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Unterrichtssprache war Latein, das die Schüler auch untereinander sprechen sollten. Nach einem zwei- bis dreijährigen Elementarunterricht (Auswendiglernen der Psalter, Lesen und Schreiben lernen, Chorgesang und Rechnen) erfolgte die eigentliche Ausbildung in dem aus der Antike übernommenen Schema der „sieben freien Künste“ oder „artes liberales“ (Buchkünste), die aus den drei sprachlichen Fächern des Triviums (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und den vier mathematischen Fächern des Quadriviums (Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik) bestanden und jeweils für ein Jahr und damit insgesamt sieben Jahre gelehrt wurden.5 Daneben legten die Frauenklöster auch Wert auf den Erwerb nützlicher Handfertigkeiten wie Spinnen, Schneidern, Weben, Sticken und Teppichknüpfen.6 Mit einem Schuleintritt im Alter von 5 bis 7 Jahren, der Vermittlung nützlicher Handfertigkeiten bei Mädchen (z.B. Schneidern und Sticken) und dem Unterricht in drei Qualifikationsstufen (Elementarunterricht, Trivium, Quadrivium) war bereits an den Domund Klosterschulen die bis in die Gegenwart reichende Grundstruktur des Bildungswesens festgelegt worden: „Wie weit der einzelne auf dieser Leiter emporsteigen konnte, hing von vielen Zufällen, der Begabung, des Vermögens, auch der Wünsche der Familien und den Zeitumständen ab.“7 Durch die ab Mitte des 11. Jahrhunderts einsetzende Gründung von Universitäten (Schule für arabische Medizin in Salerno 1057, Rechtsschule in Bologna 1088, mit Vorläufern zwischen 1150 und 1170 Sorbonne in Paris 1199, Universitäten Oxford 1167, Cambridge 1209, Salamanca 1218, Montpellier 1220, Padua 1222) verloren die Domschulen ihren ersten Rang im Bildungswesen an die Universitäten mit den dort zur Vertiefung des Wissens angebotenen Fächern Philosophie, Theologie, Jurisprudenz und Medizin.8 Trotz einer Weiterführung und didaktischen Anpassung der Dom- und Klosterschulen entstanden im heutigen Franken ab Mitte des 13. Jahrhunderts zunehmend auch Latein- bzw. Pfarrschulen, „vermengte Schulen“ und in den Reichsstädten Ratsschulen (Feuchtwangen 1241, Rothenburg 1286, Spalt 1313, Nürnberg Lateinschulen St. Lorenz 1325, Heilig-Geist-Spital 1333, St. Sebald 1335 und St. Egidien 1396, Herzogenaurach 1347, Lauf 1386, Schwabach 1401, Höchstadt/Aisch 1421, Iphofen 1436, Eltmann 1442, Scheinfeld 1451, Happurg 1482, Pegnitz 1482).9 Abgesehen von den 5 Vgl.: Ebd., S.89-94. Von den drei sprachlichen Fächern (Trivium) der „sieben freien Künsten“ oder

„artes liberales“ (Buchkünste)) war Grammatik die Kunst, die Poeten und Schriftsteller zu interpretieren, und die Fähigkeit, korrekt zu schreiben und zu lesen (vgl. ebd., S.97), Rhetorik in der Antike die Kunst der öffentlichen Rede, vor allem vor Gericht, während im Mittelalter wegen des anderen Rechtssystems das Schwergewicht beim schriftlichen Ausdruck lag (vgl. ebd., S.104), Dialektik (Logik) die Kunst von den logischen Schlüssen bzw. der Entlarvung von Trugschlüssen (vgl. ebd., S.106). Von den vier mathematischen Fächern (Quadrivium) der „sieben freien Künste“ oder „artes liberales“ (Buchkünste) war Arithmetik die Lehre von den Zahlen und den vier Grundrechenarten einschließlich Bruchrechnung (vgl. ebd., S.107), Musik die Lehre von den Zahlenverhältnissen der Intervalle und Akkorde (vgl. ebd., S.108), Geometrie eine Art bildlicher und geometrischer Geografie anhand der damaligen Weltkarte mit Jerusalem im Zentrum sowie Afrika, Asien und Europa außen herum (vgl. ebd., S.109f.) und Astronomie (Sternenkunde) das am intensivsten gelehrte Fach zur Berechnung der kirchlichen Festtage (vgl. ebd., S.110). 6 Vgl.: Ebd., S.135-140, hier: S.138. 7 Ebd., S.87. 8 Vgl.: Ebd., S.146 und S.149. 9 Vgl. dazu die Auflistung, in: Ebd., S.143-146 und S.149f.: „Dem Rang- und Bedeutungsverlust der Dom- wie der Klosterschulen steht als Positivum eine erhebliche Vermehrung der Schulen im späten Mittelalter gegenüber, die jetzt auch von Bevölkerungskreisen besucht wurden, die zuvor kaum Gelegenheit zur Bildung erhalten hatten.“ Ergänzend anzumerken ist, dass ab 1450 das von Johannes Gutenberg (1400-1468) entwickelte Buchdruckverfahren mit Lettern und Druckerpresse das bisherige

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