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Die außerparlamentarischen Aktivitäten in schul- und bildungspolitischen Fragen beeinflussten im Verlauf des Jahres 1967 zunächst die Abschaffung der Bekenntnisschulen. Dazu hatte die FDP-Landtagsfraktion schon vor der Landtagswahl am 20. November 1966 bei den Beratungen des Volksschulgesetzes - das vom Landtag am 17. November 1966 verabschiedet wurde und die Klassengliederung an allen Volksschulen (nur noch maximal zwei Jahrgangsstufen in einer Klasse) sowie den Religionsunterricht an Bekenntnisschulen für die konfessionelle Minderheit regelte - den Antrag auf eine Verfassungsänderung zur Abschaffung der Bekenntnisschulen gestellt, der von der absoluten CSU-Mehrheit im Landtag abgelehnt worden war.684 Wegen der Pläne zu einer Notstandsverfassung, die nach den 1958, 1960, 1963 und 1965 von den CDU/CSU- und CDU/CSU-FDP-Bundesregierungen vorgelegten und an der fehlenden parlamentarischen Zustimmung der SPD gescheiterten Entwürfen nun von der Großen Koalition mit Unterstützung der SPD verfolgt wurden, ging die FDP zuerst auf Bundesebene zu einem die parlamentarische Vertretung ergänzenden außerparlamentarischen Kurs über und beteiligte sich ab 1967 zusammen mit dem im August 1966 von der IG-Metall in Frankfurt/Main eingerichteten Kuratorium Notstand der Demokratie, das bereits im Oktober 1966 einen Kongress mit Verfassungsrechtlern über die Gefahren einer Notstandsverfassung veranstaltet hatte, und mit den übrigen DGBGewerkschaften, die die Notstandsverfassung ebenfalls ablehnten, an einem außerparlamentarischen Bündnis.685 Parallel begab sich die bayerische FDP nach dem Ausscheiden aus dem Landtag in schul- und bildungspolitischen Fragen ebenfalls auf einen außerparlamentarischen Kurs und startete 1967 ein Volksbegehren zur Abschaffung der Bekenntnisschulen, dem sich auch die mit 79 Mandaten im Landtag vertretene SPD anschloss. Daneben strebte jetzt die über die absolute Mehrheit im Landtag (110 Mandate) verfügende CSU-Fraktion im Einvernehmen mit den Kirchen - die aufgrund der seit der Zuwanderung von Flüchtlingen, Vertriebenen und Umsiedlern in der unmittelbaren Nachkriegszeit und der bis zum Mauerbau 1961 erfolgten Zuwanderung zahlreicher Menschen aus der DDR sowie der damit verbundenen Auflösung der einst in den einzelnen bayerischen Regionen hohen konfessionellen Homogenität zunehmend Probleme bei der Organisation ausschließlich katholisch oder evangelisch ausgerichteter Bekenntnisschulen bekommen hatten – ebenfalls ein Volksbegehren zu einer Christlichen Volksschule an. In diesem Zusammenhang erklärten der seit 1962 amtierende Ministerpräsident Alfons Goppel686 und Kultusminister Ludwig Huber am 16. November 1967 die

684Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.756. den Artikel Notstandsgesetze (Deutschland), in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 13.11.2020, Abschnitt Kritik an den Plänen. 686Alfons Goppel (1905-1991) hatte nach dem Abitur von 1925 bis 1929 in München Rechtswissenschaften studiert und wurde danach Rechtsanwalt in Regenburg sowie 1930 Mitglied der BVP. In der NS-Zeit übernahm er 1933 in Regensburg die Kanzlei eines nach Palästina geflohenen jüdischen Rechtsanwalts, wurde im November 1933 Mitglied der SA sowie nach Aufhebung des 1933 verhängten Aufnahmestopps 1937 Mitglied der NSDAP. Nach Kriegsteilnahme und dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Alfons Goppel Mitglied der CSU und 1947 zum Landrat in Aschaffenburg gewählt, aber vom bayerischen Innenministerium wegen seiner ehemaligen NSDAP-Mitgliedschaft nicht bestätigt. Nach der Gründung der Bundesrepublik wurde Alfons Goppel dann 1952 zweiter Bürgermeister der Stadt Aschaffenburg, von 1954 bis 1978 Landtagsabgeordneter der CSU und von 1962 bis 1978 auch bayerischer Ministerpräsident. In seiner Amtszeit als Ministerpräsident entwickelte sich Bayern endgültig von einem Agrar- zu einem modernen Industrie- und Flächenstaat. Vgl. den Artikel Alfons Goppel, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 06.11.2020. 685Vgl.

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