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RADIO GESCHICHTE(N)

Bianca Bauer-Stadler Mischpult.

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dramatisch.­ Zwei­ Jahre­ volle­ Produktion­ ohne­ Genehmigung.­ Kannst du diesen Pioniergeist bitte­nochmal­schildern? BB-S: Wie oben schon erwähnt: diese Zeit des Wartens war nervenaufreibend,­da­mit­einer­Entscheidung­ der­ BLM­ zwar­ täglich­ gerechnet­ werden­ konnte,­ es­ zum Schluss aber keiner mehr so richtig­ glaubte.­ Nichtsdestotrotz­ waren die Erfahrungen dieser Monate­ –­ vor­ allem­ der­ zehn­ Monate­im­ Kabel­ mit­ Hörerkontakt­–­unbezahlbar.­Es­gab­uns­ Routine­und­Sicherheit­im­Umgang­ mit­ Technik­ und­ Hörern­ und­jede­Menge­„Spaß­an­der­ Freud“.­ Nicht­ zuletzt­ dieser­ Vorsprung spiegelte sich dann in den ersten Mediadaten wider,­ in­ denen­ Charivari­ ganz­ klar­ die­ meisten­ Hörer­ verzeichnen­konnte. R&M: Mit welcher Ausbildung bist­Du­an­diese­Aufgabe­herangetreten?­ Welche­ Rolle­ hat­ Michael­ Hans­ Haas,­ der­ Berater der ersten Stunde bei der Neuen­Welle­Franken­gespielt.

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BB-S: Oje­-­ich­bin­die­klassische­ Quereinsteigerin: Studium der Germanistik,­ Anglistik,­ Theaterwissenschaften,­ Staatsexamen,­ später­ Redakteurin­ bei­ Zeitung,­ Lektorin in einem Kinderbuchverlag,­ Pressesprecherin­ eines­ Unternehmens.­ Allerdings­ hatte­ ich bereits während des Studiums­und­auch­später­für­BR-Hörfunk-Produktionen­ gearbeitet­ und Radio schien mir immer das geeignete­ Medium,­ meine­ persönliche Neugier auf Menschen und Ereignisse mit der Liebe zur Sprache­ zu­ verbinden.­ Ich­ habe­ es­ jedenfalls­ keine­ Minute­ bereut,­ diese­ ersten­ Radiojahre­ erleben und mitgestalten zu dürfen.­ Nahezu­ unerlässlich­ waren­ diese Erfahrungen dann natürlich auch für mein anschließendes­„Fernsehleben“. Ein­ Wort­ zu­ Mike­ Haas,­ (wobei hier ein Wort deutlich zu wenig ist – über ihn kann man ein­ Buch­ schreiben).­ Also­ kurz­ gesagt:­ Mike­ Haas­ hat­ die­ Radiolandschaft­ geprägt­ wie­ kein­

Rundfunk & Museum 92 – Januar 2017

Zweiter – er führte das amerikanische­ Selbstfahrerstudio­ ein,­ das­ Sendeschema,­ die­ computergestütze­ Musikauswahl,­ die­ Verpackung­(Jingles­etc.),­die­Art­ der­Moderation­-­das­Formatradio­schlechthin.­Man­mag­heute­ davon­halten­was­man­mag,­aber­ diese­ Art­ von­ Broadcasting­ hat­ die­ private­ Radiowelt­ in­ Bayern­ geprägt und später auch die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft­zur­Nachahmung­gezwungen. R&M:­Wie­war­das­Privatradio­in­ den­ ersten­ Jahren­ redaktionell­ aufgestellt?­ Was­ waren­ Themen­ und­Formate? BB-S: Ach­ herrje,­ da­ liegen­ leider Welten zwischen damals und heute­ –­ wobei­ die­ derzeitigen­ wirtschaftlichen­Verhältnisse­der­ Sender­ natürlich­ berücksichtigt­ werden­müssen.­Aber­Fakt­ist:­die­ redaktionelle­ Berichterstattung­ hatte­einen­höheren,­um­nicht­zu­ sagen­hohen­Stellenwert.­Es­gab­ viel­ mehr­ lokale­ Nachrichten,­ gebaute­ Beiträge,­ Studiogäste,­ Telefoninterviews,­ mehr­ Redakteure_innen­ schlechthin­ usw.­ Natürlich­ bestimmte­ die­ Zielgruppe das Format und die Musikauswahl,­ aber­ die­ lokale­ Berichterstattung­ schafÚe­ definitiv­ erst­die­Bindung­zum­Hörer­–­zumal sich die Städte und Regionen so­ ja­ erst­ ihre­ mediale­ Identität­ schaffen­konnten.­Es­galt­damals­ überall der Anspruch (im Gegensatz­ zum­ BR):­ aus­ Franken,­ von­ Franken,­für­Franken­und­das­bezog­sich­nicht­nur­auf­Wetter­und­ Verkehr! Peter Budig