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Litowsk zu einem Friedenvertrag mit Russland, bei dem Deutschland große Gebietsgewinne im Osten erzielen konnte,170 doch ging der Krieg im Westen weiter. Als amerikanische, britische, französische und kanadische Truppen Ende September 1918 im Westen eine neue Großoffensive begannen und ein Durchbruch bis zur Reichsgrenze drohte, forderte die Oberste Heeresleitung die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen durch die Reichsregierung, die daraufhin umgebildet wurde. Neben Prinz Max von Baden als neuer Reichskanzler wurden Vertreter des katholischen Zentrums, der linksliberalen Fortschrittspartei und der Mehrheitssozialdemokratie, die im Juni 1917 im Reichstag eine Resolution für einen Verständigungsfrieden und eine Wahlrechtsreform verabschiedet hatten, in die Reichsregierung aufgenommen. In einer Note an Präsident Wilson akzeptierte Reichskanzler Prinz Max von Baden die vom amerikanischen Präsidenten im Januar 1918 genannten 14 Punkte für eine neue friedliche Weltordnung und bat um Vermittlung von Waffenstillstandsverhandlungen, worauf der Präsident durch den amerikanischen Außenminister erwidern ließ, dass dazu die Abdankung des Kaisers erforderlich sei. Trotz einer zweiten Note an Präsident Wilson, dass man alle genannten Bedingungen akzeptiere und eine Verfassungsreform zu einer parlamentarischen Monarchie mit allgemeinem Wahlrecht bereits durchgeführt habe, wurde die Revolution von oben nun durch eine Revolution von unten überholt.171 Die Revolution von unten begann am 3. November 1918 mit dem Matrosenaufstand in Kiel, wo Arbeiter- und Soldatenräte gebildet wurden, und breitete sich in den folgenden Tagen in ganz Deutschland aus. In München erfolgte sie am 7. November 1918, als nach einer Massendemonstration unter dem Motto „Frieden und Freiheit“, zu der MSPD und USPD gemeinsam aufgerufen hatten, die Anhänger der USPD zu den Kasernen zogen und die Soldaten aufforderten, sich ihnen anzuschließen. Danach ging es zum Landtag, wo der Freie Volksstaat Bayern ausgerufen und ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat gebildet wurde.172 Als die Nachricht von der Revolution in München am 8. November 1918 in Fürth eintraf, bildeten Vertrauensleute der MSPD, der USPD sowie der Fabrik- und Militärausschüsse bei einer Versammlung im Geismannsaal am Abend ebenfalls einen Arbeiterund Soldatenrat. Am 9. November 1918 veranstaltete der Arbeiter- und Soldatenrat eine Massenversammlung auf dem Schießanger, an der 50.000 bis 60.000 Menschen und damit fast die gesamte Einwohnerschaft der Stadt teilnahmen, und forderte dazu 170Zu den Gebietsgewinnen im Osten zählten Polen, Estland, Litauen, Lettland und fast das gesamte

Gebiet Weißrusslands. Gleichzeitig blieben Finnland und die Ukraine offiziell zwar selbstständig, unterlagen aber deutscher Kontrolle. Vgl.: Herfried Münkler, Der Große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918, Berlin 2013, 4. Aufl. 2014, Kapitel Das kurzlebige Ostimperium der Deutschen, S.661-674. 171Vgl. die Chronik in: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krummeich. Deutschland im Ersten Weltkrieg, Frankfurt/Main 2013, S.321-323. Ergänzend anzumerken ist, dass sich die Revolution von unten bereits bei den Januarstreiks 1918 angedeutet hatte, zu denen während der schleppend verlaufenden Friedensverhandlungen mit Russland in Brest-Litowsk USPD und MSPD aufgerufen hatten. So erklärte beispielsweise in Fürth der Gewerkschafter und Gemeindebevollmächtigte Koch (USPD) bei einer im Januar 1918 unter dem Motto „Frieden, Freiheit und Brot“ stattfindenden Versammlung vor 10.000 bis 12.000 Streikenden auf dem Linderhain, dass durch den Generalstreik ein Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen durch das werktätige Volk herbeigeführt werden solle, da es bis jetzt den Staatsmännern und Parlamenten nicht gelungen sei, den Völkern den Frieden zu bringen. Vgl.: DGBKreisvorstand Fürth (Hrsg.), Die Revolution 1918/19 in Fürth. Erster Weltkrieg, Revolution, Räterepublik, Fürth 1989, S.18 und Angaben zur Anzahl der Teilnehmer, S.19. 172Vgl.: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krummeich. Deutschland im Ersten Weltkrieg, Frankfurt/Main 2013, S.266-268.

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