berief der vom 25. Februar bis 8. März 1919 tagende Kongress der bayerischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte am 1. März 1919 eine neue Regierung, der drei Vertreter der MSPD, vier Vertreter der USPD, ein Vertreter des Bayerischen Bauernbundes und Heinrich von Frauendorfer als Eisenbahnexperte angehören sollten. Unter den Berufenen befand sich auch der langjährige Landtags- und ehemalige Reichstagsabgeordnete Martin Segitz (MSPD) aus Fürth als Ministerpräsident, Außen- und Innenminister.186 Da die Berufenen die Ernennung nicht annahmen, konnte Johannes Hoffmann am 17. März 1919 vom Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt und eine Regierung aus vier Vertretern der MSPD, zwei Vertretern der USPD, einem Vertreter des Bayerischen Bauernbundes und dem Eisenbahnexperten Heinrich von Frauendorfer als Verkehrsminister gebildet werden. Durch parallel laufende Ereignisse in Ungarn, wo Kommunisten und Sozialisten zur nationalen Verteidigung gegen rumänische, jugoslawische und tschechoslowakische Gebietsansprüche und zur sozialistischen Umgestaltung durch eine Landreform am 21. März 1919 die Macht übernommen und eine Räterepublik ausgerufen hatten,187 wurde die Frage einer Räterepublik auch in Bayern wieder virulent und am 7. April 1919 in München unter Beteiligung von Vertretern der südbayerischen MSPD, der USPD und einzelner Anarchisten wie Gustav Landauer und Erich Mühsam umgesetzt. Während die Regierung unter Ministerpräsident Hoffmann und der Landtag nach Bamberg auswichen, wurde in anderen bayerischen Städten ebenfalls eine Räterepublik proklamiert. Dazu zählte auch Fürth, wo der Arbeiter- und Soldatenrat am Vormittag des 8. April 1919 Banken, Post- und Telegraphenamt besetzen ließ und Oberbürgermeister Dr. Wild zurücktrat. Auf dem Rathaus wurde eine rote Flagge gehisst und ein Vollzugsausschuss des Arbeiter- und Soldatenrates aus sechs Vertretern der USPD, drei Vertreter der MSPD, einem Vertreter der KPD und einem Beamten gebildet. Das Ende der Räterepublik in Fürth wurde allerdings schon am Abend des 8. April 1919 eingeleitet, als sie von einer Mitgliederversammlung der MSPD mit 193 zu 174 Stimmen abgelehnt wurde. Am 9. April 1919 traten auch die Gemeindebevollmächtigten der MSPD und der bürgerlichen Parteien zurück. Am Abend reagierte der Vollzugsausschuss des Arbeiter- und Soldatenrates mit einer Versammlung im Geismannsaal, bei der noch einmal eine Abstimmungsmehrheit zugunsten der Räterepublik zustande kam. Doch zu diesem Zeitpunkt war Fürth in der Region bereits völlig isoliert, da neben
Gesellschaft, die sich 1925 selbst auflöste und 1932 aus den Vereinsregister gestrichen wurde, waren vor allem Aristokraten, Geschäftsleute und Akademiker. Vgl. den Artikel Thule-Gesellschaft, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 23.01.2019. 186Martin Segitz, der 1853 in Fürth geboren wurde und hier 1927 auch verstarb, war gelernter Zinngießer und Metallschläger. 1879 wurde er Mitarbeiter der Fürther Bürgerzeitung und 1891 Redakteur der Fränkischen Tagespost in Nürnberg. Als Delegierter der Nürnberg-Fürther Arbeiter nahm Segitz 1889 am Gründungskongress der II. Internationale in Paris teil. Zudem war er als Vertrauensmann der Metallarbeiter 1890 maßgeblich an der Gründung einer Generalkommission der Gewerkschaften und 1891 an der Bildung des Deutschen Metallarbeiterverbandes beteiligt. Als erster hauptamtlicher Arbeitersekretär der Gewerkschaften beriet er ab 1894 in Nürnberg Tausende von Arbeitern in sozialund arbeitsrechtlichen Fragen. Von 1894 bis 1919 war er außerdem Gemeindebevollmächtigter in Fürth, von 1898 bis 1903 Reichstagsabgeordneter und von 1897 bis 1927 bayerischer Landtagsabgeordneter. Vgl. die Artikel Martin Segitz, in: www.wikipedia.de und www.fuertwiki.de, hier: Ausdrucke vom 24.01.2019. Siehe zu Martin Segitz auch: Vorstand der Industriegewerkschaft Metall (Hrsg.), 100 Jahre Industriegewerkschaft Metall. 1891 bis 1991. Vom Deutschen Metallarbeiterverband zur Industriegewerkschaft Metall. Ein Bericht in Wort und Bild, Köln 1991, S.94f., S.107-109, S.162, S.363 und S.567. 187Vgl. zu den Ereignissen in Ungarn: Jörn Leonhard, Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918-1923, München 2018, S.869-881.
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