes: „Film ohne Gewissen“<ref>{{Quelle Wikipedia|Jud Süß – Film ohne Gewissen}}</ref><ref>''Berlinalefilm "Jud Süß": Der gute Österreicher''. In: Zeit Online, ZEIT ONLINE GmbH. Hamburg; vom 19. Februar 2010, aufgerufen am 28. Oktober 2025 - [https://www.zeit.de/kultur/film/2010-02/jud-suess/komplettansicht online]</ref> von Oskar Roehler.


==Kritische Einordnung==
==Kritische Einordnung==
Ob Joseph Süßkind Oppenheimer auf dem [[Alter Jüdischer Friedhof|Alten Jüdischen Friedhof]] in Fürth begraben ist, kann aus heutiger Sicht weder widerlegt noch belegt werden. Die Grabstelle ist heute zumindest nicht nachweisbar. Nach Bombentreffern im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurden Bäume und Grabsteine mit großer Wucht zur Seite geschleudert und in den Bombentrichtern soll sich ein Zinksarg mit einer Mumie aufgetan haben. In diesem Bereich wurde um 1730 beerdigt.<ref>Gisela Naomi Blume: ''[[Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch)|Der alte jüdische Friedhof in Fürth]]'', Seite 31</ref> Es wäre auch denkbar, dass der Grabstein des Joseph Süßkind Oppenheimer bei der Schändung im Jahr 1751 verlorengegangen ist.<ref>ebenda</ref> Feuchtwangers Vater stammte aus Fürth, auch seine Großeltern lebten hier und sind in Fürth begraben. Lion Feuchtwanger mochten darum Geschichten der alten [[Fiorda|Jüdischen Gemeinde]] bekannt gewesen sein.
Ob Joseph Süßkind Oppenheimer auf dem [[Alter Jüdischer Friedhof|Alten Jüdischen Friedhof]] in Fürth begraben ist, kann aus heutiger Sicht weder widerlegt noch belegt werden. Die Grabstelle ist heute zumindest nicht nachweisbar. Nach Bombentreffern im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurden Bäume und Grabsteine mit großer Wucht zur Seite geschleudert und in den Bombentrichtern soll sich ein Zinksarg mit einer Mumie aufgetan haben. In diesem Bereich wurde um 1730 beerdigt.<ref>Gisela Naomi Blume: ''[[Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch)|Der alte jüdische Friedhof in Fürth]]'', Seite 31</ref> Es wäre auch denkbar, dass der Grabstein des Joseph Süßkind Oppenheimer bei der Schändung im Jahr 1751 verlorengegangen ist.<ref>ebenda</ref> Feuchtwangers Vater stammte aus Fürth, auch seine Großeltern lebten hier und sind in Fürth begraben. Lion Feuchtwanger mochten darum Geschichten der alten [[Fiorda|Jüdischen Gemeinde]] bekannt gewesen sein.


Als Friedhofsgärtner war Schlomo Grünholz bis 1935 auf dem [[Alter Jüdischer Friedhof|Alten Jüdischen Friedhof]] tätig. Noch bis 1933 waren unter der Leitung von Prof. Hugo Heinemann<ref>''„Hugo Heinemann hatte im April 1930 den Auftrag erhalten, den alten Jüdischen Friedhof in Fürth zu dokumentieren. Den Anstoß hierzu hatte der Verleger Adolph Simon Ochs zusammen mit dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern gegeben, nachdem er 1930 mit einer Delegation seiner New York Times nach Fürth gekommen war, um die Gräber seiner Vorfahren zu besuchen.“'' Siehe Julia Haarmann: „Hüter der Tradition: Erinnerung und Identität im Selbstzeugnis des Pinchas Katzenellenbogen (1691 – 1767), 2013, Seite 60, Fußnote 159 mit Bezug auf Gisela Naomi Blume [[Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch)|Der alte jüdische Friedhof in Fürth]] Seite 23 und 46</ref> jahrhunderte alte Grabsteine wieder aufgerichtet worden. Zusammen mit Lion Feuchtwanger hatte Grünholz seinerzeit eingehend nach dem Grab von Joseph Süß Oppenheimer geforscht und dieses mit ''„an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“'' gefunden.<ref>siehe Schlomo Grünholz: „Das Grab des Jud Süss“ in: [[Nachrichten für den Jüdischen Bürger Fürths]] von 1960, S. 13f.</ref>
Als Friedhofsgärtner war Schlomo Grünholz bis 1935 auf dem [[Alter Jüdischer Friedhof|Alten Jüdischen Friedhof]] tätig. Noch bis 1933 waren unter der Leitung von Prof. Hugo Heinemann<ref>''„Hugo Heinemann hatte im April 1930 den Auftrag erhalten, den alten Jüdischen Friedhof in Fürth zu dokumentieren. Den Anstoß hierzu hatte der Verleger Adolph Simon Ochs zusammen mit dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern gegeben, nachdem er 1930 mit einer Delegation seiner New York Times nach Fürth gekommen war, um die Gräber seiner Vorfahren zu besuchen.“'' Siehe Julia Haarmann: „Hüter der Tradition: Erinnerung und Identität im Selbstzeugnis des Pinchas Katzenellenbogen (1691 – 1767), 2013, Seite 60, Fußnote 159 mit Bezug auf Gisela Naomi Blume [[Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch)|Der alte jüdische Friedhof in Fürth]] Seite 23 und 46</ref> jahrhunderte alte Grabsteine wieder aufgerichtet worden. Zusammen mit Lion Feuchtwanger hatte Grünholz seinerzeit eingehend nach dem Grab von Joseph Süß Oppenheimer geforscht und dieses mit ''„an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“'' gefunden.<ref>siehe Schlomo Grünholz: „Das Grab des Jud Süss“ in: [[Nachrichten für den jüdischen Bürger Fürths]] von 1960, S. 13f.</ref>


Auch ''Oppenheimer'' sind hier begraben. Und die Fürther Familie Fromm soll mit der Familie des Joseph Süß Oppenheimer verwandt gewesen sein.
Auch ''Oppenheimer'' sind hier begraben. Und die Fürther Familie Fromm soll mit der Familie des Joseph Süß Oppenheimer verwandt gewesen sein.
23.891

Bearbeitungen