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Abschirmdienst der US-Armee zwar von Anfang an Einwände erhoben, doch als ab Juli 1945 der 1. Mai 1937 das entscheidende Datum für die automatische Entlassung von NSDAP-Mitgliedern aus dem öffentlichen Dienst wurde, begannen auch politisch Verfolgte aus den Reihen der örtlichen KPD gegen Schwiening zu mobilisieren, weshalb dieser am 6. August 1945 als Oberbürgermeister zurücktrat und Johann Schmidt (1872-1950) als 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängter ehemaliger Zweiter Bürgermeister zum kommissarischen Oberbürgermeister ernannt wurde.494 Ebenfalls in den Strudel der Entnazifizierung geriet in Bayern der am 28. Mai 1945 nach einer von Kardinal Michael von Faulhaber (1869-1952) erbetenen Vorschlagsliste von der amerikanischen Militärregierung zum Ministerpräsidenten ernannte ehemalige Landtagsabgeordnete (1920-1933) und Parteivorsitzende der BVP (1929-1933) Fritz Schäffer (1888-1967), der 1933 von den Nationalsozialisten verhaftet, 1934 wieder freigelassen und nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 als Mitverdächtigter in das KZ Dachau gebracht worden war.495 Als Ministerpräsident kritisierte Schäffer in einer Denkschrift an den Chef des Military Government for Bavaria, General George Smith Patton (1885-1945 durch einen Verkehrsunfall), die Pauschalentlassungen von Beamten, weil diese nur an der formalen Parteimitgliedschaft, aber nicht auch an der persönlichen Verantwortung und Schuld orientiert seien. Da General Patton die Kritik Schäffers teilte, wurde er von Oberbefehlshaber Eisenhower zu einer Konferenz am 28. September 1945 in Frankfurt gebeten, „in der Eisenhower entschied, ‚dass Schäffer und die Minister sofort zu entlassen seien‘. Wenige Tage später wurde auch Patton abgelöst und Brigadegeneral Walter J. Muller zum Chef der OMGB (Office of Military Government for Bavaria) ernannt.“496 Nachfolger als bayerischer Ministerpräsident wurde Wilhelm Hoegner (1987-1980),497 der sich 1919 der SPD angeschlossen hatte, von 1920 bis 1933 Landtagsabgeordneter, von 1929 bis 1933 auch Reichstagsabgeordneter gewesen, 1933 ins Exil nach Österreich und ab 1934 in die Schweiz gegangen war.498 Kultusminister wurde Franz Fendt (1892-1982), der von 1914 bis 1929 als Volksschullehrer und ab 1929 als Berufsschullehrer tätig gewesen war, sich 1927 der SPD angeschlossen hatte und im Juni 1945 von der amerikanischen Militärregierung mit dem Neuaufbau des Schulwesens in Oberbayern beauftragt worden war.499 Da in Deutschland 1937 immerhin 97 Prozent aller Lehrer/innen dem NSLB angehört hatten und 32,2 Prozent auch Mitglieder der NSDAP gewesen waren, wurden bei der Entnazifizierung des öffentlichen Dienstes aus dem Schulbereich in Bayern immerhin 50 Prozent aller Lehrer, darunter etwa 9.000 Volksschullehrer entlassen.500 Neben der Entlassung unterlagen die Lehrer höherer Schulen zudem einer verschärften Entnazifizierung, bei der vom Counter Intelligence Corps (CIC) die zum Kriegsdienst Eingezogenen und auch Studienräte in die automatic-arrest-Kategorie eingeordnet wurden und automatische Inhaftierungen erfolgten.501

494Vgl.: Hans Woller, Gesellschaft und Politik in der amerikanischen Besatzungszone. Die Region Ans-

bach und Fürth, München 1986, S.76f. 495Vgl. den Artikel Fritz Schäffer, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 05.05.2020. 496Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.549 und 552. 497Vgl.: Ebd., S.556. 498Vgl. den Artikel Wilhelm Hoegner, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 19.05.2020. 499Vgl. den Artikel Franz Fendt, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 07.05.2020. 500Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.551. 501Vgl.: Ebd., S.515.

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