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Bald nach seiner Geburt zogen die Eltern nach Stein, wo der Vater nun im Steinberger’schen Spiegelglaspolierwerk arbeitete, aber kurz darauf – am 1. Dezember 1807 – starb. Christian Winkler absolvierte im Alter von 6 bis 13 Jahren die Werktagsschule in Eibach und wurde auch dort am Palmsonntag 1821 konfirmiert. Er erlernte den väterlichen Beruf und besuchte bis zu seinem Wegzug die Eibacher Sonntagsschule.<ref name="Akte W-20"/> | Bald nach seiner Geburt zogen die Eltern nach Stein, wo der Vater nun im Steinberger’schen Spiegelglaspolierwerk arbeitete, aber kurz darauf – am 1. Dezember 1807 – starb. Christian Winkler absolvierte im Alter von 6 bis 13 Jahren die Werktagsschule in Eibach und wurde auch dort am Palmsonntag 1821 konfirmiert. Er erlernte den väterlichen Beruf und besuchte bis zu seinem Wegzug die Eibacher Sonntagsschule.<ref name="Akte W-20"/> | ||
Ab dem 16. Lebensjahr machte Christian Winkler eine Lehre als Glasfacettierer bei der Spiegelmanufaktur des Johann Jakob Zephanias Fischer (1778–1843) auf den Werkern (Mühlenviertel an der Regnitz) in Erlangen. Nach zwei Wanderjahren im In- und Ausland arbeitete er dann ab Mitte des Jahres [[1827]] als Glasbeleger bei dem Fürther Kaufmann und Spiegelglashändler [[Louis Weinschenk]]. | Ab dem 16. Lebensjahr machte Christian Winkler eine Lehre als Glasfacettierer bei der Spiegelmanufaktur des Johann Jakob Zephanias Fischer (1778–1843) auf den Werkern (Mühlenviertel an der Regnitz) in Erlangen. Nach zwei Wanderjahren im In- und Ausland arbeitete er dann ab Mitte des Jahres [[1827]] als Glasbeleger bei dem Fürther Kaufmann und Spiegelglashändler [[Louis Weinschenk]]. Aus der Militärpflichtigkeit wurde Winkler, der 5 Fuß, 5 Zoll, 0 Faden (1,58 m) groß war, am 30. Juni 1828 wegen gänzlicher Ungeeignetheit und aufgrund Armut unentgeltlich entlassen. | ||
Zusammen mit seiner Verlobten, der Erlanger Schuhmachermeisterstochter Maria Helena Memmert (geb. 4. Februar 1801 in Erlangen), und seiner Mutter ging er am 3. Dezember 1828 zur Fürther Stadtverwaltung und ersuchte um seine Schutzaufnahme als Spiegelglasbeleger und die Erlaubnis zur Verehelichung. Dabei gab er seinen Verdienst mit wöchentlich 5 bis 6 Gulden (f.) an, bei sehr guter Geschäftslage auch 8 bis 9 f. Für das Vermögen führte er eine eigene Ersparnis von 100 f. an, das der Braut betrug 750 f., zusammen 850 f. Die Mutter des Bräutigams konnte ihrem Sohn wegen Mittellosigkeit keine Aussteuer geben. Winkler verpflichtete sich, ein Einzugsgeld von 12 f. zu zahlen, weiter ein Aversum von 24 Kreuzern (x.) sowie einen jährlichen Beitrag von 12 x. zur Straßenbeleuchungsanstalt und als wöchentlichen Almosen 2 x. zu leisten. | |||
Das Gesuch wurde vom Magistrat mit Beschluss vom 8. Januar 1829 abgelehnt. Als Hauptbegründung sah man den Mangel einer sicheren Subsistenz (Lebensunterhalt), u. a. ''„weil diese für die Gesundheit höchst gefährliche Handthierung oft schon nach einigen Jahren zum Betriebe desselben oder eines anderen Geschäftes gänzlich unfähig macht“''. | |||
