an sonstigen Schulen eingeführte Büchergeld womöglich den Wahlerfolg bei der im September 2008 anstehenden Landtagswahl gefährdete. Da der seit 1993 amtierende Ministerpräsident Edmund Stoiber im Januar 2007 zudem seinen Verzicht auf das Ministerpräsidentenamt für Herbst 2007 angekündigt hatte, wurde auf einer Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion am 29. September 2007 Innenminister Günther Beckstein zum Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt und zum Spitzenkandidaten der CSU für die Landtagswahl im September 2008 gewählt. Als designierter Ministerpräsident kündigte Günther Beckstein an, das Büchergeld ab dem Schuljahr 2008/2009 abzuschaffen und den Gemeinden die Erhebung für das laufende Schuljahr freizustellen, und wurde am 9. Oktober 2007 vom Landtag mit 122 von 178 Stimmen zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.987 Trotz der Abschaffung des unpopulären Büchergeldes erhielt die CSU bei der Landtagswahl am 28. September 2008 nur einen Stimmenanteil von 43,3 % (SPD 18,6 %, FDP 8,0 %, Grüne 9,4 %, Freie Wähler 10,2 %), womit sie sowohl die seit 1970 bestehende absolute Stimmenmehrheit bei bayerischen Landtagswahlen als auch die bereits seit 1962 bestehende absolute Mehrheit der Sitze im bayerischen Landtag verlor, weshalb Günther Beckstein nach diesem Wahldebakel auf eine erneute Kandidatur als Ministerpräsident verzichtete.988 Anders als bei der Landtagswahl im September 2008 war dagegen die politische Entwicklung bei der Kommunalwahl am 2. März 2008 in der Stadt Fürth verlaufen, wo Amtsinhaber Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung einen Stimmenanteil von 80,1 % erreicht und seinen 2002 erzielten Stimmenanteil von 53,3 % gewaltig übertroffen hatte. Mit einem Stimmenanteil von 54,2 % und 28 von 50 Mandaten erzielte außerdem die SPD erstmals seit 1972 wieder die absolute Mehrheit im Stadtrat.989 Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Dr. Jung wählte dieser am 7. Mai 2008 den seit 2002 amtierenden Vorsitzenden der SPD-Stadtratsfraktion, Markus Braun, zum neuen zweiten Bürgermeister und Referenten für Schule, Bildung und Sport,990 der sich nun um die Umsetzung zahlreicher schulischer Projekte kümmern musste, die noch in der Amtszeit von Bürgermeister und Schulreferent Hartmut Träger auf den Weg gebracht worden waren. Dazu zählten die von den Mitgliedern des Bauausschusses im Oktober 2007 verabschiedeten Pläne zum Neubau der Hauptschule Maistraße - der wegen der 987Vgl.
den Artikel Lernmittelfreiheit, Abschnitt Bayern, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 04.06.2020. 988Vgl. den Artikel Günther Beckstein, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 28.06.2022. Günther Beckstein (geb. 1943) hatte nach dem Abitur am Willstätter-Gymnasium in Nürnberg ab 1962 an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und München Rechtswissenschaften studiert, ab 1971 eine Rechtsanwaltskanzlei betrieben und war 1975 in Erlangen zum Dr. jur. promoviert worden. Von 1973 bis 1978 war er Bezirksvorsitzender der Jungen Union Nürnberg-Fürth und wurde bei der Landtagswahl im Oktober 1974, die mit einem Stimmenteil von 62,1 % der größte Wahlerfolg in der bisherigen Geschichte der CSU war, in den Landtag gewählt, dem er bis 2013 angehörte. In der Amtszeit von Ministerpräsident Edmund Stoiber war Günther Beckstein von 1993 bis 2007 außerdem bayerischer Innenminister, bevor er im Oktober 2007 zum bayerischen Ministerpräidenten gewählt wurde. 989Vgl.: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch der Stadt Fürth 2018. Nürnberg 2019, S.193 (Ergebnisse Fürther Stadtratswahlen) und S.194 (Ergebnisse Fürther Oberbürgermeisterwahlen). 990Markus Braun (geb. 1967) hatte ab 1974 die Grundschule an der Friedrich-Ebert-Straße und ab 1978 den neusprachlichen Zweig des Helene-Lange-Gymnasiums besucht, nach der Allgemeinen Hochschulreife 1987 von 1988 bis 1990 Zivildienst an der Kinderklinik in Fürth geleistet, von 1990 bis 1994 ein Studium für das Lehramt an Grundschulen an der Friedrich-Alexander-Universität ErlangenNürnberg, 1994 bis 1996 ein Referendariat an der Grund- und Hauptschule Pestalozzistraße absolviert und war ab 1996 Lehrer und ab 2006 Rektor an der Grundschule Rosenstraße geworden. Außerdem war er seit 1987 Mitglied der SPD, seit 1996 Stadtrat und ab 2002 Vorsitzender der SPDStadtratsfraktion. Vgl. den Artikel Markus Braun, in: www.fuerhwiki.de, hier: Ausdruck vom 01.07.2022.
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