Während des Vormarsches in Süddeutschland kam es am 5. und 8. April 1945 in Fürth zu Luftangriffen.475 Als amerikanische Truppen am 14. April 1945 Neustadt/Aisch und Höchstadt/Aisch erreichten, gab das Ernährungsamt in Fürth noch einmal Gefrierfleisch und Butter aus. Außerdem wurden in der Stadt vom 12. bis 17. April 1945 sukzessive alle Brücken und Stege über die Rednitz, die Pegnitz und den Ludwig-DonauMain-Kanal gesprengt. Im Zuge ihres großen Umfassungsangriffs auf Nürnberg als Stadt der Reichsparteitage überschritten die Amerikaner am 17. April 1945 bei Vach die Regnitz. Am 18. April 1945 rückten sie über Burgfarrnbach auf Oberfürberg und die Westvorstadt vor und erreichten bis zum Abend aus Westen zudem die Hardhöhe, den Scherbsgraben und das Eigene Heim. Die NSDAP-Kreisleitung hatte die Stadt schon in der Nacht des 17. April 1945 verlassen. Nun zogen am 18. April 1945 nachts auch Kampfkommandant Major Flierl und 2.500 zur Verteidigung vorgesehene Soldaten in Richtung Schweinau ab, wo sie am Vormittag des 19. April 1945 von amerikanischen Truppen gefangenen genommen wurden. In Fürth überschritten die Amerikaner an diesem Vormittag die Rednitz und standen mit einigen Panzern bereits am Obstmarkt, als ein amerikanischer Offizier durch einen 70-jährigen Einwohner Kontakt zum kommissarischen Oberbürgermeister Dr. Häupler aufnehmen ließ und ihn mit dem Hinweis, ansonsten Bomberverbände herbeizurufen, zur Übergabe der Stadt aufforderte, worauf Dr. Häupler am 19. April 1945 gegen 11 Uhr der Übergabe zustimmte und per Bekanntmachung dafür sorgte, dass alle Häuser mit weißen Fahnen versehen wurden.476 Danach nahmen die Amerikaner am 20. April 1945 Nürnberg ein, führten am nächsten Tag eine große Siegesparade auf dem Hauptmarkt durch und sprengten am 22. April 1945 das große Hakenkreuz auf der Haupttribüne des Reichsparteitagsgeländes. Während in Nürnberg 90 % der Gebäude zerstört und 8.076 Luftkriegstote zu beklagen waren und bei den letzten Kämpfen noch 371 Zivilisten ihr Leben verloren hatten,477 waren in Fürth durch den Zweiten Weltkrieg insgesamt 2.553 Gefallene, 2.078 Verwundete und 448 Luftkriegstote zu verzeichnen sowie 2.537 der 24.733 Wohnungen und damit 10,3 % aller Wohnungen zerstört worden.478 Zu den letzten Kriegsopfern in Fürth zählte auch die Turnhalle des humanistischen Gymnasiums an der Königstraße, die nach einem Beschuss der gegenüber liegenden Pegnitzaue am Espan mit einem durch Angehörige der Hitlerjugend am unterhalb des humanistischen Gymnasiums liegenden Pegnitzufer in Stellung gebrachten Maschinengewehr am Nachmittag des 18. April 1945 sogleich durch einen gezielten Artilleriebeschuss in Brand geraten und trotz aller Löschversuche der benachbarten Feuerwehr völlig ausgebrannt war.479 Die weiteren materiellen und immateriellen Kriegsschäden und Kriegsfolgen im Schulund Bildungswesen wurden erst nach der am 8. Mai 1945 gegenüber den USA und Großbritannien und am 9. Mai 1945 gegenüber der Sowjetunion unterzeichneten bedingungslosen Kapitulation des Großdeutschen Reiches deutlich. Sie stellten die poli-
475Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S. 313. 476Vgl: Manfred Mümmler, 19. April 1945. Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Fürth, in: Fürther Hei-
matblätter, Nr.1/1985, S.1-12. Sieh auch: Gottlieb Wünschel, Die Kapitulation von Fürth am 19. April 1945, in: Fürther Heimatblätter, Nr.1/1965, S.7-16. 477Vgl.: Klaus-Dietmar Henke, Die amerikanische Besetzung Deutschlands, München 1996, S.794. 478Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S. 313. 479Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.33 und S.127f.
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