Am 14. Januar 1829 brachte Winkler ein neues Gesuch ein, um nun die Niederlassung als Glasfacettierer mit zusätzlicher Erlaubnis des Glasbelegens bei Wertheimber oder für sich zu erhalten. Trotz eingeholtem Zeugnis für das Glasfacettieren von Fischer in Erlangen lehnte der Magistrat mit Beschluss vom 5. Februar 1829 auch dieses Gesuch ab, weil bei schon vorhandenen 12 Glasfacettierern und 42 Glasbelegern kein „Fortkommen“ gesichert sei. Daraufhin legte Winkler am 23. Februar bei der Kgl. Regierung des Rezatkreises Rekurs ein. Diese verfügte am 16. Mai 1829, dass gemäß den Vollzugsinstruktionen des Gewerbsgesetzes dem Gesuch des Rekurrenten statt zu geben ist. Daraufhin erteilte ihm der Stadtmagistrat am 6. Juni [[1829]] das Schutzdekret zur Niederlassung und bewilligte seinen Nahrungserwerb als Glasbeleger und Glasfacettierer. Zugleich wurde das Verehelichungszeugnis ausgestellt, ein Einzugsgeld von 12 f. sowie die gemeindlichen Abgaben festgelegt. Nach gehöriger Vorstellung in vollständiger Uniform und Waffen wurde Winkler am 24. Juli 1829 in die 3. Infanterie-Compagnie des [?]. Bataillons des Königlichen Landwehr-Infanterie-Regiments unter dem Kommando des Oberst [[Adolph Schönwald|Schönwald]] „einrangiert“.<ref name="Akte W-20"/> | |||
Die Trauung von Christian Winkler und Maria Helena Memmert fand in St. Michael am 17. August 1829 statt.<ref>Kirchenbücher St. Michael, Trauungen 1827–1843, S. 103</ref> Seine Frau brachte ihren vorehelichen Sohn Johann Georg Ludwig Memmert mit in die Ehe. Die Familie wohnte nun im Haus Nr. 141, I. Bez. (ab 1890 [[Rednitzstraße 17]]). | |||
Schon acht Jahre später hatte ihn die [[Quecksilber]]-Krankheit ergriffen, eines seiner Kinder war erblindet, ein anderes gelähmt. Er versuchte einen alternativen Nahrungserwerb, indem er das Wirtshaus [[Unterfarrnbacher Straße 186|Zum Roten Roß]] in [[Unterfarrnbach]] kaufte, das seine Frau führen sollte. Er selbst arbeitete als Glasmeister für einen Kaufmann in einer Spiegelglasschleife. [[1839]] kehrte er nach Fürth zurück und begann wieder mit dem Spiegelbelegen. Winkler tüftelte immer wieder an Innovationen für die Spiegelglasherstellung. Neben einigen Verbesserungen der Belegmethode optimierte er die Polierpflöcke, die beim Poliervorgang eingesetzt wurden. Am [[6. April]] [[1847]] erhielt er für eine wesentlich verbesserte Facettenschleifwalze ein Privileg auf fünf Jahre. Seit dem [[23. Juni]] [[1848]] besaß Winkler zusätzlich eine Konzession zum Betrieb einer Spiegelglasfabrik mit guten Absatzaussichten. | Schon acht Jahre später hatte ihn die [[Quecksilber]]-Krankheit ergriffen, eines seiner Kinder war erblindet, ein anderes gelähmt. Er versuchte einen alternativen Nahrungserwerb, indem er das Wirtshaus [[Unterfarrnbacher Straße 186|Zum Roten Roß]] in [[Unterfarrnbach]] kaufte, das seine Frau führen sollte. Er selbst arbeitete als Glasmeister für einen Kaufmann in einer Spiegelglasschleife. [[1839]] kehrte er nach Fürth zurück und begann wieder mit dem Spiegelbelegen. Winkler tüftelte immer wieder an Innovationen für die Spiegelglasherstellung. Neben einigen Verbesserungen der Belegmethode optimierte er die Polierpflöcke, die beim Poliervorgang eingesetzt wurden. Am [[6. April]] [[1847]] erhielt er für eine wesentlich verbesserte Facettenschleifwalze ein Privileg auf fünf Jahre. Seit dem [[23. Juni]] [[1848]] besaß Winkler zusätzlich eine Konzession zum Betrieb einer Spiegelglasfabrik mit guten Absatzaussichten. | ||