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RFM Ausstellung

Auf einer riesigen nachempfundenenMusiktruhe sind die Entwürfe zu sehen gewesen, die Grundig-Designer Jürgen Schönborn (re.) gerettet hat. Die Ausstellung hat Peter Weigel konzipiert und gestaltet.Fotos: Budig

Die frühen Jahre: Grundig Design Als die Musiktruhe noch die Wohnzimmer zierte von Sabine Rempe

„Grundig Design“, eine bemerkenswerte Ausstellung im Kulturort Badstraße 8, erinnerte bis 17. Mai 2018 an die Anfänge der Unterhaltungselektronik, die in Fürth maßgeblich geprägt wurde. Gezeigt werden Entwürfe aus einer Zeit, als große Ideen noch mit wenigen Bleis��strichen skizziert wurden. Kofferradios, so schick wie Designer-Handtaschen. Musikschränke als elegante Zierstücke im Wohnzimmer – Max Grundig wusste, was die Bundesbürger wollen. Wie intensiv sich der Gründer des Elektronik-Konzerns aus Fürth auch mit der Gestaltung seiner Produkte auseinandersetzte, beweist die einmalige Schau in der Badstraße: Zu sehen sind Original-Handskizzen aus den 50er und 60er Jahren, ge-

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fer�gt von den Mitarbeitern aus der „Abteilung Formgestaltung“. Auf leicht vergilbtem Papier, kaum DIN-A-5 groß, sind die Urformen von Geräten zu erkennen, von denen es einige bis zur Marktreife scha�en. Vorausgesetzt, sie ha�en vor den gestrengen Augen des Konzernchefs Bestand. Dass die einmaligen Zeichnungen nicht im Reißwolf landeten, ist Jürgen Schönborn zu verdanken. Der 74-Jährige war seit 1976 im Unternehmen und ab 1980 Chefdesigner, er macht klar: „Ein großer Verdienst von Max Grundig ist, dass er als einer der Ersten Design als Marke�ng-Instrument einsetzte.“ In den 60ern sei die Gestaltungsabteilung bereits mit rund 20 Mitarbeitern besetzt gewesen, ein Novum in dieser Zeit. Außergewöhnlich sei aber auch

Rundfunk & Museum 95 – September 2018

die Fähigkeit des Fürther Patriarchen gewesen, „den Zeitgeist zu erfassen und exakt zu erkennen, was ankommt“. Damit wirklich jeder das Passende fand, gab es o� „von einem Produkt bis zu zehn verschiedene Ausführungen“, weiß Schönborn: „Ungewöhnlich war natürlich auch, dass jedes Modell einen treffenden Namen bekam.“ Unvergessen etwa der Fernseher „Zauberspiegel“ oder der „TeddyTransistor-Boy“. Jede Entscheidung ging über den Tisch des Chefs. Und Max Grundig ha�e sehr genaue Vorstellungen. So manche Entwurfs-Zeichnung lässt erkennen, dass seine Anweisungen alle Details berührten. Für Grundigs „Chef-Mi�eilungen“ gab es sogar einen eigenen Vordruck. Ein Exemplar dieser Ze�el wird in