Hans-Lohnert-Sportplatz an die Stadt, der nach einer dringend erforderlichen Sanierung ab April 1954 wieder für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung stand.598 Außerdem erfolgte 1954 der Abbruch der am Nachmittag des 18. April 1945 und damit am vorletzten Kriegstag in Fürth nach einem gezielten Artilleriebeschuss völlig ausgebrannten Turnhalle des humanistischen Gymnasiums an der Königstraße.599 Bereits ein halbes Jahr nach dem Wiedereinzug der Mädchenoberschule mit angeschlossener Handelsschule in das Schulgebäude am Tannenplatz war im September an Gymnasien, Oberrealschulen und Mädchenoberschulen die 9. Jahrgangsstufe wiedereingeführt worden, wie sie bis 1936 bestanden hatte. Durch ministerielle Entschließung vom 27. Oktober 1952 wurde die Mädchenoberschule am Tannenplatz in ein Mädchenrealgymnasium mit Real- und Handelsschule umbenannt, wobei die Realschule als Unterbau des Realgymnasiums verstanden und für Schülerinnen angegliedert wurde, die nach der damals 6. Jahrgangsstufe mit einem Abschluss austreten wollten,600 um eine bezahlte berufliche Ausbildung aufzunehmen, für die eine Mittlere Reife erforderlich war. Durch die Umwandlung der Mädchenoberschule mit angeschlossener Handelsschule am Tannenplatz in ein Mädchenrealgymnasium mit angeschlossener Real- und Handelsschule wurde in Fürth versucht, dem nach 1945 allgemein zu verzeichnenden Trend nach einer Mittelschulbildung entgegenzukommen, ohne eine eigenständige Mittelschule errichten zu müssen.601
nach Johann Georg Kalb benannt … Später nennt man die gesamte Wohnsiedlung ‚Kalb-Housing‘. Das Schulgebäude selbst umfasst einen Kindergarten, eine achtklassige Elementary-School (…) und eine dreiklassige High-School und kann bis zu 1.000 Schüler aufnehmen.“ Siehe auch ebd., S.69: „Der amerikanische Stadtteil im Süden Fürths ist 1955 fertiggestellt. Auf 25 Hektar sind 87 Häuser mit 1.258 Wohnungen errichtet worden.“ Daneben eine Schule, ein Kino, eine Tankstelle sowie ein Einkaufszentrum für Lebensmittel (PX) und ein Kaufhaus ohne Lebensmittel (Commissary). 598Vgl.: Ebd., S.70f.: „Der Lohnert-Sportplatz hat anfangs als Truppenunterkunft für Fahrzeug-Einheiten der Amerikaner gedient. Wegen der besseren Tragfähigkeit für die schweren Fahrzeuge sind die Spielfelder mit Bauschutt aufgefüllt worden. Der Untergrund ist mit Öl durchtränkt. Ab 1947 ist der Sportplatz von der GYA genutzt worden.“ 599Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.37. 600Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.34f. 601Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.556, S.565 und S.735f. Während in Fürth schon länger keine Mittel- oder Realschulen mehr existierten, weil diese zu höheren Schulen befördert worden waren (Oberrealschule für Jungen ab 1920 und vollständige Mädchenoberschule ab 1941), hatte es in Bayern nach der ab Mai 1945 erfolgten Wiederzulassung der von den Nationalsozialisten 1938 aufgelösten kirchlichen Mädchenmittelschulen bis zum Schuljahr 1948/49 einen über die Volksschulbildung hinausgehenden Mädchenmittelschulboom gegeben. so dass Kultusminister Hundhammer die Gemeinden mit Bekanntmachung vom 23. Mai 1949 aufforderte, Mittelschulen nicht nur für Mädchen, sondern auch für Knaben zu errichten. Nach der von Kultusminister Hundhammer erlassenen Bekanntmachung zur Errichtung von Mittelschulen für Knaben und Mädchen vom 23. Mai 1949 sollte die eigenständige Mittelschule nach sieben Jahren Volksschule eine dreijährige Schuldauer haben und allgemeinen Unterricht mit Englisch als Fremdsprache anbieten. Unter berufsbezogenen Aspekten waren wirtschaftliche, handelskundliche, gewerbliche und landwirtschaftliche Zweige vorgesehen. Außerdem sollten in die Lehrpläne Maschinenschreiben und Stenografie sowie für Mädchen Hauswirtschaft aufgenommen werden (vgl. ebd., S.735). Mit der Richtlinie für die Umstellung dreiklassiger in vierklassige Mittelschulen vom August 1956 wurde dann die vorgeschaltete Volksschuldauer auf sechs Jahre verkürzt und die Mittelschuldauer auf vier Jahre verlängert, wobei die vierklassige Form den Vorteil hatte, dass sich die Schüler/innen nicht schon bei der Aufnahme, sondern erst nach einem Schuljahr für einen der vier berufsbezogenen Zweige entscheiden mussten (vgl. ebd., 736).
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