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Landesuniversitäten angeschlossen wurden, nach fast zehnjähriger innerbayerischer Diskussion umgesetzt.607 Ab Mitte der 1950er Jahre erfasste der Modernisierungsprozess des Schulwesens in Fürth auch die höheren Schulen. So nahm die Oberschule für Jungen (Oberrealschule) an der Kaiserstraße ab dem Schuljahr 1957/58 erstmals Mädchen auf.608 Am humanistischen Gymnasium an der Königsstraße wurden ab 1955 die aus dem Jahr 1896 stammenden feststehenden Bänke und Tische sukzessive durch flexible Stühle und Tische sowie 1961 die Kohleöfen in den Klassenräumen durch eine Gaszentralheizung ersetzt.609 Trotz der Modernisierung des Mobiliars und der Heizung konnte dort offensichtlich kein Wohlfühlklima geschaffen werden, weil der Schulalltag noch stark von traditionellen Leitbildern beherrscht wurde. „Der Abstand zwischen Schülern und Lehrern wurde deutlich, denn auch der junge Assessor musste mit ‚Herr Professor‘ angesprochen werden… Auch die Lehrer untereinander waren sich ihrer Würde wohl bewusst… Die älteren Kollegen mussten von den jüngeren ebenfalls mit ‚Herr Professor‘ angesprochen werden, und es ist belegt, dass Verstöße dagegen vom

607Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.701-714. Die von Juni 1945 bis April 1946 zur Kompensation des Lehrermangels, der durch die Entlassung und Entnazifizierung aller bis Mai 1937 der NSDAP beigetretenen Lehrer/innen entstanden war, an achtzehn Lehrerseminaren in Bayern eingerichteten Abiturientenkurse hatten zunächst eine Dauer von drei Monaten, die 1947 auf zwölf Monate verlängert wurde. Als die amerikanische Militärregierung im Rahmen der Auseinandersetzung um die Lehr- und Lernmittelfreiheit an allen Schulen und die Schulgeldfreiheit an höheren Schulen ab Schuljahresbeginn 1948/49 Neuaufnahmen an Lehrerseminaren untersagte, wurden von Kultusminister Hundhammer 1948 für Abiturient/innen pädagogische Lehrgänge mit einer Dauer von 18 Monaten eingeführt, die bestehenden Lehrerbildungsseminare in eine Kurzform der höheren Schulen umgewandelt und von seinem Nachfolger Josef Schwalber 1954 in Institute für Lehrerbildung umbenannt. Die anschließenden Reformversuche der nach der Landtagswahl vom 28. November 1954 unter Ministerpräsident Hoegner/SPD gebildeten „Viererkoalition“, die aus SPD, Bayerpartei, GB/BHE und FDP bestand, scheiterten an Einwänden der Universitäten München und Würzburg sowie der Kirchen. Der Durchbruch zu einer Reform gelang erst, als die Bayernpartei 1957 die „Viererkoalition“ verließ, um eine Koalition mit der CSU einzugehen, die diese allerdings mit dem GB/BHE und der FDP bildete. Zum Ministerpräsidenten der Koalition aus CSU, GB/BHE und FDP wurde der seit 1955 amtierende CSU-Parteivorsitzende Hanns Seidel (1901-1961) gewählt, zum Kultusminister der ebenfalls der CSU angehörende und seit 1952 als Professor für Öffentliches Recht an der Universität München tätige Theodor Maunz (1901-1993) ernannt. Gegen den am 3. Februar 1958 von der CSULandtagsfraktion als „Seidel-Plan“ vorgelegten Gesetzentwurf, der konfessionell ausgerichtete und den Universitäten zugeordnete Pädagogische Hochschulen vorsah, äußerten die Kirchen und die Universitäten keine Einwände mehr, so dass das Lehrerbildungsgesetz am 2. Juni 1958 vom Landtag verabschiedet werden konnte. „Damit wurden die so benannten Pädagogischen Hochschulen Augsburg, München und Regensburg der Universität München zugeordnet, die Pädagogischen Hochschulen Bayreuth und Nürnberg der Universität Erlangen und jene in Bamberg und Würzburg der Universität Würzburg angegliedert … Im Hinblick auf die konfessionelle Bindung waren Augsburg, Bamberg, Regensburg und Würzburg sowie die 1958 unter der Trägerschaft der Diözese Eichstätt errichtete nichtstaatliche PH Eichstätt katholisch ausgerichtet. Bayreuth und Nürnberg trugen evangelischen Charakter. Die PH München war eine Verwaltungseinrichtung zweier Hochschulen, einer katholischen und einer evangelischen“ (Ebd., S.714). 608Vgl.: Hardenberg-Gymnasium Fürth (Hrsg.), 175. Schuljahr. Festschrift und Jahresbericht 2007/2008, Fürth 2008, S.55f. Ergänzend anzumerken ist, dass der Mädchenanteil bis zum Schuljahr 1970/71 allerdings noch bescheiden blieb, da sich damals unter den 1.292 Schüler/innen lediglich 92 Mädchen (= 7,12 %) und unter den 103 Abiturient/innen nur fünf junge Frauen (= 4,85 %) befanden. 609Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.37.

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