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anhingen, in Anspruch genommen wurden, indem sie den traditionellen Religionsunterricht mit allgemeiner Bildung verknüpften. Die Israelitische Bürgersschule unter Leitung von Dr. Seligmann Auerbach wurde 1862 von 42 Kindern und 1863 von 62 Kindern besucht. Die Unterrichtsfächer waren Religionslehre, Biblische Geschichte und Hebräisch, Deutsch, Französisch und Englisch, Mathematik, Handelskunde, Geschichte, Geografie, Naturkunde, Schönschreiben (Kalligrafie), Zeichnen, Singen und Turnen. Im Jahr 1868 wurde dann für die Israelitische Bürgerschule ein neues Schulgebäude auf dem Grundstück Blumenstraße 31 errichtet.80 Der in der Stadt Fürth seit der Schließung der höheren Bürgerschule im Jahr 1833 nicht mehr bzw. seit 1852 nur noch in Form einer privaten Präparandenschule vorhandene Schultyp wurde im neuen Stadtviertel südlich des Rathauses ab 1863 durch eine städtische Lateinschule im Anwesen Mathildenstraße 7 reaktiviert. die zunächst eine Schuldauer von drei Jahren umfasste.81 Die Schuldauer wurde 1867 auf vier Jahre verlängert und die Schule damit zu einer vollständigen isolierten Lateinschule.82 Gleichwohl mussten die Absolventen anschließend nach wie vor ein humanistisches Gymnasium an einem anderen Ort besuchen, um eine Maturitätsprüfung (Abschluss, Abitur) als Voraussetzung für ein Universitätsstudium abzulegen, da dazu damals eine vorausgehende Schulbesuchsdauer von acht Jahren erforderlich war.83 In das neue Viertel südlich des Rathauses wurde auch die seit 1844 im zweiten Schulgebäude am Kirchenplatz untergebrachte königliche Gewerbe- und Handelsschule - deren Schülerzahl seit Ende der 1850er Jahre etwa 200 Personen umfasst und deren Direktor Dr. Beeg sich gegenüber dem Stadtmagistrat seit 1857 mehrfach für eine Trennung der Klassen der Gewerbe- und der Handelsschule ausgesprochen hatte -

80Vgl.: Ebd., S.173. Ergänzend anzumerken ist, dass das jüdische Schulwesen von einer hohen Bil-

dungsbeflissenheit und diskursiven Unterrichtsmethoden geprägt war, Diese Charakteristika wurden von Götz Aly, Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassismus 1800-1933, Frankfurt/Main 2011, S.37 so beschrieben: „Anders als in agrarischstationären Verhältnissen brauchten die Menschen jetzt Neugier, Einfallsreichtum, Geistesgegenwart, Anpassungsgabe, soziale Intelligenz und vor allem Bildung. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde sichtbar, dass den jüdischen Schülern das Erlernen der fortan zwingend erforderlichen Kulturtechniken, Lesen, Schreiben und Rechnen leichtfiel. Anders als die meisten ihrer christlichen Altersgenossen wurden die jüdischen Kinder in aller Regel seit jeher alphabetisiert, wenn auch auf Hebräisch und mit religiösem Inhalt. Die Eltern legten ihnen zwar keine silbernen Löffel in die Wiege, wohl aber geistige Güter.“ Und auf S.38 fügte er hinzu: „Der Bildungswille bezog seine Kraft aus der Religion und aus der jahrhundertelangen Rechtlosigkeit. Jüdische Jünglinge lernten zu abstrahieren, zu fragen, nachzudenken. Sie schärften den Verstand am Umgang mit Büchern, im gemeinsamen Lesen und Auslegen und im kontroversen Debattieren der heiligen Schrift… Zudem beherrschten Juden meistens zwei oder drei Sprachen mit ihren unterschiedlichen Grammatiken und Ausdrucksfinessen.“ Demgegenüber stellte er zu der damals im öffentlichen Schulwesen weitverbreiteten Regulationspädagogik auf S.40 fest. „Auf dem Ersten Allgemeinen Deutschen Lehrertag, abgehalten 1876 in Erfurt forderte der Vorsitzende, Julius Beeger zur umfassenden Anwendung der Prügelstrafe auf. Er nannte das ‚Regulativpädagogik‘ …“. 81Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.24. 82Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.22f. 83Die bis 1874 als Zulassung zur Maturitätsprüfung erforderliche Schulbesuchsdauer von acht Jahren konnte nach dreijähriger Elementarschulzeit entweder durch den Besuch einer isolierten Lateinschule (Schuldauer vier Jahre) mit anschließendem vierjährigen Besuch eines humanistischen Gymnasiums als Oberstufe der Lateinschulen mit Unterricht in Altgriechisch oder durch einen achtjährigen Besuch eines humanistischen Gymnasiums als Vollanstalt erfüllt werden.

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