Nürnberg fast das gesamte Nordbayern die Räterepublik abgelehnt hatte und die fränkischen Bauernräte mit Nahrungsmittelboykotten drohten. In dieser Situation wurde die Räterepublik in Fürth am 11. April 1919 auch auf einer Versammlung des Arbeiterund Soldatenrates abgelehnt und ihr Ende am 12. April 1919 durch Plakate bekanntgegeben.188 Der zweiten Räterepublik, die nach dem Scheitern der ersten Räterepublik in München am 13. April 1919 von Vertretern der KPD,189 der USPD und der südbayerischen MSDP unter dem Motto „Sowjetbaiern“ ausgerufen wurde, schloss sich Fürth nicht mehr an.190 Die Münchener Räterepublik wurde schließlich durch preußische und württembergische Reichswehrtruppen sowie republikanische und völkisch-nationale Freikorps am 2. Mai 1919 gewaltsam beendet.191 Nach der Niederschlagung der zweiten Räterepublik wurde schulpolitisch die bisherige autoritative Schulleitung mit Verordnung vom 5. Mai 1919 über die Bildung von Lehrerräten für das Volksschulwesen durch ein Mitwirkungsrecht aller Lehrerinnen und Lehrer ersetzt.192 Außerdem bildete Ministerpräsident und Kultusminister Hoffmann bis 31. Mai 1919 eine neue Regierung aus vier Vertretern der MSPD, darunter Martin Segitz aus Fürth als Sozialminister, und je zwei Vertretern der BVP und der DDP.193 Die Grundlage der Zusammenarbeit bildete das „Bamberger Abkommen“, mit dem sowohl die Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht als auch der Erlass zur Freistellung der Teilnahme am Religionsunterricht und an religiösen Übungen von allen Beteiligten gebilligt worden war, was innerhalb der BVP zu Differenzen führte.194 Außerdem war mit Ministerialentschließung vom 24. Mai 1919 für Mädchen die Möglichkeit geschaffen worden, ab dem Schuljahr 1919/20 eine höhere Lehranstalt für Knaben zu besuchen, um das Abitur für ein Hochschulstudium anzustreben, sofern am Ort keine abiturberechtigende Mädchenschule vorhanden war.195 In Fürth nahm daraufhin das humanistische Gymnasium an der Königstraße als einzige damals in der Stadt zum Abitur führende Schule nach Ablegen einer Aufnahmeprüfung
188Vgl.: Emil Ammon, Fürth, Düsseldorf 1984, S.70f. Siehe auch: DGB-Kreisvorstand Fürth (Hrsg.), Die
Revolution 1918/19 in Fürth. Erster Weltkrieg, Revolution, Räterepublik, Fürth 1989, S.35f. 189Die KPD war vom 30. Dezember 1918 bis 1. Januar 1919 in Berlin von Vertretern des 1916 gegrün-
deten und ab 1917 als linker Flügel der USPD angehörenden Spartakusbundes, den Bremer Linksradikalen und den Internationalen Kommunisten Deutschlands gegründet worden. Die revolutionären Obleute, die als Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes seit den Januarstreiks 1918 vor allem in der Metallindustrie aktiv gewesen waren, stießen mehrheitlich erst im Oktober 1920 zur KPD, als sich rund 300.000 und damit ein Drittel der USPD-Mitglieder der KPD anschlossen. Vgl.: Ossip K. Flechtheim, Die KPD in der Weimarer Republik, Offenbach 1948. 190Vgl.: Emil Ammon, Fürth, Düsseldorf 1984, S.71. 191Vgl.: Die Revolution 1918/1919, in: www.historisches-lexikon-bayerns.de, hier: Ausdruck vom 23.01.2019. Siehe dazu auch: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.28: „Für die Kriegsteilnehmer wurde im Januar 1919 ein Sonderkurs A gebildet, dessen Teilnehmer großenteils jedoch, ebenso wie die Oberklässler, schon an Ostern dem Aufruf zum Eintritt in ein Freikorps Folge leisteten …“ Im Festjahresbericht nicht erwähnt wurde allerdings, ob sie sich republikansuchen oder national-völkischen Freikorps anschlossen. 192Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.22. 193Vgl. den Artikel Kabinett Hoffmann II (Bayern), in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom .28.01.2019. 194Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.21. 195Vgl.: Ebd., S.33f.
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