am 15. Dezember 1926 einen einheitlichen Lehrplan für die bayerischen Volksschulen erließ, der aus der Idee der Bildung heraus gestaltet worden war sowie die zu Beginn der Hochindustrialisierung im 19. Jahrhundert eingeführten Kreislehrpläne ablöste und am 1. Mai 1927 in Kraft trat.241 Als am 12. Juli 1927 das Gewerbelehrerinstitut in München verselbständigt wurde, erlebte auch die berufliche Bildung eine grundlegende Reform. Statt der bisher für den Unterricht an Berufsfortbildungsschulen für Volksschullehrer/innen drei Monate dauernden Zusatzausbildung am Gewerbeinstitut wurden nun für Volksschullehrer/innen und für Techniker, die über den Abschluss einer höheren Staatslehranstalt verfügten, zweijährige Lehrgänge eingeführt. Am 29. September 1929 erließ das Kultusministerium dann die erste Bayerische Prüfungsordnung für Diplom-Handelslehrer. Da sich abzeichnete, dass fortan zunehmend Diplom-Handelslehrer/innen mit zweijähriger Ausbildung zur Verfügung stehen werden, erfolgte am 26. August 1930 die Umbenennung der 1913 eingeführten Berufsfortbildungsschulen in Berufsschulen.242 In der nach der Währungsreform 1923/24 einsetzenden Phase der wirtschaftlichen Stabilisierung erfolgten in Fürth auch wieder Investitionen in die kommunale Infrastruktur. Die größte Investition war dabei der bereits 1899 von einer Kommission empfohlene Neubau eines Krankenhauses, das nicht mehr wie das 1830 an der Schwabacher Straße errichtete alte Krankenhaus der Armenfürsorge für 30 Kranke, 100 Pfründner und als „Arbeitshaus“ (Beschäftigungsanstalt) für Arbeitslose diente,243 sondern ausschließlich für eine moderne medizinische und schwerpunktmäßig über die 1883 eingeführte gesetzliche Krankenversicherung (ursprünglich alle Arbeitnehmer/innen mit bis zu 2.000 Mark Bruttoarbeitsentgelt im Jahr) finanzierte Gesundheitsversorgung konzipiert und vom Stadtrat 1924 beschlossen worden war. Die Grundsteinlegung für das neue Krankenhaus auf der Schwand erfolgte am 28. Mai 1928. Die Einweihung fand im Juli 1931 statt.244 Mit dem Bau und der Fertigstellung der Jahnturnhalle Ecke Theresienstraße/Ottostraße 1927/28 und des Hans-Lohnert-Sportplatzes südlich der Jahnstraße 1928/29 wurden außerdem die Möglichkeiten für den Schul- und Vereinssport verbessert, da die Stadt fortan über insgesamt elf Schulturnhallen und zwei Schulsportanlagen sowie
241Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-
schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.64f. Die Diskussion über einen einheitlichen Lehrplan war bereits bei Amtsantritt von Kultusminister Matt im März 1920 durch einen an das Kultusministerium gesandten Beschluss des Bayerischen Lehrerrates über Richtlinien eines bayerischen Lehrplans angestoßen worden. Als die BVP-Landtagsfraktion im September 1922 erklärte, dass die Lehrplanfrage derzeit nicht akut sei, wurde von der Berufswissenschaftlichen Hauptstelle des Bayerischen Lehrerverbandes Ende Dezember 1922 eine ausführliche Denkschrift zu Lehrplanfragen an das Kultusministerium geschickt. Im Kultusministerium schaltete daraufhin der verantwortliche Leiter für das Volksschulwesen weitere Bildungsfachleute ein und stimmte nach längerer Diskussion in Expertengremien mit dem Bayerischen Lehrerverband bis Ende August 1926 einen Lehrplanentwurf ab, den Franz Xaver Goldenberger (BVP) als Nachfolger von Franz Matt (BVP) Mitte Dezember 1926 für verbindlich erklärte. „Mit dieser … aus der Idee der Bildung heraus gestalteten Lehrordnung begann eine neue Ära in der bayerischen Lehrplangeschichte“ (Ebd., S.65). 242Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.67. 243Gerd Walther, Hartmut Beck, Bild und Erinnerung. Fürther Luftaufnahmen 1916 bis 1945, Nürnberg 1998, S.98. 244Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.288f.
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