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außerdem wichtige Beiträge zur Erfüllung der Schulpflicht durch das von der 1864 gegründeten Internationalen Arbeiterassoziation geforderte Kinderarbeitsverbot geleistet hatte, das in Deutschland auf Reichebene in drei Schritten bis zum Jahr 1903 für alle Betriebe komplett umgesetzt worden war, wurde die Entwicklung der Schulen ab 1890 auch von der bürgerlichen Frauenbewegung beeinflusst. Obgleich in Bayern bereits mit Ministerialverordnung vom 31. Januar 1836 verfügt worden war, dass die weibliche Jugend zukünftig vorzugsweise von Lehrerinnen unterrichtet werden sollte, um sicherzustellen, dass Mädchen auch eine weibliche Erziehung bekamen, hatte der Beruf der Lehrerin im Elementarschulbereich erst ab 1870 zunehmend an Bedeutung gewonnen, aber weder bei der Ausbildung noch bei der Berufsausübung zu einer Gleichstellung mit den Lehrern geführt.119 In diesem Zusammenhang avancierte Helene Lange nun zur Protagonistin der bürgerlichen Frauenbewegung,120 als sie 1887 in einer an das preußische Innenministerium gerichteten Petition mit einer Begleitschrift über die höhere Mädchenbildung eine Gleichstellung der höheren Mädchenbildung mit der höheren Knabenbildung und damit ein staatliches Engagement für höhere Mädchenschulen forderte. Bis dahin hatte es für Mädchen zwar überall - in Bayern seit 1802 - eine öffentliche Elementarunterrichtspflicht, aber keine weiterführenden öffentlichen Bildungsangebote gegeben. Die weiterführende Mädchenbildung war vielmehr ausschließlich Privatschulen überlassen geblieben,121 während es für die weiterführende Knabenbildung seit langem öffentliche Bürger- und Realschulen sowie humanistische Gymnasien gab und der Abschluss eines humanistischen Gymnasiums jungen Männern ein Universitätsstudium in allen Fächern ohne eine gegebenenfalls mögliche gesonderte universitäre Zulassungsprüfung ermöglichte. Während sich der preußische Staat als Adressat der Petition von Helene Lange erst 1908 dazu verpflichtete, für die höhere Mädchenbildung zu sorgen und damit Frauen

119Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch zur Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 2: Ge-

schichte der Schule in Bayern von 1800 bis 1918, Heilbrunn 1993, S.301. Siehe auch ebd., S.79f.: Trotz der Ministerialverordnung vom 31. Januar 1836 war der Anteil der Elementarschullehrrinnen bis Anfang der 1850er Jahre gering geblieben und sogar leicht gesunken. Wurden im Schuljahr 1835/36 in Bayern noch 7.493 Lehrer und 439 Lehrerinnen (= 5,86 %) gezählt, waren es im Schuljahr 1851/52 insgesamt 7.184 Lehrer und 310 Lehrerinnen (= 4,13 %). Abgesehen von dem in den Jahren 1814 bis 1819 und 1822 bis 1829 existierenden Lehrerinnenseminar in München erfolgte die Ausbildung zur Lehrerin ausschließlich auf privatem Wege. Außerdem erhielten Lehrerinnen damals nur zwei Drittel des Gehalts eines Lehrers und konnten ihren Beruf nur solange ausüben, solange sie nicht verheiratet waren. 120Helene Lange (1848-1930) hatte als Tochter eines Kaufmanns nach einer privaten Lehrerinnenausbildung 1871 das Lehrerinnenexamen abgelegt und ab 1876 als Lehrerin und Leiterin der Seminarklasse der Crainschen Anstalt, einer privaten höheren Mädchenschule in Berlin gearbeitet. Nach ihrer Petition mit Begleitschrift an das Preußische Unterrichtsministerium 1887 gründete sie 1890 den Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverband. Von 1894 bis 1905 war sie im Vorstand des Bundes Deutscher Frauen und Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverbandes. Als das Reichsvereinsgesetz von 1908 Jugendlichen und Frauen den Beitritt zu politischen Vereinen und Parteien ermöglichte, trat Helene Lange zusammen mit anderen Frauenrechtlerinnen in die linksliberale Freisinnige Vereinigung ein, die 1910 in der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP) aufging. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Helene Lange zu den Mitgründerinnen der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) als Nachfolgepartei der FVP. Zusammen mit Gertrud Bäumer gab sie auch das Handbuch der Frauenbewegung (1901-1906) und bis zu ihrem Tod 1930 die Zeitschrift Die Frau (1893-1944) heraus. Vgl zur Biografie den Artikel Helene Lange, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 14.03.2017. 121Vgl. dazu den Artikel Mädchengymnasium, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 14.03.2017.

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