und über 8.000 Beschäftigte verfügte - bis 1964 zum größten Versandhaus Europas. Außerdem wurden durch den allgemeinen Wirtschaftsaufschwung auch die traditionellen Fürther Industriezweige wie die Glasherstellung (DETAG), die Spielwarenherstellung (Mangold/GAMA und Neuhierl/CARRERA), die Metallpulverherstellung (Eckart), die Prägefolienproduktion (Kurz) und das Baugewerbe (Röllinger und Schönwasser) auf einen Erfolgskurs mit erheblichen Beschäftigungswirkungen gebracht.580 Dass eine positive wirtschaftliche Entwicklung auch qualifizierter Arbeitskräfte bedurfte, war in Bayern von der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern schon in einer Denkschrift vom 20. Oktober 1949 deutlich gemacht worden, in der sie auf die Bemühungen der Betriebe zur Herausbildung qualifizierten Nachwuchses verwies und zugleich ein gut ausgebautes Berufsschulwesen forderte. In dasselbe Horn stieß der Bayerische Handwerkertag, der bei jeder Gelegenheit auf die unzulänglichen Verhältnisse in den Berufsschulen hinwies.581 „Angesichts solcher Klagen aus Kreisen der Wirtschaft kam ab 1950 Bewegung in die Berufsschulreform.“582 Den Startschuss gab am 14. Juni 1950 die SPD mit einem von der FDP unterstützten Entwurf für ein Berufsschulgesetz, dem am 14. November 1950 kurz vor der Landtagswahl ein gleichnamiger Gesetzentwurf von Kultusminister Hundhammer folgte.583 Als nach der Landtagswahl vom 26. November 1950, bei der die CSU nur einen Stimmenanteil von 27,4 % erreicht hatte (SPD 28,0 %, Bayernpartei 17,9 %, Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten 12,3 %, FDP 7,1 % und WAV 2,8 %), eine Koalition aus CSU, SPD und BHE gebildet, Hans Ehard erneut zum Ministerpräsidenten gewählt und Josef Schwalber (1902-1969, CSU) zum Kultusminister ernannt wurde, verlor Alois Hundhammer zwar sein Ministeramt, wurde aber zum Landtagspräsidenten gewählt,584 so dass das 580Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007. S.336-343. Max Grundig (1908-1989)
hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die von ihm mit einem später ausgeschiedenen Geschäftspartner 1930 gegründete Firma Radio Vertrieb Fürth im Hof des Anwesens Jakobinenstraße 24 reaktiviert, die wegen des alliierten Fertigungsverbotes für Radiogeräte unter der Bezeichnung „Heinzelmann“ zunächst nur Radio-Baukästen herstellte. 1947 erwarb er von der Stadt Fürth das Grundstück des ehemaligen Kurbades an der Kurgartenstraße und ließ dort die ersten Fabrikhallen errichten, in denen 1949 rund 800 Beschäftigte bereits 12.000 Radiogeräte im Monat produzierten, womit die Firma, die das Fürther Stadtwappen (Kleeblatt) in das Firmenlogo integriert hatte, zum Marktführer wurde. Ab 1951 wurden auch Fernsehgeräte hergestellt. Bis 1952 avancierte die Firma dann zum größten Batteriehersteller in Europa und hatte bereits 6.000 Beschäftigte. Die 1938 in Nürnberg von Paul Metz (1911-1993) gegründete Firma Transformatoren- und Apparatebau Metz hatte 1939 das Fabrikgelände der ehemaligen Spiegelfabrik Wiederer an der Leyher Straße übernommen. Während des Zweiten Weltkrieges produzierte die Firma Metz dort Transformatoren, UKW-Empfangsanlagen und Spezialgeräte für die Wehrmacht. Nach Kriegsende brachte sie 1947 ein Radiogerät für MW- und LW-Empfang auf den Markt und hatte 1948/49 bereits 900 Beschäftigte. Neben Radioschränken und Fernsehgeräten baute die Firma Metz ab 1950 mit dem „Baby“ das kleinste Kofferradio der Welt, 1951 mit dem „Baby-Phon“ auch ein Kofferradio mit Plattenspieler und wurde mit dem 1952 für die Fotografie entwickelten MECA-Blitzgeräten in diesem Bereich sogar Marktführer in Europa. 581Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.729f. 582Ebd., S.730. 583Vgl.: Ebd., S.730. 584Vgl.: Ebd., S.700. Siehe dazu auch die Artikel Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten sowie Bayernpartei, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdrucke vom 09.07.2020. Der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) war nach Aufhebung des von den Alliierten erlassenen Parteigründungsverbots für Flüchtlinge, Vertriebene und Umsiedler im Januar 1950 in Schleswig-Holstein gegründet worden. wo er aufgrund des höchsten Flüchtlingsanteils an der Bevölkerung (33 %) bei der Landtagswahl 1950 immerhin 23,9 % der Stimmen erreichte und eine Koalition mit der CDU bildete. Neben seiner bis 1962 andauerten parlamentarischen Präsenz in Schleswig-Holstein war der BHE, der sich im November 1952 in Gesamtdeutscher Block/Bund der
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