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Gleichwohl lehnte die Militärregierung nicht nur den ersten, sondern am 23. Dezember 1947 auch den im Juni 1947 bei Kultusminister Hundhammer angeforderten zweiten Schulreformplan ab,548 da die beiden Pläne nicht annähernd den amerikanischen und alliierten Vorstellungen entsprachen. Dazu hatte der Alliierte Kontrollrat am 29. Juni 1947 die Direktive Nr.54 mit zehn Grundprinzipien zur Bildung in Deutschland und am 28. Oktober 1947 die Direktive Nr.56 mit den Grundprinzipen der Erwachsenenbildung in Deutschland veröffentlicht, mit denen die Besatzungsmächte ihr einvernehmliches Interesse an einer Bildungsreform verdeutlichten. Die Reformabsichten wurden von der amerikanischen Militärregierung anschließend über Rundfunksendungen und in einer Serie von Präsentationen näher erläutert und umfassten folgende Punkte: -

Gleiche Bildungschancen, Schulgeld- und Lernmittelfreiheit für alle sowie Unterhaltsstipendien für bedürftige Schüler/innen und Student/innen, Pflichtvollzeitschule für Sechs- bis Fünfzehnjährige sowie Pflichteilzeitschule für Fünfzehn- bis Achtzehnjährige, Einführung eines Gesamtschulsystems mit einer Grundstufe und einer Sekundarstufe, Betonung der staatsbürgerlichen Erziehung und einer demokratischen Lebensführung, der internationalen Verständigung sowie der Respektierung anderer Nationen und Sprachen, Vorkehrungen für eine Erziehungs- und Berufsberatung sowie eine Gesundheitsfürsorge und -erziehung, Lehrerausbildung auf Universitätsniveau und Einführung der Mitbestimmung bei der Organisation und Verwaltung der Schulen.549

Zugleich wünschten die Amerikaner eine Erleichterung des Wechsels zwischen den Schullaufbahnen und Schulen sowie eine generelle Erweiterung des Anteils des gesellschaftlichen Unterrichts (social studies). Außerdem sollte das Curriculum der akademisch orientierten Sekundarstufe durch Möglichkeiten einer allgemeinen Berufserfahrung ergänzt werden und die Berufsschule zugleich Gelegenheit zum Erwerb allgemeiner Bildung bieten.550 Damit war vom Alliierten Kontrollrat einschließlich der Amerikaner ein Programm festgelegt worden, dessen Umsetzung die bildungspolitische Entwicklung in der Bundesrepublik, in Bayern und in Fürth bis Mitte der 1970er Jahre und partiell sogar noch über die Jahrtausendwende hinaus beeinflussen sollte. Während im Zuge des Wiederaufbaus und der Neustrukturierung des Bildungswesens die Kontroverse zwischen dem Freistaat Bayern und der amerikanischen Militärregierung weiterschwelte, waren in Fürth schon einige der in den Direktiven Nr.54 und Nr.56 des Alliierten Kontrollrats und in den Erläuterungen der amerikanischen Militärregierung 1947 formulierten Aspekte umgesetzt worden. Im Sinne der gewünschten Vorkehrungen für eine Erziehungs- und Berufsberatung hatte die Stadt Fürth bereits 1946 einen promovierten Fachpsychologen beauftragt, „Schulversagern durch Beratung zu einer individuellen Förderung und Laufbahnlenkung zu verhelfen“.551 Zudem war

548Vgl. dazu im Einzelnen: Ebd., S.572-576. 549Vgl.: Ebd., S.531. 550Vgl.: Ebd., S.500f. 551Erziehungs- und Familienberatungsstelle Fürth, 60 Jahre, 1952 bis 2012, Fürth 2012, S. 2. Der pro-

movierte Fachpsychologe wurde später in die mit Stadtratsbeschluss vom 3. April 1952 gegründete

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