TV-GESCHICHTE
Abb. 2: Erstes 100 Hz TV-Seriengerät Grundig M70-390/7 Text mit aufgeklappten Platinen der Feature Box (Bildspeicher, Steuerschaltung, AD- und DA-Converter). Das Kernforschungszentrum Karlsruhe erweiterte das Gerät um eine weitere Feature Box um 3D-Betrieb zu ermöglichen. (Maul, K.; Müller, G. 1987 TV-Bild ohne Flimmern Funkschau Heft 14, 1987, Franzis Verlag)
Rechts/Links-Flickereffekt entstehen, der das System Auge/ Gehirn erheblich belasten würde. Deswegen ermöglichte erst eine weitere technische Innovation in der Fernsehgerätetechnik, die sogenannte 100 Hz Technik, die Entwicklung eines akzeptablen 3D TV-Systems. Anstoß für die Entwicklung der 100 Hz Technik war das Großflächenflimmern bei Bildröhren. Dabei zeigten große helle Bilder oder Bildteile ein deutliches Flimmern. Die Ursache dafür lag in der zu niedrigen Bildwechselfrequenz. Physiologische Untersuchungen zeigten, dass bei Bildröhren Bildwechselfrequenzen von mindestens 70 Hz für eine
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flimmerfreie Bildwiedergabe erforderlich waren (damals schon Richtlinie für Bildschirmarbeitsplätze). Der Grundig Monolith 70-390/7, der ab Juli 1987 in limitierter Auflage produziert wurde, war nun als erstes Serien-Farbfernsehgerät mit 100 Hz-Technik ausgestattet. Um schnellstmöglich ein großflächenflimmerbefreites Gerät fertigen zu können, wurde auf die Verwendung von kundenspezifischen Schaltkreisen verzichtet. Deshalb mussten als Speicherschaltkreise digitale CCD-Speicher (317kbit) verwandt werden, da diese einen wesentlich geringeren Steueraufwand für die
mit Standard-Logik-Schaltkreisen aufgebaute Speichersteuerung erforderten. Dieser digitale CCDSpeicher (SAA 9001 von Valvo) besaß eine serielle Struktur. Dies bedeutete bei Verwendung in einem Bildfrequenzwandler (Scan Rate Converter) zur Halbbildverdopplung, dass zwei Halbbildspeicher benötigt wurden. Der eine wurde mit dem jeweils aktuellen „Sender“-Halbbild beschrieben, während der Inhalt des Anderen, der das vorherige Halbbild enthielt, zweimal auf dem Bildschirm dargestellt wurde. Bei 100 Halbbildwechseln in der Sekunde war selbst bei großen Helligkeitswerten kein Großflächenflimmern mehr erkennbar.
Rundfunk & Museum 91 – August 2016
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