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der gesamten Mädchenoberschule wurde deshalb an die Oberschule für Jungen an der Kaiserstraße verlegt, wo er allerdings an fünf Nachmittagen nur eingeschränkt für jeweils vier Stunden stattfinden konnte.457 Außerdem hatte die Bomberoffensive der amerikanischen und britischen Luftstreitkräfte in Deutschland dazu geführt, dass die Kinderlandverschickung - die ursprünglich vor dem Ersten Weltkrieg durch Spenden und Stiftungen für bedürftige Stadtkinder zur Erholung auf dem Land eingeführt, nach dem katastrophalen kriegsbedingten Hungerwinter 1916/17 ab 1917 von der Reichszentrale Landaufenthalt für Stadtkinder in großem Stil bis 1932 organisiert, von den Nationalsozialisten ab 1933 in das Hilfswerk Mutter und Kind der NSV übernommen und 1940 auf eine erweiterte Kinderlandverschickung für über 10-Jährige ausgedehnt worden war458 - zunehmend als Mittel zur Evakuierung von Müttern mit kleinen Kindern sowie von älteren Kindern und Jugendlichen aus angegriffenen oder gefährdeten Großstädten genutzt wurde.459 Als die Kreisleitung der NSDAP in Fürth im April 1944 anordnete, die Mädchenoberschule am Tannenplatz zusammen mit allen Lehrer/innen und Schülerinnen in ein Kinderlandverschickungslager bei Danzig zu verlegen, wo der in Fürth geborene und 1934 zum Ehrenbürger ernannte Albert Forster seit 1930 Gauleiter und seit 1939 Reichsstatthalter war, weigerten sich Schulleitung und Elternschaft in einer öffentlichen Versammlung, der Anordnung nachzukommen,460 worauf die Verlegung unterblieb und die Schülerinnen weiterhin nachmittags an der Oberschule für Jungen an der Kaiserstraße eingeschränkt unterrichtet werden mussten. Durch die am 6. Juni 1944 erfolgte Landung der Alliierten in der Normandie - die seit Hitlers Kriegserklärung an die USA am 11. Dezember 1941 von den Amerikanern und Briten systematisch vorbereitet und seit der vom 14. bis 24. Januar 1943 stattgefundenen Konferenz in Casablanca mit der Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation verbunden worden war – sowie eine Mitte Juni 1944 eröffnete Großoffensive der Sowjetunion an der Ostfront begann der Endkampf mit Hitlers Regime. Bei ihrem Vormarsch erreichten die sowjetischen Truppen Ende Juli 1944 auch die Stadt Lublin und den in der Nähe liegenden Ort Majdanek, wo das östlichste Vernichtungslager der

457Vgl.:

Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.32. 458Vgl.: Christoph Sachße, Florian Tennstedt. Der Wohlfahrtsstaat im Nationalsozialismus. Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Band 3, Stuttgart, Berlin, Köln 1992, S.129. Ergänzend anzumerken ist, dass für die Kinderlandverschickung bei unter zehnjährigen Kindern die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) und bei über zehnjährigen Kindern und Jugendlichen je nach Geschlecht entweder die Hitlerjugend (HJ) oder der Bund Deutscher Mädel (BDM) zuständig war. Diese Arbeitsteilung hing damit zusammen, dass im Nationalsozialismus die Leistungen des Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt vom 9. Juli 1922, das am 1. April 1924 in Kraft getreten war, für den Bereich der Jugendfürsorge (heute Jugendhilfe) in die Zuständigkeit der NSV und für den Bereich der Jugendpflege (heute Jugendarbeit) in die Zuständigkeit der HJ (Jungen) bzw. des BDM (Mädchen) fielen. Gleichzeitig waren die kommunalen Jugendämter personell äußerst schwach besetzt und beschränkten sich auf hoheitliche Aufgaben wie das Ausstellen von Pflegeerlaubnissen mit amtlichen Stempeln oder die Überprüfung von Einrichtungen, wobei vor allem die aus der Weimarer Republik übernommenen Einrichtungen freier Träger schlechte Karten hatten, weil ihnen durch neu eingeführte Verwaltungsvorschriften gerne die Betriebsgenehmigungen entzogen und die Einrichtungen zur ordnungsgemäßen Ausstattung und Führung der NSV bzw. der HJ oder dem BDM übergeben wurden. 459Bis Kriegsende evakuierte die Reichsdienststelle KLV ungefähr 2 Millionen Kinder und versorgte dabei vermutlich 850.000 Schüler/innen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren, aber auch ältere in KLVLagern. Gleichzeitig wurden die Jüngeren mit Lebensmittelkarten und für 2 RM je Tag vor allem bei Pflegefamilien in ländlichen Regionen untergebracht. Vgl. den Artikel Kinderlandverschickung, in. www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 22.11.2019. 460Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.32.

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