in Fürth bis 1863 auf die Erfüllung der in Bayern seit 1802 vorgeschriebenen und seit 1838 in protestantischen Gebieten siebenjährigen Elementarunterrichtspflicht und auf eine darüber hinausgehende gewerbliche und kaufmännische Ausbildung an der 1833 gegründeten königlichen Landwirtschafts- und Gewerbeschule, der auch die Sonntags-Zeichnungsschule für Lehrlinge des Handwerks angeschlossen war. Zu einer treibenden Kraft bei der Weiterentwicklung der über die Elementarbildung hinausgehenden gewerblich-technischen sowie kaufmännischen Ausbildung wurde dabei bis Mitte der 1860er Jahre Dr. Johann Kaspar Beeg (1809-1867), der 1844 in Erlangen promoviert worden, anschließend an die königliche Landwirtschafts- und Gewerbeschule in Fürth gekommen und 1845 ihr Rektor geworden war. Mit der Ernennung zum Rektor führte Dr. Beeg 1845 Buchführung als Unterrichtsfach ein und erhielt 1849 die staatliche Genehmigung für zwei Kurse einer Handelsabteilung mit dreijähriger Schulzeit, womit die königliche Landwirtschafts- und Gewerbeschule die neue Bezeichnung königliche Gewerbe- und Handelsschule bekam. Neben seinen schulischen Aktivitäten betreute Dr. Beeg ab 1857 auch die 1844 vom Gewerbeverein herausgegebene Fürther Gewerbezeitung und übernahm von 1861 bis 1864 noch den Vorsitz im Gewerbeverein.72 Die 1833 begonnene und bis Mitte der 1860er Jahre andauernde Elementar-, Gewerbe- und Handelsorientierung des Schulwesens in Fürth spielte auch in einem 1858 vom Innenministerium über die Bezirksregierungen bei allen Gerichtsärzten in Bayern für den jeweiligen Gerichtsbezirk angeforderten Bericht über die örtliche Bevölkerungsentwicklung und die Lebensumstände eine Rolle, der von dem für Fürth zuständigen Gerichtsarzt Dr. Adolf Mair 1861 abgeschlossen und über die Bezirksregierung dem Innenministerium zugeleitet wurde und folgende Aussage enthielt: „Die intellektuelle Entwicklung der Bevölkerung bewegt sich vorzugsweise innerhalb der Schranken des Volksunterrichts und des zum Handel und Gewerbe Nötigen (…).“73 Gemessen an weiteren Aussagen zur damaligen Bevölkerung durch den örtlichen Gerichtsarzt Dr. Mair war dies auch folgerichtig und konsequent, da dem Fürther das Motto „Zeit ist Geld“ wie dem Amerikaner als Axiom gelte, er das Praktische und nicht das Abstrakte liebe, gerne in Fürth sei und Wanderung bei ihm nur eintrete, wenn es die Not erheische oder Gewinn locke.74 Durch einen Einwohnerzuwachs von 12.942 Personen im Jahr 1818 auf 16.727 Personen im Jahr 1852 und 24.577 Personen im Jahr 1870,75 der einer Verdoppelung der Bevölkerung im Zeitraum von 1818 bis 1870 entsprach, war in Fürth zugleich eine Ausdehnung der Bebauung in Richtung Osten entlang der Königstraße/Nürnberger Straße und in Richtung Süden entlang der Schwabacher Straße, der Hirschenstraße darunter drei chemische Fabriken, vier Bronzefarbenfabriken, zwei Branntweinfabriken und zwei Zichorie-(Kaffeeersatz-)Fabriken. 1840 hatte es in Fürth lediglich eine Fabrik mit einer Dampfmaschine gegeben. Vgl.: Barbara Ohm, Fürth, Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.195f. und S.198-200. 72Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier:S.20. 73Adolf Mair, Hermann Ott, Fürth zu Beginn des Industriezeitalters. Geschichte, Lebensumstände und Bevölkerungsentwicklung – verfasst von Dr. Adolf Mair 1861 als Bericht über die Geschichte, Topound Ethnographie des Physikatsbezirks Fürth. Bearbeitet und eingeleitet von Hermann Ott, Fürth 1989, S.48. 74Vgl.: Ebd., S.48 und S.66. 75Vgl. zu den Einwohnerzahlen: Stadt Fürth, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2004 der Stadt Fürth, Stadt Fürth 2005, S.33, Tabelle 3.1, Die Entwicklung des Bevölkerungsstandes nach dem jeweiligen Gebietsstand.
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