Zulauf erhielt sowie organisatorisch und räumlich der 1833 eingerichteten Gewerbeschule angeschlossen wurde.58 Die 1833 eingerichtete Gewerbeschule ging auf eine allerhöchste Verordnung von König Ludwig I. (1786-1868) aus dem Jahr 1829 zurück, 59 mit der nach der 1827 in München gegründeten Zentralen Polytechnischen Schule alle größeren Städte in Bayern aufgefordert wurden, zur Förderung von Landwirtschaft, Gewerbe, Handel und Industrie Gewerbeschulen zu errichten, zu deren Finanzierung ein staatlicher Zuschuss in Aussicht gestellt wurde. Außerdem sollten zur ergänzenden Kostendeckung neben kommunalen Finanzmitteln auch Spenden durch neuzugründende polytechnische Vereine herangezogen werden. Da die Fürther Gewerbetreibenden aus finanziellen Gründen wenig Neigung verspürten, einen polytechnischen Verein zu gründen, dauerte die Errichtung einer örtlichen Gewerbeschule bis 1833, als eine zweite königliche Verordnung kam, die alle größeren Städte zur Errichtung einer Gewerbeschule verpflichtete. Daraufhin erwarb die Stadt Fürth das Gasthaus Rotes Ross an der Königstraße/Waagplatz und richtete dort im 1. Obergeschoss für rund 30 Schüler mit abgeschlossener Elementarbildung ab dem 12. Lebensjahr eine königliche Landwirtschafts- und Gewerbeschule mit zweijähriger Schuldauer und einer naturkundlichen Sammlung ein.60 Damit ein anschaulicher Naturkundeunterricht möglich war, stellte ein Bürger der Schule zunächst Exponate aus seiner Privatsammlung zur Verfügung. Auch der Chemieunterricht konnte erst 1837 aufgenommen werden, als der neu eingestellte Fachlehrer Dr. Stahl dafür seine Privatwohnung bereitstellte.61 Die von König Ludwig I. zur Förderung von Gewerbe, Handel und Industrie für alle größeren Städte in Bayern 1829 zunächst empfohlene und schließlich 1833 angeordnete Errichtung von Gewerbeschulen entsprach nicht nur seiner Politik der infrastrukturellen Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung, die sich beispielweise an der Zustimmung zur ersten dampfbetriebenen Eisenbahn in Deutschland zwischen Nürnberg und Fürth 1835, dem Bau des Ludwigkanals zwischen Main und Donau 1837 bis 1845 und dem Bau der bayerischen Staatseisenbahnverbindung zwischen Lindau und Hof (Ludwig Nord-Süd-Bahn) 1843 bis 1854 zeigte, sondern auch dem Trend der Zeit, in der aufgrund der aufkommenden Industrialisierung mit Fabriken, Dampfkraft und zunehmendem Maschineneinsatz die polytechnische Bildung an Bedeutung gewann. Dies galt insbesondere in einer Stadt, für deren Bevölkerung vielfältige Fabrikationserzeugnisse und der Absatz derselben im Wege des Handels nach entfernten Ländern die einzige Nahrungsquelle bildeten - wie dies Bürgermeister Bäumen schon 1819 in einem Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Fürth beschrieben hatte.62 Da sich in Fürth der Fächerkanon der höheren Bürgerschule aus dem Jahr 1822 mit Ausnahme von Latein mit dem Fächerkanon der königlichen Landwirtschafts- und
58Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom
Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.25. 59Vgl. zur Biografie von König Ludwig I (1786.1868) und seine durch Abdankung endende Regierungs-
zeit (1825-1848) den Artikel Ludwig I. (Bayern), in: www.wikepedia.de, hier: Ausdruck vom 06.09.2017. 60Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.17. 61Vgl.: Vom Altstadthaus zum Repräsentationsbau in der Kaiserstraße. Die wechselnden Domizile des Hardenberg-Gymnasiums, in: Fürther Heimatblätter. Nr.4/1983, S.113-129, hier: S.116. 62Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.200.
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