Berufsschulgesetz vom 25. Mai 1953 trotz der personellen Wechsel weitgehend der kultusministeriellen Vorlage aus dem Jahr 1950 entsprach.585 Mit dem Berufsschulgesetz vom 25. März 1953 wurden die Gemeinden nun generell verpflichtet, ab einer bestimmten Anzahl von berufsschulpflichtigen Jugendlichen landwirtschaftliche, gewerbliche, kaufmännische und hauswirtschaftliche Berufsschulen einzurichten. Außerdem wurden die bislang für Berufsschulen rechtlich nicht präzisierten, sondern nach der jeweiligen Haushaltslage gewährten Sach- und Personalkostenzuschüsse gesetzlich in Höhe von 50 % der Sach- und Personalkosten festgelegt.586 Durch die Regelungen zu einem Berufsschulbeirat, in dem Eltern, Lehrer und die Wirtschaft vertreten waren,587 wurde schließlich das duale Berufsbildungssystem (praktische Ausbildung in den Betrieben sowie allgemeiner und fachtheoretischer Unterricht in den Berufsschulen), das sich seit der Jahrhundertwende sukzessive herausgebildet hatte, institutionell ergänzt und endgültig etabliert. Aufgrund der Vorgaben zur Errichtung von Berufsschulen und der mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wachsenden Anzahl von betrieblichen Ausbildungsverträgen wurde in Fürth 1953 sogleich das 1912 errichtete Gebäude der 1911 vom Gewerbeverein gegründeten und 1930 wegen mangelnder Nachfrage geschlossenen Handwerkerschule für die Holzindustrie zur Schreiner- und Holzbildhauerausbildung an der Turnstraße - das im März 1933 von der SA zur Internierung, Misshandlung und Folter ortsansässiger Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter und nach der Eröffnung des KZ Dachau im April 1933 bis März 1935 als „SA-Schule“ genutzt worden war588- zu einer gewerblichen Berufsschule umgebaut.589 Außerdem erhielt die landwirtschaftliche Berufsschule an der Jahnstraße 1955 einen Anbau an den
Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) umbenannte, in den 1950er Jahren auch im Bundestag (1953-1957) und in den Länderparlamenten von Baden-Württemberg (1952-1964), Bayern (1950-1962), Bremen (1951-1955), Hessen (1950-1962) und Niedersachsen (1951-1963) vertreten. Die am 28. Oktober 1946 in München gegründete Bayernpartei (BP) war eine bäuerliche und mittelständische sowie katholische, aber eher antiklerikale und liberale Partei, die bei den Kommunalwahlen am 30. Mai 1948 erstmals an Wahlen teilnahm. Mit der Forderung nach einer Eigenständigkeit des Freistaats Bayern und dem Slogan „Bayern den Bayern“ verstand sie sich als die einzig wirkliche bayerische Partei. Zwischen 1949 und 1953 war die Bayernpartei mit 17 Abgeordneten auch im, Bundestag vertreten, da sie bei der Bundestagswahl 1949 in Bayern 20,9 % der Stimmen erhalten und damit die damals nur auf ein Bundesland bezogene 10-%-Klausel übertroffen hatte. 585Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.730: „Dass vom Entwurf bis zur Verabschiedung drei Jahre vergingen, hatte vor allem finanzielle Gründe.“ 586Vgl.: Ebd., S.731. Landwirtschaftliche Berufsschulen waren zu errichten, wenn im Gebiet einer Gemeinde mindestens 60 berufsschulpflichtige Jugendliche in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt waren oder ohne berufliche Beschäftigung ihren Aufenthalt hatten. Gewerbliche, kaufmännische und hauswirtschaftliche Berufsschulen waren zu errichten, wenn im Gebiet einer Gemeinde zusammen mindestens 800 berufsschulpflichtige Jugendliche außerhalb der Landwirtschaft beruflich beschäftigt waren oder ohne berufliche Beschäftigung ihren Aufenthalt hatten. 587Vgl.: Ebd., S.967. 588Vgl. den Artikel Folter im Fürther KZ-Notgefängnis. NS-Herrschaft: Zum 90. Jubiläum der „Reichs(tags)brandverordnung“ ergaben Recherchen: In der Südstadt gab es ein illegales Internierungslager, in: Fürther Nachrichten vom 28.02.2023, S.27 (Lokalteil). Die Nutzung als „SA-Schule“ endete, als das Gebäude von der im März 1935 aus der Reichswehr hervorgegangenen Wehrmacht übernommen wurde. 1945 wurde es von den Amerikanern beschlagnahmt, die es 1952 an die Stadt zurückgaben. 589Vgl.: Max Eichler, Der Wiederaufbau des Fürther Schulwesens nach 1945, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.30-42, hier: S.37.
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