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bis Frühjahr 1968 vor allem durch die Lösung von Raumproblemen geprägt. Dabei wurden 1967 drei Klassen des humanistischen und neusprachlichen Heinrich-Schliemann-Gymnasiums an der Königsstraße in das Volksschulgebäude Rosenstraße verlegt.690 Anschließend beschloss der Stadtrat im Januar 1968, für das neusprachliche und sozialwissenschaftliche Helene-Lange-Gymnasium am Tannenplatz zwei Schulpavillons mit sechs Klassenräumen zu errichten, die im September 1968 fertiggestellt wurden.691 Bis zur Fertigstellung der beiden Schulpavillons im September 1968 hatte allerdings die Protestwelle einer Nachkriegsgeneration - die der NS-Zeit und den darin möglicherweise oder tatsächlich auf die eine oder andere Weise verstrickten über Dreißigjährigen („Trau keinem über dreißig“) äußerst kritisch gegenüberstand, mehr Demokratie und Mitbestimmung forderte und politisch zunehmend mobilisiert wurde692 - nach dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke am 11. April 1968 auch die Gymnasien in Fürth erreicht, vor denen Studentengruppen schon seit längerem immer wieder Flugblätter verteilt hatten. So organisierte nun beispielsweise die SMV am Heinrich-Schliemann-Gymnasium an der Königstraße in der Unterrichtszeit für die Ober- und Mittelstufe ein in der Studentenbewegung seit Jahren übliches TeachIn, das von der Schulleitung offiziell genehmigt wurde. Als anderntags mit einem Sit-In im Pausenhof der Zugang zum Schulgebäude blockiert und der Unterricht verhindert werden sollte, ordnete die Schulleitung sogleich an, dass in der folgenden Stunde in Dutschke am 11. April 1968 ausgelösten gewalttätigen „Osterunruhen“ sowie den Demonstrationen und Vorlesungsboykotten der Studierenden der Ingenieursschulen und Akademien gegen ihre Ausbildungssituation auch ein vom Kuratorium Notstand der Demokratie und der Kampagne für Demokratie und Abrüstung - in die sich die 1963 gegründete Kampagne für Abrüstung („Ostermarschbewegung“) 1968 umbenannt hatte - organisierter Sternmarsch auf Bonn mit 30.000 Teilnehmer/innen und eine parallel veranstaltete Großdemonstration des DGB in Dortmund am 11. Mai 1968 gegen die bevorstehende Verabschiedung der Notstandsverfassung. 690Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.40. 691Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.39. 692Vgl. dazu: Eckhard Siepmann u.a. (Hrsg.), Che, Schah, Shit. Die sechziger Jahre zwischen Cocktail und Molotow, Berlin (West) 1984, 208 Seiten mit Beiträgen und zahlreichen Abbildungen über den Mauerbau 1961, die Kuba-Krise 1962, die gesellschaftliche, wirtschaftliche, außen- und innenpolitische Situation der Bundesrepublik in den 1960er Jahren, den Contergan-Skandal, das Theater, das Kino und die Literatur der 1960er Jahre, die Rockmusik (Beatles, Rolling Stones u.a.), den Minirock, Twist und Twiggy, die wachsenden Plastikmeere, die Sexy Sixties (Titelfotos von Illustrierten mit barbusigen jungen Frauen und Aufklärungsfilme für Erwachsene von Oswald Kolle im Kino), die sexuelle Revolution, die Kommunen I und II in West-Berlin, die zunehmenden Wohngemeinschaften, die langhaarigen jungen Männer, die Kinderläden, die Anti-Schah-Demonstration und den Tod des Studenten Benno Ohnesorg (1940-1967) durch eine Polizeikugel in den Hinterkopf in West-Berlin am 2. Juni 1967, die Revolte gegen die traditionellen Riten und fehlenden studentischen Mitbestimmungsmöglichkeiten an Universitäten, das am 9. November 1967 von zwei Studenten einer Professorengruppe vorausgetragene Transparent „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“, den gegen den durch zunehmende Luftangriffe, Napalm- und Entlaubungsmitteleinsätze der USA eskalierenden Vietnamkrieg gerichteten Internationalen Vietnam-Kongress an der Technischen Universität in West-Berlin am 17./18. Januar 1968, die Ermordung des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King in Memphis/Tennessee am 4. April 1968 und die Black-Power-Bewegung in den USA, das Attentat auf Rudi Dutschke in West-Berlin am 11. April 1968, die Anti-Springer-Kampagne, den Mai 1968 in Frankreich (Studentendemonstrationen, Streiks der Gewerkschaften und Krawalle pour une vie meilleure – für ein besseres Leben), den Prager Frühling und sein Ende durch den Einmarsch von etwa 500.000 Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens in die Tschechoslowakei in der Nacht zum 21. August 1968, die Anfänge einer neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik, das Treibhaus einer neuen antiautoritären Philosophie, die Feststellung, dass die Mörder der NS-Zeit noch unter uns leben und sich nach wie vor mit ihren einst erhaltenen militärischen Orden und Auszeichnungen zu „Kameradschaftstreffen“ zusammenfinden, und die in der Nachkriegszeit geborenen und mit langen Haaren und in Hippie-Kleidung umherschweifenden „Haschisch-Rebellen“.

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