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RFM intern

Der alte Max schaut mal wieder vorbei Eine sehr hübsche Museumsgeschichte von Gisela Maul Ah, mein Schreibtisch. Da steht er ja noch, dort in der Ecke. Was waren das für Zeiten als ich noch Tag für Tag entscheiden konnte was hier los war. Vom Lehrling bis zum Generaldirektor – alle haben sie gezittert wenn sie hier angetreten sind. Es fällt mir zwar schwer, aber trotzdem muss ich zugeben, dass die junge Frau, die jetzt hier das Kommando übernommen hat, das gar nicht schlecht macht. Jedenfalls soweit ich das von da oben aus mitbekomme. Und gut sieht sie auch noch aus. Ich hatte ja immer eine Schwäche für schöne Frauen.

BESUCH BEI DER WEIHNACHTSFEIER

Damals im Stadtpark, mein Gott waren das noch Zeiten. Die Grete hat mich letzthin bei einem himmlischen Kaffee aufgeklärt, dass diese junge Frau kein Einzelfall ist. Die Frauen begnügen sich einfach nicht mehr damit, den Haushalt zu machen. Oder, wenn sie schon arbeiten, dann nicht wie früher in der Fertigung oder wenn‘s hoch kommt als Sekretärin. „Ganz so stimmt das ja auch nicht“, habe ich sie angegrinst, „bei der Quelle warst du doch der Boss oder etwa nicht? Das war ja auch Nürnberg“. Dabei hat sie mich herausfordernd über den Rand ihrer Kaffeetasse angeschaut. „In Fürth dauert halt alles etwas länger.“ Und dann hat sie von Gender, Feminismus, Gleichberechtigung und ich weiß nicht was geredet. Sie war gar nicht mehr zu bremsen.

Die Weihnachtsfeier 2017 stand schon unter dem Stern des Neubeginns: Neue Chefs, neue Sitten. Und gar nicht schlecht! Statt dem – mit den Jahren – etwas angestaubten Wichteln, wurden alle Besucher gebeten, eine kleine Vorführung vorzubereiten. Dieses Konzept konnte so und so aufgehen. Hier im RFM war es ein toller Erfolg, weil es viele geheime Begabungen ans Licht brachte: Jana Stadlbauers Flötenspiel, ebenso wie die Kartentricks von Heiko Gaßner, die Siemens-G‘schicht von Werner Lindner und manchem Gedicht. Einer der Knüller: Gisela Mauls Geschichte. Die wir deshalb hier abdrucken.

„Jetzt mach mal halblang“, bin ich ihr endlich ins Wort gefallen, „ich bleibe dabei: als Sekretärin ja, tippen, Post sortieren, Anrufe entgegennehmen, lästige Besucher abwimmeln und für was man die Mädels sonst

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Rundfunk & Museum 94 – Februar 2018

so brauchen kann. Aber wo‘s lang geht, das bestimmen wir. Da gibt‘s kein Aufmüpfen.“ Der Franz Josef und der Ludwig standen daneben und haben gefeixt. „Max, die jungen Frauen hatten doch auch andere Aufgaben bei dir oder?“ und dabei haben sie noch so blöd gelacht. Als ob es in der Politik anders wäre. Der Strauß und der Erhard haben sich in dieser Beziehung auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Gottseidank ist mir der Gustav zur Seite gesprungen. Der kannte das ja von seiner Grete. Die war auch schon zu seinen Lebzeiten eine ganz Taffe. Mein Gott, wenn ich an die Verhandlungen denke, die ich mit ihr führen musste, als der Gustav schon da oben war. Gehandelt hat die, die bayerischen Rosshändler waren nichts dagegen. Schluss mit den alten Zeiten. Jetzt setz‘ ich mich erst mal an meinen Schreibtisch und schau‘ mir die Gesellschaft in Ruhe an. Da sitzen sie nun in meinem Büro und schwatzen, trinken und essen .... Ja, was essen die denn da? Warum hat mein Freund, der Behringer, nicht die Bratwürstchen geliefert? Grundig ohne Behringer? Die Funkausstellungen waren undenkbar ohne uns beide. Mittags war die Grundig Halle voll, denn