dung entweder Erzieherinnen oder Elementarschullehrerinnen werden konnten. Alternativ konnten sie sich damals in Fürth nach drei Jahren höherer Mädchenschule durch einen Wechsel an die Handelsschule für Mädchen aber auch für kaufmännische oder administrative Tätigkeiten qualifizieren. Neu am gymnasialen sozialwissenschaftlichen Zweig war dagegen die zweite Pflichtfremdsprache, die anders als an den bis 1924 nur über eine Pflichtfremdsprache und keine qualifizierenden Abschlüsse (Absolutorien) verfügenden sechsjährigen höheren Mädchenschulen zum Erwerb des Abiturs erforderlich war. Da die Firma Grundig der Stadt Fürth für alle Schulen ein Sprachlabor geschenkt und im Volksschulgebäude an der Maistraße untergebracht hatte, begann in Fürth als neue Form eines technisch unterstützten Unterrichts in modernen Fremdsprachen im Schuljahr 1965/66 die Sprachlaborarbeit, wozu ein Arbeitskreis aus Vertretern aller Schulen gebildet wurde, um ein Konzept zu erstellen.672 Gleichzeitig wurden entsprechend den Vorgaben des Hamburger Abkommens in Bayern ab dem Schuljahr 1965/66 die Jahrgangsstufen an allen Schulen ausgehend von der 1. Jahrgangsstufe der Volksschulen fortlaufend durchgezählt, so dass es jetzt an Gymnasien nicht mehr die 1. bis 9. Klasse, sondern die 5. bis 13. Klasse, an Realschulen nicht mehr die 1. bis 4. Klasse, sondern die 7. bis 10. Klasse und an Handelsschulen nicht mehr die 1. bis 3. Klasse, sondern die 8. bis 10. Klasse gab.673 Zur Anpassung der Bezeichnungen der höheren Schulen an die Regelungen des Hamburger Abkommens erfolgte in Fürth am 14. April 1966 die Umbenennung des Humanistischen Gymnasiums an der Königstraße in Heinrich-Schliemann-Gymnasium mit humanistischem und neusprachlichem Zweig,674 danach die Umbenennung
672Vgl.: Ebd., S.38. 673Vgl.: Ebd., S.38. Siehe auch: Hans-Böckler-Schule, städtische Real- und Wirtschaftsschule (Hrsg.),
Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum, Fürth 2009, S.20: „In der Handelsschule erhalten die Klassen H1 bis H3 die Bezeichnung H8 bis H10.“ 674Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.40. Siehe auch den Artikel Heinrich Schliemann, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 14.03.2017. Heinrich Schliemann (1822-1890) war nach einem aus Geldmangel erzwungenen Abbruch des Gymnasiums, dem Besuch einer Realschule und dem aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Abbruch einer Lehre als Handelsgehilfe ab 1841 durch das Erlernen von Fremdsprachen (Niederländisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch) zunächst Korrespondent und Buchhalter in zwei niederländischen Handelshäusern geworden. Durch die Gründung eines eigenen Handelshauses in St. Petersburg 1847, der anschließenden Gründung einer Bank für Goldhandel während des Goldrausches in Kalifornien und Investitionen in amerikanische Eisenbahnprojekte 1850 bis 1852 sowie durch die Lieferung von Munitionsrohstoffen an die zaristische Armee während des Krim-Krieges 1853 bis 1856 wurde er dann ein erfolgreicher und reicher Kaufmann. Ab 1856 erlernte Heinrich Schliemann schließlich Latein und Altgriechisch, unternahm 1864 Studienreisen nach Asien und Mittelamerika und veröffentlichte 1865 ein Buch über China und Japan. Ab 1866 studierte er Sprachen, Literatur und Altertumskunde an der Sorbonne in Paris, unternahm 1868 seine erste Forschungsreise nach Griechenland und schrieb in Paris sein zweites Buch unter dem Titel Ithaka, der Peleponnes und Troja, das er zusammen mit seinem ersten Buch über China und Japan bei der Universität Rostock als Dissertation einreichte und zum Dr. phil. promoviert wurde. Danach ließ er von 1870 bis 1873 durch angestellte Arbeiter das alte Troja und von 1874 bis 1876 das alte Mykene freilegen, wodurch er zu einem Pionier der Feldarchäologie wurde. 1877 brachte er den in Troja gefundenen Schatz des Priamos zu einer Ausstellung nach London und veranlasste bis zu seinem Tod 1890 weitere Grabungen in Troja.
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