Franz von Papen und Adolf Hitler am 16., 18. und 21. Januar 1933 zu Abstimmungsgesprächen trafen und am 22. Januar 1933 auch Hindenburgs Staatssekretär Meissner und sein seit 1925 als Adjutant des Reichspräsidenten fungierender Sohn Oskar teilnahmen313 - die Weichen für eine in der Bevölkerung möglichst breit verankerte Regierung gestellt. Parallel zu den Gesprächen erklärten Reichskanzler von Schleicher und das gesamte Kabinett am 28. Januar 1933 ihren Rücktritt.314 Auf den Rücktritt reagierten der Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI), der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) und alle Gewerkschaften angesichts einer im Vergleich zur Vorkriegszeit um rund 40 % gesunkenen Industrieproduktion, einer Arbeitslosigkeit von 6 Millionen Personen und einer vom Berliner Institut für Konjunkturforschung im August 1932 festgestellten Tendenzwende in der Weltwirtschaft sogleich mit Schreiben an den Reichspräsidenten, in denen sie darauf hinwiesen, dass die ständigen politischen Krisen die wirtschaftliche Erholung gefährden.315 Nach einem weiteren Gespräch zwischen von Papen und Hitler am Vormittag des 29. Januar 1933 konnte Hermann Göring seinem Führer am Nachmittag melden, dass Hindenburg sich mit der Kanzlerschaft Hitlers einverstanden erklärt habe.316 Am 30. Januar 1933 wurde Hitler dann im Arbeitszimmer des Reichspräsidenten offiziell zum Reichskanzler ernannt, Vizekanzler und Reichskommissar für Preußen wurde Franz von Papen.317 In Fürth war die Entwicklung bei den Ergebnissen der Reichstagswahlen seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 und der Entmachtung des Reichstags im März 1930 ähnlich wie im Reich verlaufen:318 -
Die Stimmenanteile der am 30. Januar 1933 die Regierung der nationalen Erhebung bildenden Parteien der jüngeren (NSDAP) und älteren (DNVP) völkisch-nationalen Bewegung, die im Mai 1928 zusammen 18,3 % (Fürth) bzw. 16,8 % (Reich) betragen hatten, stiegen im September 1930 auf 26,3 % (Fürth) bzw. 25,8 % (Reich), Ende Juli 1932 auf 41,4 % (Fürth) bzw. 43,2 % (Reich) und verharrten im November 1932 bei 40,5 % (Fürth) und 42,0 % (Reich).
313Vgl.: Ebd., S.845. 314Vgl.: Ebd., S.851. 315Vgl.: Ebd., S.710 (Tendenzwende in der Volkswirtschaft) und S.853 (Schreiben des RDI, des DIHT
und aller Gewerkschaften). 316Vgl.: Ebd., S.857. 317Vgl.: Ebd., S.860. 318Vgl. dazu die in der folgenden Übersicht wiedergegebenen Angaben von: Heinrich Strauß, Fürth in
der Weltwirtschaftskrise und nationalsozialistischen Machtergreifung. Studien zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer deutschen Industriestadt 1928 bis 1933, Nürnberg 1980, Tabelle 2, S.461f.: Ergebnisse der Reichstagwahlen 1928 bis 1932 Stadt Fürth und Reich in % RT-Wahl RT-Wahl RT-Wahl RT-Wahl 20.05.1928 14.09.1930 31.07.1932 06.11.1932 Fürth Reich Fürth Reich Fürth Reich Fürth Reich 6,6 2,6 23,6 18,8 38,7 37,3 35,6 33,1 NSDAP 11,7 14,2 2,7 7,0 2,7 5,9 4,9 8,9 DNVP 51,1 23,8 43,3 24,5 35,3 21,6 34,4 20,4 SPD 4,9 10,6 8,0 13,1 13,9 14,3 15,0 16,9 KPD 5,4 15,2 5,7 14,6 5,8 15,6 5,4 15,0 BVP+Zentrum 5,6 4,9 3,1 3,8 0,9 1,0 0,9 1,0 DDP/DStP 6,4 4,5 5,8 3,9 0,5 0,4 0,5 0,3 Wirtschftspartei 3,7 8,7 1,9 4,5 0,6 1,2 1,2 1,9 DVP
72