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deutsch-militaristisch empfundenen typisch deutschen Charakters durch Reeducation und Reorientation stattfinden müsse.488 Wie überall in der amerikanischen Besatzungszone kam es nach der bedingungslosen Kapitulation und der Übernahme der obersten Regierungsgewalt durch die vier Alliierten auch in Fürth zu einer personellen Erneuerung und Entnazifizierung der Verwaltung. Entsprechend den Richtlinien im Handbuch des Supreme Headquarter Allied Expeditionary Forces (SHAEF) sollten die Leitungsfunktionen mit Personen demokratischer Parteien aus der Zeit der Weimarer Republik besetzt und alle Personen aus dem öffentlichen Dienst entlassen werden, die vor dem 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP geworden waren. Durch eine neue Direktive des SHAEF vom 7. Juli 1945 wurde die Entlassung aus dem öffentlichen Dienst auf alle Personen ausgedehnt, die vor Inkrafttreten des Reichsbeamtengesetzes am 1. Mai 1937 Mitglied der NSDAP geworden waren. Während nach der ursprünglichen Regelung bei der Stadtverwaltung in Fürth bis Ende Juni 1945 lediglich 75 bis 80 Bedienstete betroffen gewesen wären, stieg die Anzahl der zu entlassenden Personen durch die Neuregelung bis Ende September 1945 auf insgesamt 169 Beamte, 100 Angestellte und 68 Arbeiter.489 In den Strudel der Entlassungen durch die Ausdehnung des Parteieintrittsdatums von der Zeit vor dem 1. Mai 1933 auf die Zeit vor dem 1. Mai 1937 geriet in Fürth nun auch der am 20. April 1945 vom amerikanischen Stadtkommandanten zum kommissarischen Oberbürgermeister ernannte und nach einer Besprechung mit den vor 1933 führenden örtlichen Sozialdemokraten Johann Schmidt,490 Konrad Eberhard491 und Hans Rupprecht492 im Mai 1945 von Captain Cofer im Amt bestätigte Adolf Schwiening (1882-1963). Dieser war nach einem Jurastudium in München, Berlin und Erlangen 1913 als Assessor nach Fürth gekommen, 1917 Rechtsrat und 1919 berufsmäßiger Stadtrat, 1937 NSDAP-Mitglied und 1939 Stadtkämmerer geworden.493 Gegen die Bestätigung von Schwiening hatte das Counter Intelligence Corps (CIC) als militärischer 488Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.481. Dabei wurde im Rahmen der Entmilitarisierung durch das Kontrollratsgesetz Nr.46 vom 25. Februar 1947 auch Preußen als Staat aufgelöst. Seine Gebiete waren in den Westzonen bereits 1946 bei der Gründung der Länder an einzelne Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verteilt und im Osten entweder Polen zugeschlagen oder wie Ostpreußen unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellt worden. 489Vgl.: Hans Woller, Gesellschaft und Politik in der amerikanischen Besatzungszone. Die Region Ansbach und Fürth, München 1986, Abschnitt Die politische Säuberung des öffentlichen Dienstes, S.95111, hier: S.99-101. 490Johann Schmidt (1872-1952) war ab 1889 Mitglied des Holzarbeiterverbandes und ab 1895 der SPD gewesen. Zusammen mit Hans Böckler (1875-1951) hatte er 1902 die örtliche Allgemeine Ortskrankenkasse gegründet, deren Direktor er bis zu seinem Ruhestand 1934 blieb. Außerdem war Johann Schmidt ab 1902 Gemeindebevollmächtigter, ab 1911 Magistratsrat, ab 1919 Stadtrat und von 1930 bis 1933 Zweiter Bürgermeister der Stadt Fürth gewesen. Vgl. den Artikel Johann Schmidt, in: www.fuerthwiki.de, hier: Ausdruck vom 06.05.2020. 491Konrad Eberhard (1876-1945) war 1919/20 und von 1927 bis 1933 Landtagsabgeordneter sowie Stadtrat der SPD und 1933 sowie 1944 KZ-Häftling in Dachau gewesen. Er starb am 16. September 1945 in Fürth an einer Wurstvergiftung. Vgl. den Artikel Konrad Eberhard, in: www.fuerthwiki.de, hier: Ausdruck vom 07.05.2020. 492Hans Rupprecht (1882-1955) war ab 1919 Stadtrat und ab 1927 Vorsitzender der Baugenossenschaft Eigenes Heim, von 1930 bis 1933 Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, die bei der Kommunalwahl im Dezember 1929 mit 19 von 40 Sitzen die absolute Mehrheit nur knapp verfehlt hatte, sowie 1933 für ein Jahr und 1944 für vierzehn Tage KZ-Häftling in Dachau gewesen. Vgl. den Artikel Hans Rupprecht, in: www.fuerthwiki.de, hier: Ausdruck vom 07.05.2020. 493Vgl. den Artikel Adolf Schwiening, in: www.fuerthwiki.de, hier: Ausdruck vom 05.05.2020.

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